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Über Stock und Stein hinab nach Schliersee führt eine Etappe der Tour. Wer keine Angst hat, der lässt es sausen und kommt sich vor, als würde er wellenreiten.

Mountainbike-Tour durch das Alpbachtal

Schwerelos im Sattel

Weil der Urlaub für die meisten schon wieder vorbei ist, freut man sich jetzt über Spritztouren, die das Urlaubsgefühl noch ein bisschen nachklingen lassen.

Für Mountainbiker war die Sommerhitze oft eine Qual, da kommt der Herbst wie gerufen, um vom charmanten Tegernseer Tal kräftig in die Pedale zu treten. Eine vielseitige Runde führt durch das Alpbachtal zum Schliersee und über die Gindelalm wieder zurück. Der Mix aus genussreichen und fordernden Etappen, gewürzt mit prickelnden Downhill-Strecken und vielen Einkehrmöglichkeiten schenkt dem Bikerherz alles, was es begehrt.

Wenn sich der Tegernsee frühmorgens verträumt in eine dünne Nebeldecke kuschelt, taucht man ein in würzige Waldluft. Silbrige Tautropfen klammern sich an Grashalme, während man neben dem munter plätschernden Alpbach dahinradelt. Die Strecke ist gut markiert, so findet jeder bald seinen Rhythmus und der Alltagsstress bleibt im Tal.

Im Vorbeifahren stößt man auf die malerische Hubertushütte mit sprudelndem Brunnen. Gegenüber grüßt von einem Felssporn das schon 1841 erbaute Riederstein Kircherl herab. Später erreicht man mit noch frischen Beinen einen schönen Rastplatz, den breiten Wiesensattel zwischen Kreuzbergalm und Kreuzbergköpfl. Spaziert man ein bisschen auf den Almmatten herum, zeigt sich der schroffe Wendelstein und der behäbige Breitenstein. Hernach führt ein steiniger Pfad über Feuchtwiesen in lichten Wald hinein und schon heißt es „wellenreiten“ über Wurzeln und Steinbrocken. Der eine lässt es sausen, der andere schiebt lieber. Der Weg mündet in einen gutmütigen Forstweg. Nun fährt man hinab, vorbei am „Gasthof Hennerer“ und über sattgrüne Weideflächen ins anmutige Schlierseer Tal. Etwas schüchtern blinkt der Schliersee kurz auf zwischen Bauernhöfen und verschwindet gleich wieder inmitten einer lieblichen Hügelkulisse.

Die Runde nähert sich jetzt der nächsten Auffahrt Richtung Gindelalm. Anfangs kurbelt man über sonnige Moorwiesen, dann wird die Herbstsonne angenehm durchs bunte Blätterdach gefiltert. Die asphaltierte Gindelalmstraße zeigt sich aufgrund ihrer Steilheit mit der Zeit ziemlich bissig. Nach zäher Auffahrt erreicht man auf freien Bergwiesen die Gindelalm mit gleich drei bewirtschafteten Hütten. Während der wohl- verdienten Rast erfreut ein herrlicher Blick auf das Mangfallgebirge. Wem zum perfekten Glück jetzt noch eine Gipfelbesteigung fehlt, stapft über ein Graswegerl zum Gipfelkreuz der Gindelalmschneid (1330 Meter) hinauf und schaut dann bis zum Münchner Fernsehturm. Die gleiche Ansicht genießt man allerdings auch, wenn man über den holprigen Weg in Richtung Neureut-Haus strampelt. Der Berggasthof punktet mit einem breiten Alpenpanorama und einem sagenhaften Tegernseeblick. Die vielen flatternden Sonnenschirme vermitteln fast schon ein wenig Strandatmosphäre.

Auf dem letzten Ritt ins Tal ist dann volle Konzentration angesagt. Ein äußerst steiler Wirtschaftsweg zwirbelt sich in vielen Kehren hinab und bringt nicht nur Bremsbeläge zum Quietschen. Abrupt öffnet sich der Wald und wieder glitzert das türkisblaue Seeauge verheißungsvoll. Urlaubserinnerungen an das ferne Meer lodern auf, während man beinahe schwerelos über ein sanftes Teersträßchen zum Ausgangspunkt hinabrollt.

Von Doris Neumayr

GINDELALMSCHNEID (1330 METER)

ANFAHRT – A8 München – Salzburg bis Ausfahrt Holzkirchen. Weiterfahrt auf B 318 und B 307 Richtung Tegernsee. 700 m nach dem Ortsschild Tegernsee links „Hochfeldstraße“. Gleich wieder links „Karl-Theodor-Straße“ und der Ausschilderung „Wanderparkplätze“ folgen. Am „Bahnhofplatz“ links bis zum Parkplatz „Klosterwachtstraße“.

TOUR – 1000 Höhenmeter, 25 Kilometer, reine Fahrzeit: etwa 3 Stunden, meist Forst- und Wirtschaftswege sowie Teerstraßen, teilweise Pfade; Auffahrten mittelschwer, Abfahrten teils mittelschwer, teils schwierig. Bitte auf Fußgänger Rücksicht nehmen!

Vom Parkplatz (750 m) zurück zum Bahnhof und die „Bahnhofstraße“ abwärtsfahren. Beim Haus „Brückerl“ über die Brücke und links in die „Waldschmidtstraße“. Am Alpbach entlang aufwärts. Das Teersträßchen mündet in den „Prinzenweg“ und wird nach den letzten Häusern zum Forstweg. Zunächst immer nahe des Alpbachs bergan (Wegweiser „Kreuzbergalm/Schliersee 685“). Später zieht der Forstweg vom Bach weg, man hält sich an die Ausschilderung „Kreuzbergalm“ und kommt auf einen breiten Wiesensattel (1151 m) zwischen Kreuzbergalm und Kreuzbergköpfl.

Hier rechts (Wegweiser „Prinzenweg – Hennerer – Schliersee“) auf flachem Pfad in den Wald. Ein steiniger Weg zieht über Wurzeln bergab und mündet in einen Forstweg. Hier links bergab, vorbei am Gasthof Hennerer. Eine Teerstraße führt bergab in den Ortsteil Breitenbach (Schliersee) bis zur Kreuzung „Schlierachstraße“. Hier links an der Schlierach entlang, vorbei am Sägewerk. Kurz nach dem Ortsschild Hausham kommt ein Sportplatz. Gleich danach links in den „Huberspitzweg“. Vorbei am Gasthof „Glückauf“, nach einer Brücke und Marterl rechts in den „Moosrainer Weg“. Man mündet dann in die „Alpenstraße“ (Gindelalmstraße). Auf dieser links bergauf bis zur Gindelalm (1271 m).

Bei der Gindelalm rechts Wegweiser „Neureut-Haus“ auf Weg über Bergwiesen und durch Wald zum Neureut-Haus (1261 m). Direkt vor dem Neureut-Haus links Wegweiser „Tegernsee“. Auf extrem steilem Wirtschaftsweg im Wald bergab. Nach einem Parkplatz vorbei am „Gasthof Bergschwalbe“ und weiter bergab. Man mündet in die „Neureutstraße“. Bergab bis zum „Bahnhofsplatz“. Hier zurück zum Parkplatz „Klosterwachtstraße“.

EINKEHR – Gindelalm Nr. 1, 2 und 3 sind bewirtschaftet von Anfang Mai bis etwa Ende Oktober. Tel. 08026/58277. Berggaststätte Neureut-Haus, Montag Ruhetag (außer wenn Montag Feiertag, dann Dienstag), beinahe ganzjährig bewirtschaftet, Tel. 08022/4408.

KARTE – Kompass 8, Tegernsee, Schliersee.

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