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Skitourengeher auf einer Piste. Vielerorts werden eigens Aufstiegsrouten ausgewiesen.

Achtung Gegenverkehr

Als ginge es auf den Pisten nicht schon eng genug zu, müssen sich Skiläufer jetzt auch verstärkt auf Gegenverkehr einstellen. Denn: Tourengehen in Skigebieten ist zu einem Trendsport geworden.

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Im Classic-Gebiet von Garmisch-Partenkirchen etwa erklimmen täglich Hunderte von Liftverweigerern den Hausberg oder das Kreuzeck und kommen dabei gefährlich oft den Abfahrenden oder den Pistenraupen in die Quere (siehe Interview).

Pistensteigen – eine umstrittene Freizeitaktivität selbst unter Tourengehern. Die Befürworter suchen vor allem einen Ausdauersport in der winterlichen Natur, ohne sich der Lawinengefahr aussetzen zu müssen. Die Gegner vermissen vieles, was den eigentlichen Reiz des Skibergsteigens ausmacht: Tiefschneeabfahrten im freien Gelände oder auch die Ruhe fernab vom Pistentrubel. Bei geringer Schneelage oder hoher Lawinengefahr weichen aber selbst Puristen auf die Piste aus.

Die größten Gegner des Skitourengehens auf Pisten sitzen freilich in den Lifthäusln. Die Bergbahnen schaffen mit den präparierten Pisten ein Angebot, das sie den Käufern einer Liftkarte zur Verfügung stellen. Tourengeher nutzen dieses Angebot zum Nulltarif mit und bringen womöglich zahlende Kunden in Gefahr. Vor allem in Österreich wird zurzeit ein weitgehendes Verbot von Skitouren auf Pisten diskutiert.

Ob das in Bayern rechtlich möglich wäre, ist umstritten: Die Bergbahnen betrachten die Pisten als Sportstätten, was ihnen ein Hausrecht einräumen würde. Manfred Scheuermann vom Deutschen Alpenverein (DAV) hingegen beruft sich auf das in der Verfassung verbriefte „freie Betretungsrecht der Natur“: „Pisten können nur zeitlich begrenzt gesperrt werden, wenn Gefahr im Verzug ist, zumBeispiel während des Präparierens.“ Die Lösung sieht Scheuermann in ausgewiesenen Aufstiegsrouten: „Das funktioniert in einigen Gebieten wie in Ruhpolding schon ganz hervorragend.“

Bis sich solche Kompromisslösungen durchgesetzt haben, appelliert der DAV an die Tourengeher, sie sollen die mit der Seilbahnwirtschaft ausgehandelten Regeln für Tourengehen auf Pisten (siehe rechts) befolgen. Scheuermann: „Diese zehn Punkte müssen unbedingt eingehalten werden. Sonst funktioniert das Miteinander auf der Piste nicht.“

„Es ist schon mehrfach zu Unfällen gekommen“

tz-Interview mit Peter Huber Vorstand der Zugspitzbahn AG

Herr Huber, welche Ausmaße hat das Tourengehen im Skigebiet von Garmisch-Partenkirchen angenommen?

Peter Huber: Es gibt Tage, andenen haben wir während des Skibetriebs bis zu 300 Tourengeher im Gebiet. 

Welche Probleme entstehen dadurch?

Huber: Tagsüber besteht das Hauptproblem in der Kollisionsgefahr zwischen abfahrenden Skifahrern und aufsteigenden Tourengehern. Hier ist es mehrfach zu Unfällen gekommen, teils mit schweren Verletzungen. Von den Tourengehern hält sich leider kaum einer an die Regel, am Rand zu gehen. Stattdessen gehen sie nebeneinander und quer über die Piste. Nach Betriebsschluss der Seilbahnen behindern Tourengeher dann die Präparierung der Pisten. Es ist schon vorgekommen, dass ein Raupenfahrer einen Tourengeher nachts übersieht und überfährt. Noch gefährlichersinddiegespannten Stahlseile, an denen sich die Raupen steile Hänge hinaufziehen und die vor allem im Dunkeln leicht übersehen werden.

Warum wird das Aufsteigen auf der Piste nicht zumindest abends verboten?

Huber: Eine zeitweise Sperrung der Piste kann nur die Gemeinde erlassen. Die hat jedoch auch ein politisches Interesse, weil unter den Tourengehern ja viele Einheimische sind.

Wie könnte Ihrer Meinung nach eine kompromissfähige Lösung aussehen?

Huber: Wir haben dienstags und donnerstags zwei Tourengeher- Abende eingerichtet, an denen bestimmte Pisten bis 22 Uhr für Tourengeher freigegeben sind. Leider ist hier der Ansturm mittlerweile so groß geworden, dass es auch hier immer öfter zu kritischen Situation zwischen Aufsteigenden und Abfahrenden kommt. Tagsüber sehe ich nur einen Kompromiss: Man bietet eine Aufstiegsstrecke an. Diese müsste man markieren und zumindest an kritischen Stellen von der Abfahrtspiste mit Zäunen oder Netzen abgrenzen. Hier ist die Kostenfrage noch ungeklärt, zum Beispiel, ob sich auch die einzelnen Tourengeher daran beteiligen müssen. Außerdem ist es ein rechtliches Problem. Denn in dem Moment, in dem wir Aufstiegsrouten ausweisen, trifft uns die Verkehrssicherungspflicht. Und es ist nicht so einfach, die Sicherheit zu gewährleisten, wenn wir zum Regelverkehr einen Gegenverkehr eröffnen.

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