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Ein weiter, weiter Blick auf die Ammergauer Berge. Auf der bequemen Bank ist lässt sich das Panorama besonders gut genießen. Der Frosch „Quak“ – wenn auch nur eine Holzskulptur – hat den Anblick den ganzen Tag lang vor Augen.

Beschauliche Wanderwege

Oberammergau: Der Weg der alten Herren

Kunst und Entspannung, auf dem Altherrenweg in Oberammergau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) ist beides zu finden. Unsere Autorin hat sich dort auf Wanderschaft begeben und hat statt alter Herren Ulf den Riesenzwerg getroffen.

Oberammergau – Der Name klingt wie ein Ausschlusskriterium: Altherrenweg, ein Weg für alte Herren. Herrje, Oberammergau, ist das etwa wörtlich zu verstehen?

Die Indizien sprechen dagegen. Schon kurz hinter dem Schwimmbad Wellenberg, wo der Weg beginnt, zieht ein Jogger leichtfüßig vorbei, sein Hund läuft mit einem Stöckchen im Maul vorneweg. Der Kies knistert unter Füßen – und Pfoten – und irgendwie wirkt dieses Geräusch wie die leise Melodie zu einer kleinen Attraktion am Wegesrand.

Dort stehen Holzskulpturen, eine neben der anderen. Sie sind Teil einer Freiluft-Dauerausstellung der Oberammergauer Holzbildhauerschule. Insgesamt sieben Stationen sind auf den 11 Kilometern des Altherrenweges zu sehen. Die Skulpturen tragen Namen wie „Quak“ oder „Ulf, der Riesenzwerg“ und machen – Indiz Nummer zwei – den Weg gerade für Kinder zu einem Erlebnis.

Der geschwungene Kiesweg zieht sich mitten durch eine weite Wiesenlandschaft und wer den Duft von warmem Gras mag, fühlt sich hier ziemlich schnell ziemlich entspannt. Auf den Wiesen tummeln sich Schmetterlinge und Heuschrecken. Weil die Bauern nur einmal im Jahr mähen, blühen Arnika, Knabenkraut und Enzian um die Wette. In dieser Stimmung lässt sich der Panoramablick auf die Ammergauer Berge besonders gut genießen. Eine bequeme Holzbank steht bereit, sie wird bewacht von der Froschskulptur „Quak“.

Zwischendurch sorgen immer wieder schattige Abschnitte für Abkühlung – so lässt sich auch an heißen Tagen wunderbar wandern. Ein Teil des Wegs führt etwa durch einen Wald. Wem die abgekühlte Luft dort nicht reicht, der kann seine Füße in den kleinen Bach halten, der am Rand des Weges fließt. Übrigens: Auch an Kneippbecken mangelt es dem Altherrenweg nicht. Und wie zufällig tauchen immer wieder diese Skulpturen auf: eine meterlange Schlange, die sich um einen Baum windet. Oder die „Drei Kugeln“, die wie Pilzköpfe aus dem Waldboden sprießen.

Die fast meditative Gleichmäßigkeit entspannt – und sie macht Hunger. Glücklicherweise mündet der Kiesweg nach etwa einer Dreiviertelstunde in einen Teerweg, der steil zum Berggasthof Romanshöhe führt. Auf 950 Metern Höhe ist das urige Restaurant der höchste Punkt der Wanderung und somit der perfekte Ort für eine Einkehr. Bei sonnigem Wetter bietet sich die Terrasse mit Blick auf den Kofel für eine Stärkung an. Von Schnitzel mit Pommes bis zur zünftigen Brotzeit gibt es hier, was das Wandererherz begehrt. Nach der Pause geht es beim nächsten Wegweiser schon abwärts Richtung Unterammergau.

Den herrlichen Blick über das Ammertal sollte man sich aber nicht entgehen lassen. Den besten Punkt zum Genießen bildet das große Christuskreuz – nicht zu übersehen. Dann führt der Schlussabschnitt schon zum Ortseingang Unterammergau. Der Bahnhof ist ausgeschildert, sodass Wanderer mit müden Beinen den stündlich fahrenden Zug nach Oberammergau nehmen können.

Spötter könnten meinen, die Abkürzung sei nur etwas für alte Herren. Wer sich hier nicht die Blöße geben will, kann auf den Zug verzichten und stattdessen den einstündigen Fußweg durch das Naturschutzgebiet Pulvermoos zurück nach Oberammergau nehmen.

Und wie war das jetzt mit den alten Herren? Warum der Weg so heißt, weiß man selbst in der Gemeinde Oberammergau nicht so recht. Vielleicht, mutmaßt ein Mitarbeiter, leite sich der Name wirklich von betagten Wanderern ab. Immerhin sei er stets sonnig, ruhig und leicht zu begehen. Richtig. Aber es müsste schon mit dem Teufel zugehen. wenn diese Beschreibung lediglich alte Herren anlocken würde.

Von Julia Mähler

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