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Retter der Bergwacht

Alpenverein legt Bergunfallstatistik vor

München - Sie wollen einen Berg-Gipfel besteigen, doch ihr Ausflug endet tödlich. Immmer wieder geraten Wanderer und Bergsteiger in Not. Jetzt präsentierte der Alpenverein die Bergunfallstatistik 2011.

Seit Jahren boomen die sogenannten Outdoor-Sportarten. In der Stadt sind die Kletterhallen regelmäßig brechend voll, auf den Bergen reihen sich an vielen Tagen die Wanderer wie Perlen auf einer Kette. Bergsteiger- und Outdoorkataloge preisen beste Ausrüstung für maximalen Berggenuss an. Die Sicherheit, die viele Produkte dabei versprechen, scheinen die für den Berg nötige Erfahrung fast schon überflüssig zu machen.

Dieser Trend birgt Gefahren. Der Deutsche Alpenverein (DAV) veröffentlichte gestern in München seine Unfallstatistik. Die Daten erhebt der Verein aus den Meldungen seiner Mitglieder an den Versicherer des Vereins. Darin zeichnet sich eine Tendenz besonders stark ab: Vor allem beim Klettersteiggehen, einer in den letzten Jahren enorm beliebten Disziplin, haben sich die Notfallmeldungen seit 2006 verdoppelt, seit 2002 sogar verdreifacht. „Dabei machen Blockierungen den Hauptanteil aus“, wie der DAV in seinem Bericht schreibt. Das sind Situationen, in denen die Betroffenen nicht mehr vor und nicht mehr zurück können.

Das Resumee des DAV ist ernüchternd: „Klettersteiggeher sind den Gesamtanforderungen des angestrebten Klettersteig zunehmend nicht gewachsen.“ Fehleinschätzung der Sportler spielt laut DAV dabei die größte Rolle. 50 Unfälle am Klettersteig wurden dem Verein gemeldet. Gemessen an den rund 900 000 Mitgliedern des DAV ist das aber immer noch relativ gering.

Der Verein versucht dieser Entwicklung dennoch mit Kursen und Führungen entgegenzuwirken. „Wichtig ist, dass die Leute aufgeklärt werden, Tipps für ihre Tourenplanung bekommen. Und lernen, sich selber richtig einzuschätzen“, sagt Stefan Winter, Ressortleiter für Breitenbergsport. Allerdings könne es laut Winter noch Jahre dauern, bis diese Maßnahmen sich auch in Zahlen niederschlagen.

In der Statistik werden noch andere Tendenzen sichtbar. Laut DAV sinkt die Zahl der tödlich verunglückten Menschen am Berg – jedenfalls gemessen an den steigenden Mitgliederzahlen des Vereins. 45 Menschen fanden 2011 den Tod in den Bergen. Dagegen wächst die Zahl der gemeldeten Notfälle. Dem DAV zufolge werden dabei aber immer öfter auch unverletzte Bergsportler geborgen.

Die Ursachen sind die gleichen wie bei den Klettersteig- unfällen: mangelnde Kondition und falsche Selbsteinschätzung. Auch die Bergwanderer tauchen in der Statistik als Risikogruppe auf.

Wanderunfälle machen rund ein Drittel aller Unfälle aus, 228 zählte der DAV letztes Jahr. Mit 19 Toten gab es hier die meisten Opfer. Der Verein ist jedoch bemüht, diese Zahl in Relation zu setzen. Es handele sich nicht um eine besonders gefährliche Sportart. Zu berücksichtigen sei, wie viele Menschen sie ausüben und wie viele Stunden sie tatsächlich am Berg verbringen.

Die Unfallzahlen bei den Hochtouren schwanken laut DAV. 2009 waren es 65, 2010 35, 2011 aber wieder 59 Unfälle. Eine Ursache dafür seien die unterschiedlichen Witterungsbedingungen.

Generell gibt es in der Statistik einen einfachen Zusammenhang. Je mehr Erfahrung ein Sportler am Berg hat, desto weniger unfallgefährdet ist er. Fast ein Viertel aller Unfälle betrafen Menschen, die weniger als 25 Tourentage hinter sich haben. Bei mehr als 25 Tagen am Berg sinkt das Risiko – zumindest statistisch – massiv.

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