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Der Zug fährt oft direkt bis zum Berg. Hier die Außerfernbahn vor der Zugspitze.

Wer sein Auto stehen lässt, eröffnet sich neue Wandermöglichkeiten

Mit Bahn, BOB und Bus zum Berg

Gerade Wanderer sollten möglichst schonend mit der Umwelt umgehen. Wer bei der Fahrt ins Grüne auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigt, der tut nicht nur etwas für seine persönliche CO2- Bilanz, der entlastet auch ganz konkret seinen persönlichen Erlebnisraum durch weniger Abgase, Lärm und zugeparkte Täler.

Auch der vermeintlich höhere Komfort wird häufig ins Feld geführt als Argument für eine Zugfahrt in die Berge; da wird zum Beispiel vom Nickerchen auf der Rückfahrt geschwärmt. Aber machen wir uns nichts vor: Überfüllte Abteile und verspätete Züge können einen Wandertag ebenso trüben wie ein Stau bei Oberau.

Preislich gesehen bieten die Öffis vor allem Kleingruppen eine Alternative zum eigenen Wagen. Mit dem Bayernticket gelangen bis zu fünf Personen für 28 Euro zum Ausgangspunkt der Wanderung und wieder nach Hause. Das besteht den Vergleich mit dem Auto, bei dem man ja auch die Fixkosten mit einrechnen muss.

In einem Punkt sind Deutsche Bahn, Bayerische Oberlandbahn (BOB) und Nahverkehrsbusse definitiv unschlagbar: Mit ihrer Hilfe kann man sogenannte Überschreitungen machen. Das sind Einwegtouren, ohne zum Ausgangspunkt zurückkehren zu müssen, weil dort das Auto parkt. Die tz stellt zwei Durchquerungen in den bayerischen Alpen vor. Sie stammen aus dem Buch Wanderungen mit dem Bayern-Ticket (17,95 €), das heuer im Verlag J. Berg erschienen ist. Michael Pröttel erklärt darin 35 Wanderungen zwischen Lechtal und Chiemgau mit Infos zu Fahrtzeiten und Haltestellen.

Ein wichtiger Tipp noch zum Planen einer Bahnwandertour: Informieren Sie sich mehrere Tage im Voraus im Internet auf www.bahn.de über die Abfahrtszeiten. Dort finden sie auch aktuelle Infos zu möglichen Streckensperrungen und Schienenersatzverkehr.

Verlängerter Genuss am Heimgarten

Die Kammwanderung über Herzogstand und Heimgarten ist eine wohlbekannte Traumtour. Für Autofahrer hat sie einen Schönheitsfleck: Der lange Talhatscher zurück zum Parkplatz.

Wer hingegen mit dem Zug nach Kochel und weiter mit dem Bus zum Kesselbergsattel fährt, der kann der Traumtour noch eins draufsetzen, indem man dem schönen Bergrücken über den Heimgarten hinaus folgt und zum Bahnhof Ohlstadt absteigt.

Dafür folgt man am Heimgartenhaus der Beschilderung „Ohlstadt über Wankalm“. Im lichten Bergwald geht es auf dem aussichtsreichen Rücken über Rauheck und Buchrain. An der Wankhütte geht es weiter auf dem Wanderweg 442 nach Ohlstadt.

Anforderungen:

Trittsicherheit sowie Kondition für 1000 Höhenmeter (wer sich den anfänglichen Aufstieg sparen möchte, fährt mit dem Bus weiter bis zur Herzogstandbahn und lässt sich hinaufschweben).

Gehzeit:

6:30 Stunden

Anfahrt:

Stündlich von München (meist mit Umsteigen in Tutzing) nach Kochel, weiter mit RVO-Bus 9608 (auf direkten Anschluss achten). Fahrtzeit 1:23 Stunden. Rückfahrt stündlich ab Ohlstadt (1:04 Stunden).

Einkehr:

Herzogstandhaus (ganzjährig bewirtschaftet), Heimgartenhütte (Ende Mai bis Ende Oktober).

Stille Durchquerung an der Rotwand

Diese Durchquerung im Mangfallgebirge hat einige Parallelen mit der Tour links: Ein stark frequentierter Forstwegaufstieg, den man mit einer Seilbahn erleichtern kann. Dann ein erstaunlich einsamer Weiterweg, weil alle Autofahrer ja wieder zurückmüssen…

Man fährt also mit BOB und Bus zum Spitzingsee. Der zunächst geteerte Weg zum Rotwandhaus ist ausgeschildert und nicht zu verfehlen. Nach einer köstlichen Rast auf dem Rotwandhaus, das zurzeit wegen Umbaus keine Übernachtung anbietet, steigt man auf einem Pfad zur Kümpfelscharte und wieder hinauf auf den Sattel zwischen Ruchenköpfen und Auerspitze (hier nicht dem Weg zur Auerspitze folgen). Nun angenehm südlich um die Ruchenköpfe herum bis zur Ruchenkopf- Hütte. Nach links zum Soinsee absteigen und auf dem Forstweg zur Schellenberg-Alm.

Bald verlässt man den breiten Fahrweg wieder, indem man nach rechts einem Fußweg folgt. Dieser Pfad (Nummer 645, später B2) führt direkt nach Bayerischzell.

Anforderungen:

Trittsicherheit und Kondition für 800 Höhenmeter (lässt sich durch die Taubensteinbahn reduzieren).

Gehzeit:

6:30 Stunden.

Anfahrt:

Von München stündlich mit der BOB ohne Umsteigen nach Fischhausen-Neuhaus und weiter mit RVO-Bus 9562 zum Spitzingsee, Haltestelle an der Kirche (Fahrtzeit 1:18 Stunden). Rückfahrt stündlich mit der BOB von Bayerischzell nach München (1:22 Stunden).

Einkehr:

Rotwandhaus (ganzjährig bewirtschaftet).

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