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Außergewöhnliches Ensemble: Die Magdalenenkirche auf der Biber in Degerndorf am Inn mit einer der ältesten erhaltenen Kreuzweganlage in ganz Bayern.

Außergewöhnliche Wallfahrtskirchen locken ins Inntal

Im Bann der Eremiten

Wie eine Insel liegt die Biber mitten in Degerndorf am Inn. Der bewaldete Bergrücken aus Nagelfluh, einem Konglomerat, entstand in der letzten Eiszeit.

Es ist dokumentiert, dass hier bereits ab dem Jahr 900 Mühlräder gebrochen wurden. Seitdem war die Anhöhe einer der wichtigsten Steinbrüche der Region. Und auch jetzt wird noch an gleicher Stelle Nagelfluh abgebaut. Zahlreiche Höfe in Brannenburg und Degerndorf zeugen von der langen Tradition des Nagelfluh als Baustoff.

Eine Besteigung über den romantischen Steig hinauf auf die Biberhöhe lohnt sich nicht nur, weil der Ort eine besondere Stimmung verbreitet, sondern weil sich hier auf der Anhöhe überm Inntal eine außergewöhnliche Wallfahrtsstätte befindet: die Magdalenenkirche auf der Biber. Malerisch liegt das Kirchlein in einer ringförmig angelegten, mit Holzschindeln gedeckten Mauer auf einer abfallenden Wiese. In der Mauer, in Nischen eingelassen, befindet sich ein Kreuzweg mit 14 Stationen. Die Anlage von 1733/34 gehört zu den frühesten erhaltenen Kreuzwegen Bayerns. Ein einmaliges Ensemble mit der besonders schönen Pietà in der 13. Station. Ungewöhnlich ist, dass im Kreuzweg die Auferstehung Christi in eine 15. Station einbezogen wurde. Man findet das Gemälde von Peter Weißpacher (1664) in der Seitenkapelle.

Die Entstehung der Magdalenenkirche geht auf einen Eremiten zurück. 1626 ließ sich an der Felswand unterhalb des heutigen Kirchleins der erste Klausner Johannes Schelle nieder. Mit Erlaubnis des Grundherrn ließ er auf dem Höhenrücken eine erste Wallfahrtskirche errichten. Bis 1813 lebten an der Felswand Eremiten und unterrichteten die Dorfjugend.

Von der Magdalenenkirche führt nach Süden eine steile Treppe hinab zu jener Felswand, in die zahlreiche Höhlen und Kapellen gehauen wurden. Mitte des 19. Jh. wurde die Kirche verlängert und Platz für die Nebenkapelle geschaffen. Die gesamte Innenausstattung stammt von 1664, der Stuck kam neun Jahre später dazu. 1864 wurde die Kirche im neugotischen Stil im Inneren und auch außen umgewandelt. 100 Jahre lang hatte sie dann einen Spitzturm. Erst 1964 wurde der ursprünglich barocke Zustand wieder hergestellt. Leider hat die Feuchtigkeit die Kunstwerke in der Kirche so in Mitleidenschaft gezogen, dass diese restauriert werden müssen. Daher bleibt die Kirche für rund ein Jahr geschlossen, sodass man einen 1664 geschaffenen Altar und einige aus der gleichen Zeit stammende Gemälde zum Leben der Heiligen Magdalena vorerst nicht mehr bewundern kann.

Dass sich die Allerheiligenfahrt ins Inntal dennoch lohnt, liegt an den interessanten Außenanlagen der Magdalenenkirche sowie an den weiteren sehenswerten Gotteshäusern der Umgebung wie St. Margarethen am Osthang des Breitenbergs (Kirchenschiff 12./ 13. Jh.), Maria Schwarzlack am Sulzberg (Grundsteinlegung 1750) oder der Petersbergkirche auf dem Kleinen Madron über Flintsbach mit Holzkassettendecke von 1608!

Angelika Witt und Horst Höfler

Magdalenenkirche auf der Biber, Degerndorf

ANFAHRT

Bahn/Bus:
Brannenburg (509 m) ist Bahnstation.

Auto:
A 8 München – Salzburg bis Inntaldreieck, A 93 Richtung Kufstein. Ausfahrt Brannenburg. Bei Ampel geradeaus. Richtung Wendelsteinbahn / Tatzelwurm / Bayrischzell und erste Möglichkeit nach links in die Stapferstraße. Sie wird zur Biberstraße. Einige wenige Parkmöglichkeiten am Straßenrand bei der Marinusklinik, weiterer Parkplatz in Erlach.

TOUR

Weg Nr. 4 (Biberstraße) in Nordwestrichtung an den Steinbrüchen vorbei folgen bis zum (leider geschlossenen) Gasthof Kürmeier. Dem breiten Weg „Biberhöhe“ bergauf folgen, unter einem Anwesen vorbei und in den schönen Mischwald der Biberhöhe. Über einen wurzelverwachsenen, breiten Weg (bei Nässe, Raureif oder Vereisung unangenehm) über kleine Lichtungen mit Blick auf St. Margarethen (s.u.) zur Magdalenenkirche.

Für den Abstieg kann man – bei trockenem Boden! – den kurzen, steilen (zuerst gemauerte Treppe), nach Südwesten abwärts führenden Weg benützen, der beim hübschen Magdalenenbildnis wieder den Talboden erreicht. Gehzeit: Insgesamt eine Stunde.

TIPPS

1. Der Weg nach Maria Schwarzlack (30 Minuten) beginnt in Brannenburg (509 m) westl. der Pfarrkirche hinter dem Gasthof Schlosswirt.

2. Wo die Straße nach Bayrischzell südl. abzweigt (s.o.), dem Ww. St. Margarethen auf steiler Bergstraße folgen (bei der Kirche großer Parkplatz; Gasthaus Kraxenberger);

3. Für die Petersbergkirche (1¼ Std. Aufstieg) folgt man von Flintsbach (478 m) dem „Astenweg“ bis zum Berghang (rechterhand ausreichend Parkplätze). Im Winter befindet sich neben dem Wanderweg eine Rodelbahn.

KARTE

Kompass-Karte 8, Tegernsee, Schliersee.

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