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Spannungsreiche Geschichte(n): das Sisi-Schloss in Aichach wird von modernen Skulpturen flankiert.

Altbayern in Schwaben

Bei Sisi und Josef - Schlossbesuch in Aichach

Auch wenn Aichach in der Broschüre „Schwabenstädte“ in Bayern ganz vorne steht, hat man mit „Schwaben“ wenig am Hut. Aichach ist Altbayern, die Leute sprechen bayerisch...

...da können die Nachbarn im nahe gelegenen Augsburg noch so schwäbeln. Und bitteschön: Wo lag das Stammschloss der Wittelsbacher? In Oberwittelsbach!“ Und wo steht das hübsche Wasserschloss von Herzog Max in Bayern? In Unterwittelsbach, dort wo Sisi ihre Kindheit verbracht hat. Wenn das nicht die Keimzelle Bayerns ist! Darauf darf man stolz sein, zumal die erste Erwähnung des Wasserschlosses schon auf 1126 datiert. Nach einigen Besitzerwechseln in Adel und Klerus kaufte es schließlich 1838 Herzog Max, der hier abseits des Trubels der Staatsgeschäfte Ruhe fand, ganz einfach leben und seiner Passion, der Jagd, nachgehen konnte. Die Schlosskapelle ist ein Unikum: Als Max das Schloss kaufte, war es eine Ruine und der Herzog ließ sie vom Kabinettmaler Mayr neugotisch wiederaufbauen und mit einem orientalischen Altar ausstatten. Dazu inspiriert hat ihn eine Orientreise, die den bodenständigen Max doch sehr beeindruckt hatte. 1999 kaufte die Stadt das Schloss. Heute steht es für Ausstellungen offen – aktuell ist an den Wochenenden eine Schau des rührigen Kunstvereins zu sehen. Und Sisi schaut aus einem überlebensgroßen Bild dem Treiben zu...

Kunst ist überall präsent im Schlosspark, da wäre zum Beispiel der historische „Erinnerungspunkt“, der aus zwei großen Steinen und einer Metallkugel besteht. Er ruft die Kriege der Mächtigen in Erinnerung, die Aichach und das Stammland der Wittelsbacher einst überzogen und nachhaltig verändert haben. Beeindruckend auch ein zweites Kunstwerk: Auf einer acht Meter hohen Harfe spielt der Wind und erzählt sein Lied: Die Harfe ist Herzog Max gewidmet, der auch ein großer Zitherspieler war.

1634 dem Erdboden gleichgemacht

Nach einem Spaziergang im Schlosspark, vorbei an verwunschenen Tümpeln, betritt man durch das Wittelsbacher Tor (Museum) die Altstadt. Aichach hatte ursprünglich zehn Wehrtürme in der Stadtmauer, einer davon ist sogar Sitz der „Königlich Bayerischen Josefs Partei“, die aus ein paar Männern hervorgegangen ist, die 1954 angetreten waren, den Turm zu sanieren. Weil diese kühnen Ritter so „deppert“ waren und die Erneuerung und Instandhaltung ohne öffentliche Zuschüsse aus eigener Tasche zu bestreiten, war der Name perfekt. Man nannte sich ab sofort: Damische Ritter (DaRi’s) im Turm zum Goldenen Frieden zu Aichach. Und weil ebenso viele Josefs und Sepps unter den Mitstreitern waren, wurde eine „Partei“ draus, die weltweit 6500 Mitglieder hat. Einige dieser Josefs streifen auch auf dem Weihnachtsmarkt umher, der ist immer gut besucht und ist sicher einer der schönsten im Münchner Umland. Keine Gigantonomie, nichts Spektakuläres, dennoch schmiegen sich die Buden perfekt in die gute Stube der schönen Stadt.

Im Jahr 1634 wurde Aichach im Dreißigjährigen Krieg fast vollständig zerstört, nur in der Botengasse findet man noch ältere Häuser. Der Name stammt von den „Münchner Boten“, das waren quasi die frühen Spediteure. Auch die Essiggasse ist ein feine kleine Altstadtgasse, hier stellten die Essigsieder aus Bier Essig her – gottlob war es nicht andersrum… Und gottlob sind die Getränke am Weihnachtsmarkt weit schmackhafter, beim Stand „Hüttenzauber“ entsteigen Spezialglühweine wie Himbi oder Mon Cherie den Gläsern – sind die zu stark, bist du zu schwach!

Nicola Förg

STADTRUNDGANG AICHACH

ANFAHRT – Auto: Autobahn A8 München – Stuttgart, Ausfahrt 74 b, Dasing. Weiter auf der B 300 und den Schildern Aichach-Zentrum folgen. Parkmöglichkeiten (inkl. Tiefgarage) am Altstadtring. Bahn: Regelmäßige Zugverbindung München – Aichach (mit Umstieg in Augsburg eine gute Stunde Fahrtzeit).

TOUREN – 1. Die Broschüre „Stadtspaziergang“ ist im Rathaus erhältlich oder als PDF im Internet herunterzuladen (Stadt Aichach, Stadtplatz 48, 86551 Aichach, Tel.: 08251/9020; www.aichach.de). 2. Audio-Tour: Einige Wanderwege umrunden das Schloss, das in einer behäbigen, ruhigen, hügeligen Landschaft liegt. Die Lauschtour ist eine 2,1 km lange Strecke (Zeitbedarf ca. 1 Stunde), bei der man sechs Lauschpunkte ansteuern kann. Im Rathaus kann man wochentags zu den Öffnungszeiten einen iPod ausleihen. Wer ein Smartphone hat, kann die App herunterladen: im App Store für iPhone oder im Google Playstore für Android unter „Bayerisch-Schwaben- Lauschtour“. Man kann den Weg natürlich auch ohne zu lauschen abgehen! www.bayerisch-schwaben.de/lauschtour

SISI-SCHLOSS – Besichtigungen: Bis 6. Januar immer Sa/So von 14 bis 18 Uhr geöffnet im Rahmen der Ausstellung des Kunstvereins. Anfahrt und Kontakt: Klausenweg 1, 86551 Aichach. Telefon: 08251/891869; www.aichach.de/tourismus/sehenswertes/sisi_schloss/

CHRISTKINDLMARKT – Geöffnet bis zum 23.12., Mo bis Fr 17 bis 20 Uhr, Sa und So 13 bis 20 Uhr. 14.12.: 18.15 Uhr, Schlagersängerin Ramona; 15.12.: 15 Uhr, Hexenzaubershow; 16.45 Uhr, Feuertanz; 17.12.: 14.30 bis 19 Uhr, der Cola Weihnachtstruck kommt; 21.12.: 18 Uhr, Bläserquartett Bayerisch Blech; 22.12.: 14.30 und 16.30 Uhr, Theater Knut; 15.30 Uhr, altbairisches Adventssingen; 18.15 Uhr, The Violet Duo.

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