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Noch vor kurzem zeigten sich Wiesen und Häuser am Tegernsee mit Schneehauben. Inzwischen hat sich die weiße Pracht schon auf die Gipfel der Berge zurückgezogen und der Vorfrühling im Tal Einzug gehalten.

Bad Wiessee

Wo die Zahl 13 Glück bringt

Es gibt Orte, die einen sofort in Urlaubsstimmung versetzen. Der Tegernsee gehört definitiv dazu. Stille Genießer kommen im Vorfrühling nach Bad Wiessee ...

... , wenn die Strandcafés noch nicht überlaufen sind oder gar noch im Winterschlaf liegen.

Klar ist: Einsam ist man in dem heilklimatischen Kurort zu keiner Jahreszeit, aber jetzt geht es doch etwas gemächlicher zu. Und die Gemeinden rund um den See haben sich zum Wohle von Kurgästen und Wanderern etwas einfallen lassen: Es gibt 27, teils ortsübergreifende Heilklima-Wanderstrecken in verschieden Längen und Schwierigkeitsgraden. Die Wege sollen nicht nur die gesamten Vitalfunktionen anregen und das Immunsystem stärken, sondern auch die Sinne erfreuen.

Der Weg mit der symbolträchtigen Nummer 13, der über die aussichtsreichen Prinzenruhe-Wiesen führt, soll heute unter die Sohlen genommen werden. Zwischen dem Zeiselbach- und dem Breitenbachtal liegt der unscheinbare Semmelberg. Über seine schütter bewaldete Nordostflanke verläuft ein wunderschöner Höhenweg.

Nach dem herrlichen Auftakt an der Seepromenade spaziert man im Zickzack-Kurs quer durch den Ort und bewundert die zahlreichen edlen Landhäuser und die gut erhaltenen, einstigen Bauernhöfe. Der Weg führt nach den letzten Häusern zum Fuße des Semmelbergs, wo ein geräumter Weg bergauf über die Prinzenruhe-Wiesen zieht. Ein kurzes Steilstück ist rasch überwunden und man kommt zu einem Rastplatz mit einer offenen Holzhütte: Tisch und Bankerl verführen zu einer kleinen Pause. Aus erhöhter Perspektive schweift der Blick über die malerische Landschaft am See.

Eine Foto-Panoramatafel benennt die markanten Berggipfel rund herum. Trapezförmig zeigt sich von hier aus der Wallberg (1722 m) mit seinen steilen Schneisen. Die Blicke erhaschen auch den legendären Verbindungsgrat zwischen Rinnerspitz (1611 m) und Wasserspitz (1552 m), wo der Wildschütz Jennerwein 1877 von einer tödlichen Gewehrkugel niedergestreckt wurde. Ein Stockwerk tiefer entdeckt man hinter winterlichem Weideland den imposanten spitzen Turm der Kirche Maria Himmelfahrt. Wenn einem die Sonne ins Gesicht scheint, sitzt man sich an diesem Rastplatz nur allzu leicht fest. Doch der Weiterweg hat noch einiges zu bieten.

Ehe man sich versieht, steht man vor dem frei gelegenen Gehöft Wiesbauer und ein paar Minuten später erreicht man inmitten von Bergwiesen das Wirtshaus Freihaus Brenner. Nun könnte man glauben, der Name Bad Wiessee geht auf die vielen Wiesenflächen zurück. Doch die erstmalige Nennung des Ortes „Wesses“ um 1017 bedeutet schlicht, dass es sich um eine Siedlung westlich des Tegernsees handelt... Nach dem Wirtshaus marschiert man im leichten Auf und Ab ins stille waldige Breitenbachtal Richtung Bad Wiessee zurück.

Bald tauchen erste Anwesen auf und über Nebensträßchen und Fußwege durchstreift man erneut den hübschen Ort. Passt das Wetter und hat man vor der Heimfahrt noch etwas Zeit, so könnte man ja vielleicht ein Viertelstündchen auf einem der zahlreichen Bankerl an der Seepromenade vertrödeln und den frechen Möwen bei der Futtersuche zusehen.

Von Doris Neumayr

DER PRINZENRUHE-WEG

ANFAHRT – Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. B 318 bis Bad Wiessee. In Bad Wiessee (etwa Ortsmitte) links in „Hirschbergstraße“ bis Kreuzung „Hans- Völkner-Platz / Adrian-Stoop-Straße“ und „Haus des Gastes“. Rechts liegt ein gebührenpflichtiger Parkplatz. Bahn: BOB bis Gmund (Stunden-Takt); www.bayerischeoberlandbahn. de. Weiter mit Bus (Ringlinie) bis Bad Wiessee, Halt „Adrian-Stoop-Straße“; www.rvo-bus.de

TOUR – Gehstrecke 6,5 km, Gehzeit ca. 2 Stunden, 150 Höhenmeter, geräumte Wege, Nebensträßchen. Festes Schuhwerk mit guten Sohlen empfohlen.

Verlauf: Direkt links vom „Haus des Gastes“ zieht ein Fußweg zum See (Ww. Seepromenade). Am See nach rechts am Ufer entlang.

Am ersten Schilderbaum dem weiß-grünen Schild: „Heilklima Walking 13“ (= HK 13) folgen. An der Zeiselbachbrücke verlässt man das Seeufer nach rechts (HK 13). Es geht am Zeiselbach entlang zur nächsten Brücke. Diese überquert man und spaziert neben dem Zeiselbach (HK 13) bis zur Münchner Straße (B 318). Die Straße überquert man schräg nach rechts und folgt dann dem "Prinzenruheweg“ (HK 13).

Im Zickzack geht’s dem Wegweiser folgend durch den Ort ins Zeiselbachtal. An einer Kreuzung vor einem Berghang (Semmelberg) hält man sich rechts und wandert bergauf. Man passiert die freien Wiesen „Prinzenruhe“ und passiert einen Aussichtspunkt mit Rastplatz. Weiter bergauf durch ein kurzes Waldstück zu weiteren Wiesen. Nach dem Haus „Wiesbauer“ steht man bald vor dem „Freihaus Brenner“.

Direkt neben dem Wirtshaus geht’s links hinunter ins Breitenbachtal (HK 13). Nach einer Brücke rechts aus dem Tal hinaus. Auf der „Breitenbachstraße“ ortseinwärts. Bald stößt man wieder auf Wegweiser HK 13, der einen nach einer Brücke am „Breitenbachdamm“ entlanglotst. Man erreicht B 318 und bleibt rechts am Gehsteig.

Nach kurzer Zeit entdeckt man auf der anderen Straßenseite die Ev. Friedenskirche. Über die Straße zur Kirche (HK 13), links um sie herum bergab. Rechts der „Wallbergstraße“ bis zur Kreuzung „Hirschbergstraße“ folgen, links (HK 13) und zum „Haus des Gastes“.

EINKEHR – Freihaus Brenner, Öffnungszeiten erfragen unter Tel. 0 80 22 / 86 560; www.freihaus-brenner.de

INFO – Tourist-Information Bad Wiessee, Lindenplatz 6. Tel. 08022 / 86030; www.bad-wiessee.de

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