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Oberhalb der Pitzalm wandert man über traumhafte Wiesen zum 1670 Meter hohen Gipfel. Im Hintergrund erhebt sich das Karwendelgebirge.

Aussichtsberg bei Achenwald

Zur Karwendel-Schau

Wenn von Sommertouren die Rede ist, lautet die Devise meist: hoher Ausgangspunkt – großer Gipfel. Doch nicht immer hat man genug Zeit und ausreichend Lust, ferne Berge anzusteuern.

Vor allem, wenn man weiß, dass es auch im Vorkarwendel Ziele gibt, die alle Kriterien für eine Wanderung bei heißen Temperaturen erfüllen: Die Tour sollte möglichst im Halbschatten verlaufen und nicht zu steil sein. Wassergeplätscher gehört genauso dazu wie eine Alternativroute, falls einem schon vor dem Gipfel die Puste ausgeht. Und als Licht am Horizont gilt natürlich eine urige Almhütte zum Durststillen...

Kleine Paradiese am Wegesrand

Es ist der Reiz des Unbekannten, verlässt man einen bequemen Weg, um einer fremden Fährte nachzuspüren. Und manchmal entdeckt man dabei kleine Paradiese unweit der Hauptroute. So eine Überraschung wartet auch, wenn man in Achenwald Richtung Juifen-Rotwandalmen loszieht. Sogleich nimmt einen ein luftiger Mischwald mit vielen „Aussichtsfenstern“ auf. Der angenehme Forstweg ist goldrichtig, will man mit Freunden oder Familie nebenbei noch ein bisschen schwatzen. Schritt für Schritt bleibt der Alltag dann im Tal. Nach kurzer Aufstiegszeit lässt sich ein Wasserfall bewundern, der von einem Felsvorsprung über kleine Stufen wirbelt. Mit zunehmender Höhe zeigen sich im Norden der Roß- und Buchstein, der Schönberg und andere Gipfel des Mangfallgebirges, während die Augen von grünlichen Gumpen unterhalb des Weges angesaugt werden. Ab und zu passiert man schroffe Felsmauern, die Gelegenheit bieten, eingerostete Geologiekenntnisse aufzufrischen. Wie war das gleich mit dem Muschelkalk, Wettersteinkalk und Hauptdolomit?

Noch über Gesteinsschichten grübelnd, erforscht der Blick bereits den stolz aufragenden Guffert im nahen Rofangebirge. Einige Kehren höher auf einer steinigen Wiese kommt man an der unbewirteten aber fotogenen Brettersbergalm vorbei. Dann ändert sich wieder die Perspektive. Als Blickfang fungiert rechterhand der lange gezackte Rücken des Demeljochs und linkerhand der massige von steilen Schrofen gezeichnete Juifen. Und in der Mitte auf einem Wiesensattel zeigen sich wie auf einem Präsentierteller angerichtet, die Rotwandalmen.

Falls der Getränkevorrat schon knapp wird, wandert man am besten gleich hinüber zur Rotwandhütte, denn das Panorama von der Terrasse ist ohnehin kaum zu toppen. Pitzkopf-Aspiranten sollten nun aber Obacht geben, denn ein unmarkierter Karrenweg zieht plötzlich ostwärts über Bergwiesen zu der verträumten Pitzalm. Beim ersten Hüttengebäude geht’s nach links und man entdeckt nach kurzer Strecke an einer Hangkante zwei Kreuze.

Die aussichtsreiche breite Wiese vor den Kreuzen ergibt einen wunderbaren Rastplatz, von dem man sich nur sehr schwer losreißen kann. Möchte man den höchsten Punkt des Pitzkopfs erklimmen, so steigt man die letzten Höhenmeter den Latschen bestandenen Graskamm hinauf, bis zu einem kleinen Sendemast auf einem Wiesenbuckel. Um die Vegetation so gut wie möglich zu schonen, hält man sich beim Abstieg bis zur Pitzalm an die Aufstiegsspur. Wer noch Zeit hat, lässt die Wanderung auf der nur einen Kilometer entfernten Rotwandhütte bei einer deftigen „Brettljause“ ausklingen – Karwendelrundschau inklusive.

Doris Neumayr

Pitzkopf (1670 Meter)

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. Über Tegernsee zum Achenpass. Weiter B 181 Richtung Achenkirch. In Achenwald gleich nach „Gasthof zum Hagen“ rechts auf den kleinen Parkplatz am Waldrand. Bahn/Bus: Bhf. Tegernsee (www.bahn.de); Bus 9550 bis „Gasthof zum Hagen“ (www.rvo-bus.de). TOUR – 830 Hm;

Gehzeit: Aufstieg ca. 3 – 3 ½ Std., Abstieg ca. 2 ¾ – 3 Std.; Schwierigkeit: leicht. Verlauf: Vom Parkplatz aus rechts zur weithin sichtbaren Kapelle. Daneben zieht ein beschilderter Forstweg bergauf, Ww. „Rotwandalm, Juifen“. In weiten Kehren wandert man auf nie zu steilem Forstweg. Mit ständig wechselnden Aussichten auf Rofan, Mangfallgebirge und Karwendel steigt man höher. Einige Wasserfälle, Bachläufe und Gumpen am Wegesrand. An der Brettersbergalm (1324 m) – nicht bewirtet – vorbei. Einige Zeit später passiert man einen Weidezaun- Durchgang und erreicht nach einer scharfen Linkskurve – auf ca. 1490 m – eine unbeschilderte Abzweigung (gegenüber der Abzweigung ein Baumstumpf mit dem Schild „Juifen“).

Man folgt dem unbeschilderten Karrenweg (Radfahrverbot) bergauf zu den Wiesen der Pitzalm (1580 m) – nicht bewirtet. Beim ersten Hüttengebäude zieht ein undeutlicher Pfad links über Wiesen hinauf. Der Pfad löst sich bald auf, man steigt weglos zu den schon sichtbaren zwei Kreuzen an der Hangkante. Zum Gipfel geht’s links aufwärts entlang des Latschenkammes. Am Schluss verschmälert sich der Pitzkopf, den höchsten Punkt kennzeichnet ein kleiner Sendemast. Abstieg: In gleicher Spur zurück zur Hütte. Von dort auf Anstiegsweg zurück oder als Abstecher noch 1 km auf Forstweg zur Rotwandhütte (1528m; einfach bewirtet von Anfang Juni bis Ende September).

BIKE & HIKE – Mit dem Mountainbike bis zur Rotwandhütte und zu Fuß weiter auf stillen Wegen hinauf zum Juifen (1988 m). Oder man deponiert das Mountainbike bei der Abzweigung zur Pitzalm am Forstweg und wandert auf den Pitzkopf wie beschrieben.

KARTE – Kompass-Karte 26, Karwendelgebirge.

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