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„Rafting" durch die Imster Schlucht: Der hohe Wasserstand beutelt die Schlauchbote - also muss jeder kräftig mitpaddeln.

Ein Wochenende im neuen Outdoor-Park "Area 47"

Die Alpen - ein Abenteuerspielplatz

So etwas gibt es nicht einmal in Amerika oder Neuseeland: der größte und spektakulärste Outdoor-Spielplatz der Welt. Womit wir in dieser Geschichte bereits zwei Superlative bemüht haben, einige weitere werden folgen.

Ebenso manch leidiger Anglizismus: Area 47 (sprich: Äria fortisewen) heißt die im Mai eröffnete Adrenalin-Tankstelle am Eingang zum Ötztal. Benannt nach dem Breitengrad, auf dem sie liegt. 6,5 Hektar groß, 13,4 Millionen Euro teuer. Fast 40 nervenkitzelnde Sportarten kann man hier ausüben oder ausprobieren.

Freitagabend, zwei Stunden nach der Abfahrt in München: Ankunft auf einem überdimensioniert wirkenden Parkplatz. Aber zur Area gehört auch der „Dome", eine Halle, die 8000 Menschen fasst. Demnächst spielen dort die Simple Minds – ja, die Weltstars aus Schottland! Schließlich wollen die Tiroler Touristiker die Event-verwöhnten Gäste, die sich im Winter in Sölden tummeln, nun auch im Sommer in die Berge locken. Junge Leute zumeist, die Wandern fad finden.

250 Personen können auf der Area 47 übernachten. Zu viert in hübschen Holzhütten oder zu siebt in gezimmerten Tipis. Unsere Hüttennachbarn hocken schon im „Lakeside-Restaurant" (prima Burger!) und machen sich über die Weißbiervorräte her. Unüberhörbar eine schwäbische Fußballmannschaft…

Dank Oropax sind wir ausgeschlafen, als Christian Schnöller (34) uns am nächsten Morgen an der künstlichen Kletterwand (selbstverständlich die höchste von ganz Österreich) empfängt. Chris ist Marketingchef von Area 47 und spricht gerne vom „Bespielen der Natur". Außerdem ist er geprüfter Guide für mehrere alpinistische Spielarten und führt uns durch den Hochseilgarten, der unter einer Straßenbrücke hängt. Hochseilgarten kennen Sie schon? Ja, aber gewiss nicht so einen: 27 Meter über der tosenden Ötztaler Ache! Da braucht man Nerven wie Ankerketten.

Outdoor-Erlebniszentrum Area 47:

Das Zentrum liegt in der Nähe des Tiroler Ortes Ötztal-Bahnhof, wenige Minuten von der Inntal-Autobahn. Eine Übernachtung im Holztipi kostet mit Frühstück 22 Euro, im Blockhaus 32 Euro. Man kann auch in umliegenden Hotels nächtigen, denn die Aktivitäten müssen extra bezahlt werden: Eine Raftingtour kostet für Erwachsene ab 45 Euro, Canyoning ab 74 Euro, Hochseilgarten 43 Euro, Flying Fox 22 Euro. Wer so eine Aktion bucht, erhält den Rest des Tages freien Eintritt in die Water Area, die eigentlich 18 Euro pro Tag (Kinder 10 Euro) kostet.

„Mach ma jetzt Flying Fox?", fragt Chris, noch ehe der Schweiß aufunserer Stirn getrocknet ist. An der Seilrutsche schweben wir 340 Meter weit über die „Water Area". Dort haben sich schon zahlreiche Tagesgäste verteilt, vor allem einheimische Kinder und Jugendliche. In den Ferien werden Familien hinzukommen, die in der Umgebung Urlaub machen. Bis zu 2000 Menschen sollen auf der Liegewiese Platz finden. Wie Freibad, nur krasser: mit einem bis zu 27 Meter hohen Sprungturm, der angeblich steilsten Rutsche Europas, einer überhängenden Kletterklippe, von der man im Falle eines Falles baden geht. Mit einer Schwallkanone, die menschliche Körper ins Becken schießt.

Gegenüber schleppen Burschen ihre Ski auf eine Schanze und springen trickreich ins Wasser. Chris erzählt, kürzlich sei ein Bus voller Senioren gekommen, die sich dieses Treiben mal anschauen wollten. Noch viel größer war das Hallo, als die Pensionisten Semino Rossi entdeckten, der mit seinen Kindern ins Area 47 gekommen war. Und tatsächlich: Auch heute sitzt der Schlagerstar, der in Tirol wohnt, auf der „Lakeside"-Terrasse.

Informationen und Buchung:

www.area47.at

Tel.: 00 43 / 52 66 / 8 76 76

Nun aber weiter, um 14 Uhr steht „Rafting" auf dem Programm! Die„Outdoor Arena" liegt an der Mündung der Ache in den Inn. Hier starten die Touren zum Raften oder „Caving" – letzteres sind Höhlentouren durch ein von den Nazis angelegtes Stollensystem. Unser zweistündiges „Rafting" durch die Imster Schlucht gilt als leicht. Dennoch: Der hohe Wasserstand beutelt die Schlauchbote. Treiben lassen is’ nicht, jeder paddelt mit – und ist bei der Rückkehr platt. Heute werden wir nicht alt, obwohl abends im „Area Dome" sechs DJs Electro auflegen.

Auf dem Dach dieser Halle sollen Sonnenkollektoren installiert werden. Die Betreiber – Hauptinvestor sind die Bergbahnen Sölden – zeigen ihr Tourismusprojekt gerne von der grünen Seite. Das Wasser des Badesees bereitet sich quasi von selbst auf. Elektrocaddys surren übers Gelände. Die Umgebung der Area 47 – weitläufiger Kiefernwald – wurde im Zuge der Genehmigung zum Naturschutzgebiet erklärt.

Sprung in eine sechs Meter tiefe Gumpe beim „Canyoning".

Nach dem Sonntagsfrühstück: Schluchteln – sorry: „Canyoning". Auchhier eine leichtere Tour, weil die anderen Gebirgsbäche zu viel Wasser führen. Abseilen, kraxeln, natürliche Wasserrutschen und bis zu sechs Meter tiefe Sprünge in Gumpen. Adrenalin-Süchtlinge bekommen hier garantiert keine Entzugserscheinungen. Und danach? Es gäbe ja noch viel zu tun: „Climbing", „Bouldern", „Beachvolleyball", „Slackline", „Megaswing"…

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