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Alatsees bei Füssen (Schwaben).

Tödliche Attraktion

Alpsee, Forggensee, Schwansee und Weißensee – für Wasserratten ist Füssen ein absolutes Muss. Wohl keine andere bayerische Stadt kann mit so vielen, in unmittelbarer Nähe befindlichen Badegewässern aufwarten.

Als seien diese vier Bergseen nicht rekordverdächtig genug, befindet sich westlich der Königsschlösser- Stadt ein geheimnisvolles fünftes Gewässer, das auf dem ganzen Globus einzigartig zu sein scheint: In etwa 16 Meter Wassertiefe weist der Alatsee eine leuchtend rote Schicht von Purpur- Schwefelbakterien auf, die weltweit zu den ausgeprägtesten in Süßwasserseen überhaupt zählt.

Die Bakterien selbst schwimmen auf einer extrem schwefelhaltigen Schicht Wasser wie auf einem Kissen. Einem Kissen, von dem sich die bunten Prokaryoten gleichzeitig ernähren. Oberhalb der Bakterienschicht ist der Alatsee hingegen sauerstoffreich und von einer reichen Flora und Fauna besiedelt, unterhalb der Schicht findet sich aber so gut wie kein Sauerstoff. Von den lebensfeindlichen

Tiefen bekommt man als Ausflügler, der am hübschen Seerundweg herumschlendert, natürlich nichts mit – als mutiger Taucher schon. Das inspirierte ein sehr erfolgreiches Allgäuer Autorenteam dazu, einen ihrer Krimis mit einer Leiche im Neoprenanzug am Ufer des Alatsees starten zu lassen. Außer tödlichen Bakterien soll sich am Seegrund ein Goldschatz der Deutschen Reichsbank befinden, der zum Ende des Zweiten Weltkriegs versenkt wurde. In den 50er-/60er-Jahren wurden dadurch Taucher angelockt, die aber nur rostige Waffen bargen. So mancher Schatzsucher blieb für immer verschwunden. Ein absolutes Tauchverbot war die Folge.

Spektakuläres Wasser-Quartett

Wandern ist natürlich nach wie vor erlaubt. Unsere Spritztour zum Zirmgrat beginnt gleichsam auf Kommissar Kluftingers Spuren am Seeufer. Bereits nach wenigen hundert Metern führt uns der Anstieg vom Alatsee weg und über den „Josefs Steig“ zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man nicht nur den See, sondern auch noch die Zugspitze erblicken kann. Und das ist nur die visuelle Ouvertüre. Indem man sich kurz vor der Salober-Alm, die man sich für den Rückweg aufhebt, nach rechts wendet, geht es auf wunderschönen Bergpfaden zum „Vier-Seen- Blick“ weiter, ein Wasser- Quartett bestehend aus Weißensee, Hopfensee, Bannwaldsee und Forggensee.

Ausschnitt aus: Kompass 4, Füssen; Lizenz: 17-0906-LVB.

Weiter dem Gebirgsrücken und somit der deutsch-österreichischen Grenze nach Westen folgend geht es zunächst durch herrlichen Laubmischwald mal bergauf und mal bergab. Ein gemütlicher Schlussanstieg führt schließlich zum Zirmgrat – die Latschenkiefer oder Arve heißt auf tirolerisch auch Zirm – hinauf. Holzbänke laden abermals zu einer äußerst aussichtsreichen Pause ein. Auf der Tiroler Seite geben aber keine Seen den Ton an, sondern wie es sich für eine Alpenrepublik gehört große, wilde Kerle aus Fels und Stein. Die Gipfel der direkt gegenüberliegenden Tannheimer Berge sind so steil, dass sie vor allem Kletterer in Scharen anziehen.

Genusswanderer begnügen sich mit der Aussicht auf schwindelerregende Grate und genießen die landschaftlichen Reize beim Abstieg. Über saftige, von Baumgruppen umringte Almwiesen geht’s zurück zur Salober- Alm. Wie lange man es sich hier gemütlich macht, hängt auch vom Wetter ab. An einem heißen Sommertag sollte man zum Abschluss unbedingt in den Alatsee springen. Im Gegensatz zum lebensfeindlichen Seegrund lässt es sich an der glasklaren Wasseroberfläche vortrefflich baden. Die schöne Liegewiese am Westufer ist auch für wasserscheue Zeitgenossen genau der richtige Ort, um die Wandersocken auszulüften...

 MICHAEL PRÖTTEL

ALATSEE / ZIRMGRAT

ANFAHRT – A 96 München – Lindau, Ausfahrt Landsberg. Weiter B 17 über Schongau/Peiting, Steingaden nach Füssen. Dort Richtung „Weißensee“ und „Pfronten“. Nach überqueren der Autobahn links Schildern „Alatsee“ folgen.

KLEINE TOUR – (rot) Vom Parkplatz aus zum See, rechter Uferweg. An Gabelung rechts Ww. „Salober-Alm“. Bald kann man den steilen Fahrweg verlassen, um rechts dem „Josefs Steig zur Salober Alm“ zu folgen, der zuletzt wieder auf den Fahrweg zur Salober-Alm führt. Ein gutes Stück vorm Almgebäude geht’s rechts – Ww. „Zirmgrat“ – in den Wald. Leicht bergauf und an die Nordseite des Bergrückens. Kurz leicht absteigend führt der Steig zum „Vier- Seen-Blick“. Weiter hinab zu einem Waldsattel, wo man links direkt zur Salober-Alm zurückkehren könnte.

Es lohnt sich aber, der Beschilderung Zirmgrat zu folgen. Über einen Waldbuckel erreicht man einen breiteren Sattel und geht einen Zaun entlang bis zu einer Kreuzung mit Wegweisern. Von hier aus kehrt man später direkt zur Salober-Alm zurück. Vorher folgt man weiter den Ww. „Zirmgrat“, den man nun stetig ansteigend erreicht. Der höchste Punkt befindet sich dort, wo einige Bänke dazu einladen, die hervorragende Aussicht auf die im Süden aufragenden Tannheimer Berge zu genießen. Nach der Pause geht es zur letzten Wegkreuzung zurück. Dort rechts durch das Gatter und Wiesen zurück zur Salober-Alm (Mo/Di Ruhetage).

GEHZEITEN – 3 Std. Strecke: 7 km. Höhendifferenz: 500 Hm.; Start/Ziel: Geb.-pflichtiger Parkplatz am Alatsee.

GROSSE RUNDTOUR – (dunkelrot) Man kann den Zirmgrat auch in ganzer Länge erwandern: Dafür startet man beim Bad von Oberkirch am westl. Weißenseeufer. Nachdem man die Bundesstraße überquert hat, folgt man in Oberkirch der Straße nach Hinteregg. Dort links Sträßchen Roßmoos. Dann Ww. Falkenstein, am Parkplatz links Ww. Zirmgrat. Weiter zum Aussichtspunkt vorm Zwölferkopf. Immer am Kamm entlang zu Aussichtsbänken am Zirmgrat. Von dort (s.o.) über die Salober-Alm zum Alatsee/ Parkplatz. Straße Richtung Füssen bis Ww. „Weißensee- Rundwanderweg“. Hier links, nächste Gabelung rechts. Oberhalb des Weißensees führt der Weg zurück nach Oberkirch. (Insg. 4,5 Std.; Höhenunterschied ca. 600 Hm.)

KARTE – Kompass-Wanderkarte 4, Füssen-Ausserfern.

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