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Stimmungsvoller Sonnenuntergang auf der Tregler Alm. Von dem Gasthof auf 950 Meter reicht der Blick weit hinein ins Voralpenland.

Überm Paradies

Christian Eders Paradies ist drei Hektar groß. Die biblische Eva hätte die Qual der Wahl gehabt, denn hier gedeihen 1.000 Apfelbäume. 1.000 von insgesamt über 50.000 Exemplaren im kleinen Ort Bad Feilnbach.

Jeder einzelne von ihnen trägt bis zu 700.000 Blüten. Im Frühling ein Augenschmaus, im Herbst ein Schlaraffenland.

Und weil das ganze Jahr über ein Klima wie in Südtirol herrscht, wird der Moor-Kurort auch das „Bayerische Meran“ genannt. Wieder andere nennen Bad Feilnbach schlicht das „Obstbrennerdorf“. Denn aus den Früchten verarbeiten die 125 Obstbauern nicht nur Apfelbrot, Apfelessig, Apfelwein oder Marmeladen, sondern eben auch einen Brand. So macht allein Christian Eder aus seinen 25 verschiedenen Apfelsorten in jedem Winter bis zu 300 Liter – prämierten – Obstler. „Die besondere Kunst ist es, den Geschmack eines Jahres ins Glas zu bringen“, sagt der 53-jährige Bio-Bauer vom Wachinger Hof. Im Frühling, da zeigt er interessierten Besuchern gerne seine blühenden und flüssigen Schätze und schenkt das eine oder andere Glas aus.

Nach so vielen sensorischen Eindrücken wäre der Ausflug nach Bad Feilnbach eigentlich schon beendet, wenn sich nicht das schlechte Gewissen zwecks geplanter Wanderung melden würde. Also startet der Wanderer leicht beschwipst durch. Ziel: die Tregler Alm. Immer dem Osterbach nach führt der beschilderte Wanderweg 8 aus dem Ort hinaus. Anfangs geht’s steil den Wald hinauf bis zum Bauernhof Wetzelsberg, an dem man bereits eine Vorahnung von dem herrlichen Panorama erhält, das einen am Ziel erwartet. Neugierig schauen kleine Kälbchen von ihrer Weide den Wanderern hinterher. An ihnen vorbei und über bunte Blumenwiesen schlängelt sich der Weg immer höher bis zum Roßruck.

180-Grad-Panorama zum kühlen Radler

Hier kann man eine Zwischenpause einlegen und hinabblicken auf Bad Feilnbach. Hinter der Dorfkirche Herz Jesu erkennt man gut das Naturschutzgebiet „Auer Weitmoos“ und auch die bräunliche Färbung der Filze. Das mit 600 Hektar größte zusammenhängende Moorgebiet in Mitteleuropa ist kürzlich von der EU unter Naturschutz gestellt worden.

Unterhalb des Roßruckhofes führt ein Reitweg schräg, oberhalb vom Weiler Weißenbach, direkt zur Anbindung an die Forststraße 5a. Gemütlich, wenn auch stetig ansteigend, geht es ab jetzt den Wanderweg hinauf zur Tregler Alm. Dass sogar Kinderwägen die leichte Steigung problemlos überwinden, erklärt die Beliebtheit des Ausflugslokals für Familien mit kleinen Kindern.

Und sicherlich auch die Beschaffenheit des Geländes rund um die Tregler Alm. Hier kann man auf den Wiesen prima herumtollen, aber auch picknicken oder nur die wunderbare 180 Grad Aussicht bei einem kühlen Radler genießen. Wie ein Adlerhorst thront die Tregler Alm auf 950 Metern über Bad Feilnbach. Gen Osten erhebt sich der kahle Gipfel des Farrenpoint, der zu Zeiten der Kelten als Kultstätte gedient haben soll...

Satt gesehen und gegessen? Dann geht es wieder hinab ins Tal – außer man will noch weiter hinauf und wählt den steileren Pfad hinter der Alm, der bis hinauf zur 1223 Meter hohen Sternplatte führt. Während jedoch die Kinderwägen samt Eltern den Rückweg über den Forstweg hinunter zum Parkplatz an der Kreisstraße antreten, führt eine interessantere Variante den steilen Pfad in der Diretissima durch den Wald. Vorbei an Bergwacht-Hütte und Jäger-Alm gelangt man nach einer knappen Stunde hinunter zum Ausgangspunkt am Wachinger Hof. Ab hier fällt die Entscheidung schwer: entweder man geht auf direktem Wege zurück zur Bushaltestelle beim Rathaus oder man genehmigt sich noch ein Schnapserl in Christian Eders Paradies...

VON SONJA VODICKA

BAD FEILNBACH – TREGLER ALM

ANFAHRT – Bahn: Regelmäßige Verbindung München – Bad Aibling – Rosenheim. Ab Bhf. Bad Aibling stündliche Verbindung per RVO-Bus (Fahrtzeit: 25 Minuten). RVO-Auskunft: Tel.: 0 80 66 / 90 63 33; www.rvo-bus.de. Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Bad Feilnbach.

Kompass-Karte 8, Tegernsee – Schliersee

TOUR – Parkplatz am Rathaus in Bad Feilnbach (RVOBushaltestelle). Durch den Ort (Kufsteiner Straße) bis über das Feilnbach-Brückerl geradeaus in die Hocheckstraße zum Wachinger Hof. Hinter dem Kuhstall an der Brennerei (Besichtigungen nur nach Voranmeldung, T. 0 80 66 / 545) rechts an der Blumenhof-Kurklinik vorbei – Schwarzenbergstraße – rechts Wanderweg 8 und 7 über Wetzelsberg bis Roßruck. Reitweg führt schräg über Wiesen und schließt an die Forststraße 5a an. Zur Tregler Alm (Variante zur Sternplatte und Sterneck möglich). Abstieg über Bergwachthütte, Jäger-Alm und Schwarzenberg-/Kufsteiner Straße bis zum Rathaus. Reine Gehzeit: 3 Stunden.

TIPPS – „Einischaun“ in Bad Feilnbach: Landwirte und Handwerker präsentieren selbst erzeugte Produkte und traditionelles Handwerk: z.B. am 7. Juli und 29. September.

– Obstlerverkauf ab Hof: Christian Eder, Hocheckstr. 25, 83075 Bad Feilnb.; T.: 08066/545; www.wachingerhof.de
– Jedes Jahr am 2. Oktoberwochenende findet in Bad Feilnbach der größte Apfelmarkt Bayerns statt.
– Tregler Alm (Mittwoch bis Sonntag 9 bis 20 Uhr, Sonntag bis 18 Uhr; Tel.: 0 80 66 / 14 20; www.tregleralm.de).

INFORMATION – Kur- u. Gästeinformation Bad Feilnbach, Bahnhofstr. 5, 83075 Bad Feilnbach. Tel.: 0 80 66/ 14 44; Internet: www.bad-feilnbach.de

KARTE – Kompass-Karte 8, Tegernsee – Schliersee.

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