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Sobald man die aussichtsreichen Almwiesen bei der Mitterhütte auf 1276 Meter erreicht hat, ist es bis zum Hochalm-Gipfel nicht mehr weit.

Bezaubernder Gipfelblick

Wildromantische Wanderung am Achenpass

Der Achenpass verbindet das Achental mit dem Tegernseer Tal. Ein Stück unterhalb des Passes beginnt eine wildromantische Wanderung auf das Gipfelchen Hochalm.

In der Ferne wabert eine Staubwolke, die sich langsam nähert. Pferdewagenkolonnen rumpeln lärmend durch Morast und Schlaglöcher über den Achenpass...

Der Pass verbindet das Achental mit dem Tegernseer Tal

Schon seit der Bronzezeit wird der Übergang von durchziehenden Händlern genutzt. Doch erst im Jahre 1495 begann man, den holperigen Saumweg zu einer Fahrstraße auszubauen. Im Laufe der Zeit entstanden entlang des Passes an der Grenze zwischen Bayern und Tirol einige Befestigungsanlagen, wo Wachposten Tag und Nacht die Reisenden kontrollierten. Um 1809 führte dann eine der wichtigsten militärischen Transitrouten der Bayerischen Armee über den Pass, der das Achental mit dem Tegernseer Tal verbindet.

Uriges Wirtshaus in der ehemaligen Glashütte

Ein Stück unterhalb des Passes liegt das kleine Dorf Glashütte. Hier betrieben ab 1690 Tegernseer Mönche eine Glasbrennerei. Unglücklicherweise ging die ganze Anlage acht Jahre später in Flammen auf und wurde völlig zerstört. Noch im gleichen Jahr hieß es für Balthasar Werkmeister, Mitarbeiter der abgebrannten Glashütte: Gerstensaft zapfen statt Glas brennen. Als er, Wirt des ersten Gasthofs in Glashütte, das Bierzapfrecht erhielt. Das urige Wirtshaus floriert noch heute. Unweit von der Glashütte direkt auf der Passhöhe (941 Meter) trifft man auf ein paar verstreute Häuser, den Weiler Stuben. Hier nimmt eine wildromantische Wanderung auf das Gipfelchen Hochalm ihren Anfang.

Kleine Bachläufe und ein lichtdurchfluteter Wald

Die Almgebäude selbst sind jedoch seit vielen Jahren verfallen, übrig sind nur noch ein paar Mauerreste und ein ansehnliches Gipfelkreuz. Schon nach wenigen Aufstiegsmetern zeigt sich im Hintergrund der Achenkirchener Bergkoloss Juifen und im Norden das ungleiche Gespann Roß- und Buchstein. Nur kurz berührt man den Forstweg, meistens wandert man auf Waldwegen, die sich im Auf und Ab an einem Hang entlangschlängeln. Nie weiß man genau, was einen hinter der nächsten Kurve erwartet. Es sind vor allem die vielen kleinen Bachläufe, die im lichtdurchfluteten Wald für Abwechslung sorgen. Mal geht’s auf stufigen Schrofen ganz kurz hinab, manchmal genügt ein großer Schritt. Oder man steigt über schrundige Steine einen Meter empor, um die schwächste Stelle eines Baches zu überwinden.

Der Gipfleblick lässt keine Wünsche offen

Obwohl der Weg keine Schwierigkeiten aufweist, ist etwas Trittsicherheit nötig und bei Vereisung ein behutsamer Schritt. Ab und zu quert man auch steile Grashänge, aus denen, falls doch noch einmal Schnee fallen sollte, bei ungünstigen Bedingungen kleine Lawinen herunterrutschen könnten. Vor dem Start sollte man sich also über die Situation vor Ort informieren. Einfach wunderschön und aussichtsreich sind die Almwiesen bei der malerischen Mitterhütte auf 1276 Meter. Von dort ist es zum Wiesengipfel nicht mehr weit. Der Gipfelblick lässt keine Wünsche offen: Da schweift das Auge von der Benediktenwand über das verschneite Wettersteingebirge und über die Karwendelkette zum Rofan. Neben den vielen bekannten Bergzielen entdeckt man in der näheren Umgebung auch einige unbekannte, waldige Gipfel(chen). Da gibt es den Saurüsselkopf, das Stacheleck, den Brünstlahnerkopf oder den Ameiskopf. Manche davon klingen nicht sehr einladend, vielleicht führt deshalb auch kein Weg hinauf? Unser Abstiegsweg hingegen ist ein wahres Vergnügen. Dank der moderaten Neigung und der geschickten Wegführung kommt man hernach völlig entspannt zurück zum Achenpass.

Von Doris Neumayr

HOCHALM (1428 METER)

ANFAHRT – Auto: Autobahn A 8 München – Salzburg Ausfahrt Holzkirchen. Auf der B 318 Richtung Tegernsee. In Rottach-Egern auf die B 307 über Kreuth in Richtung Achenpass. Im Weiler Stuben am Achenpass links auf den Wanderparkplatz (941 m). Bahn/Bus: BOB bis Tegernsee, mit RVO 9550 bis Halt „Kreuth Stuben“ (Info: www.bahn.de).

TOUR – Aufstieg ca. 1 ¾ Std., Abstieg ca. 1 ½ Std., 500 Hm, 3,5 Km einfach. Meist Waldwege, leichte Wanderung, ganzjährig machbar, nur nach Neuschnee und hoher Schneelage nicht empfehlenswert. Vorsicht bei Vereisung- Lokale Lawinensituation beachten, Info: www.lawinenwarn dienst-bayern.de; Tel.: 089 / 92 14 12 10. Verlauf: Vom Wanderparkplatz geht man am Straßenrand knapp 100 m zurück (Richtung Kreuth).

Beim Wegweiser „Hoch-Alm“ steigt man links einen Weg hinauf an einem Bretterzaun entlang. Nach einer grasigen Anhöhe überquert man einen Forstweg und folgt dem ausgeschilderten Wanderweg durch lichten Wald bergauf. Bald trifft man wieder auf den Forstweg und wandert kurze Zeit auf diesem empor. Dann zweigt nach rechts ein markierter Wanderweg ab (weiß-rot-weiß). Nun im leichten Auf und Ab über viele Bachgräben an einem schütter bewaldeten Hang entlang. Nach gut 1,5 Stunden steigt man kurz etwas steiler über Almwiesen neben der Mitterhütte empor (1276 Meter – nicht bewirtschaftet). Gleich darauf steht man auf einem freien Wiesensattel mit einem Schilderbaum. Hier zieht man nach rechts über einen Wurzelweg durch ein kleines Waldstück weiter aufwärts. Nach einem kurzen steileren Aufschwung ist die weite, leicht hügelige Gipfelwiese erreicht. Am westlichen Rand der Wiese befindet sich das Gipfelkreuz auf 1428 Meter. Der Abstieg verläuft über die gleiche Route.

EINKEHR – Gasthof Glashütte, durchgehend warme Küche 12 bis 21 Uhr, Mo und Di geschlossen. Adresse: Glashütte 28, 83708 Kreuth. Tel.: 0 80 29 / 569; Internet: www.gasthof-glashuette-kreuth.de

KARTE – Kompass-Karte 8, Tegernsee-Schliersee, oder Amtl. Österreichische Karte Achenkirch 88, 1:50 000.

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