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Über den Wolken: Der Blick vom leicht verschneiten Predigtstuhl auf Bad Reichenhall.

Wandern in Bad Reichenhall

Advent und Dolce Vita: Auf den Spuren des „Weißen Goldes“

„Wer erkennt die schlafende Hexe?“ So könnte das Gespräch beim Frühstücks-Brunch aussehen. Durch die Panorama-Fenster des frisch umgebauten „Klosterhofs“ lässt sich der Blick auf das Lattengebirge bei duftigen Gebäck, Weißwürsten, Obst und einem Glas Sekt besonders genießen.

Über dem Buffet hängt eine Original-Holztafel mit der Aufschrift „Klosterhof 1500“. Ein Hinweis auf die 500-jährige Vergangenheit des Bauernhofes. Ein idealer Ausgangspunkt für einen adventlichen Spaziergang entlang der Allee am Königsweg, die direkt vom Klosterhof bis hinunter zum Kloster führt. St. Zeno ist mit 90 Metern Länge, 30 Metern Breite und einer Turmhöhe von 48 Metern die größte, im romanischen Stil erbaute Basilika Südbayerns, erbaut 1136 bis 1228. Sie ist damit nur zehn Meter kürzer als der Salzburger Dom. Der Spaziergang führt weiter entlang der Salzburger Straße bis zur festlich geschmückten Fußgängerzone, mitten hinein in die Historie des Heilbades: Die Geschichte des Kurortes begann hier 1846 mit der Eröffnung der „Sole- und Molkekuranstalt Achselmannstein“, dem späteren „Grand Hotel Axelmannstein“, wo illustre Gäste wie König Maximilian II. nächtigten. Direkt gegenüber steht das Kurmittelhaus der Moderne. Wobei „Moderne“ sich eher auf die Zeit um die letzte Jahrhundertwende bezieht, während der florierenden Zeit des Kurbades. Seither werden in den Räumen verschiedene Sole-Anwendungen durchgeführt. Bereits seit der Römerzeit war Reichenhall aufgrund seiner Solevorkommen mit einem Salzgehalt zwischen 20 und 70 Prozent als einer der wichtigsten Salzproduzenten Europas zu Reichtum gelangt.

Am Rathausplatz auf dem Christkindlmarkt wartet bereits Martina Scholze. Sie führt entlang der Reichenhaller Sehenswürdigkeiten und weiß allerlei Anekdoten zu erzählen. Zum Beispiel, dass König Ludwig I. ein Fünftel seiner Staatseinnahmen aus dem Reichenhaller Salz abgedeckt hat. Dafür errichtete er in der Alpenstadt viele Bauwerke, wie das Rathaus von 1834 – nach italienischem Vorbild. Dolce Vita in den bayerischen Alpen? Im Bad Reichenhaller Kurgarten gedeihen, aufgrund des fast mediterranen Klimas, Palmen und Bananenpflanzen! Hauptblickfang im Park ist das Gradierwerk. Zwar tropft in den Wintermonaten keine Sole durch die 100 000 Schlehenzweige, dennoch ist es beeindruckend, um das 162 Meter lange Gradierhaus zu spazieren und sich vorzustellen, wie die Kurgäste hier seit 110 Jahren die Sole inhalieren. In den warmen Monaten rieseln über die großen Flächen täglich 400 000 Liter zwei- bis dreiprozentige Sole, die an den feinen Verästelungen der Zweige zerstäubt. Diese Aerosole dringen in die Atemwege ein und bewirken dort die Reinigung und Durchblutung der Schleimhäute. Der geschichtsträchtige Spaziergang führt wahlweise durch eine der beiden Fußgängerzonen, vorbei am ältesten, romanischen Kirchlein der Stadt, der St.-Josef-Spital-Kirche, zum schönsten Backsteingebäude Bad Reichenhalls – der alten Saline. Das 1840 erbaute Gebäude ist völlig intakt geblieben. Schon von der Straße aus ist der Klang des Messingglöckchens zu hören, das einst dem Brunnmeister den regelmäßigen Gang der beiden riesigen Wasserräder, von je 13 Metern Durchmesser, angezeigt hat. Seit 150 Jahren schöpfen sie Tag und Nacht die Sole. Bei einer Führung gelangt man in den 14 Meter unter dem Brunnhaus gelegenen Quellenbau und erfährt alles über die Ursprünge und die Verarbeitung des „Weißen Goldes“ von 1925 an bis in die heutige Zeit.

Direkt um die Ecke, taucht man ins Mittelalter ein, so windschief sind die Häuschen rund um den ältesten Platz der Stadt, den Florianiplatz. Mittelalterliche Romantik pur auch oberhalb des historischen Stadtkerns: Eigentlich ist die privat bewohnte Burganlage Gruttenstein, die im 12. Jahrhundert zum Schutz der Solequellen errichtet wurde, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Doch an den Adventwochenenden öffnet die Schlossherrin die Burg-Tore für den Weihnachtsmarkt. Von hier aus könnte man den direkten Weg über den Hang zurück zum Klosterhof nehmen, doch die Spritztour wäre unvollständig, würde man sie nicht mit einer Fahrt mit der ältesten, noch im Originalzustand fahrenden Seilbahn der Welt (gebaut 1925) abrunden und vom Predigtstuhl den grandiosen Talblick von 1583 Metern Höhe auf Bad Reichenhall genießen.

Von Sonja Vodicka

Tour in Bad Reichenhall

ANFAHRT – Mit der Bahn: stündlich von München nach Bad Reichenhall oder direkt nach Bayerisch Gmain (siehe Infos Alpine Pearls), vom Bahnhof Bad Reichenhall mit Bus Nr. 1 bis Haltestelle Kirchholzstraße zum Klosterhof, Steilhofweg 19, 83457 Bayerisch Gmain. Mit dem Auto: Autobahn A 8: Ausfahrt 115 Bad Reichenhall-Bayerisch Gmain. 

INFOS: Alpine Pearls: Bad Reichenhall gehört seit 10 Jahren zu den „Alpine Pearls“ und verpflichtet sich dabei dem grünen Tourismus. 27 internationale Mitglieder-Gemeinden alpenweit weisen ein Verkehrskonzept auf, das geeignet ist für einen bewussten Umgang mit der Natur. Für Bad Reichenhall bedeutet das: überregional besonders günstig mit der Bahn zu erreichen (z. B. mit dem Bayern-Ticket). Vor Ort wird gewährleistet, dass die wichtigsten touristischen Ziele täglich, mit Gästekarte, kostenfrei zwischen 9 und 20 Uhr mit öffentlichen Erdgasbussen, zu Fuß oder mit E-Bikes erreichbar sind.

WANDERUNG: Klosterhof – Königsweg – Hubertusstraße – Kloster St.Zeno – Salzburger Straße – Ludwigstraße – Rathausplatz – Poststraße (St. Aegidi-Kirche) – Spitalgasse (St.Johann-Spitalkirche) – Kurhaus – Kurgarten – Gradierwerk – Kurmittelhaus – Ludwigstraße – Salinenstraße – Alte Saline – Floriani-Platz – Luitpoldstraße (Brücke) – Predigtstuhlbahn – Predigtstuhl. Zurück über Luitpoldbrücke – historische Altstadt – Burg Gruttenstein – Feldweg – Sonnenstraße – Steilhofweg – Klosterhof. Bad Reichenhaller Adventrundgang am 11.12.16 und 18.12.16 um 15 Uhr. Treffpunkt Predigtstuhlgondel am Christkindlmarkt. Preis 10 Euro inkl. Würstl und Glühwein. 

TIPP: Frühstücken im Klosterhof: Brunchbuffet im Restaurant GenussArt und den Klosterhofstuben, inklusive Getränke und Morgenzeitung. Preis: 25 Euro. Day-Spa im Klosterhof: Tageseintritt ins 1500 Quadratmeter große Artemacur- Spa, inkl. Leihbademantel und Handtüchern, Kuscheldecke, Frotteepantoffeln, Spa-Buffet mit Tee-Angebot, Obst und Leckereien, Fitnessbereich, Nutzung des Entspannungs- und Aktivprogramms (z.B. Yoga) und eine 50-minütige Anwendung. Preis 89 Euro Übernachtung im 4 Sterne-Superior Klosterhof: ab 140 Euro/p. P. inkl. Gourmetabendmenü, Spa-Nutzung etc.

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