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Ein grellbunt bemalter Militärhubschrauber ist Blickfang auf der Wiese vorm Buchheim-Museum in Bernried.

Starnberger See

Kulturwanderung im Bann der „Libelle“

Stimmungsvolle Weihnachtsmärkte gibt es in Oberbayern viele, einer der ganz romantischen ist sicher der im Klosterhof von Bernried.

Um 1860 wurde durch August Freiherr von Wendland ein Schlossrondell mit Platanen angelegt – das war sehr exotisch und bis heute sind das spezielle Bäume, die Borke blättert jährlich in dünnen Platten ab und hinterlässt ein typisches Mosaik. Als Otto und Adelheid von Valley 1121 ein Chorherrenstift in Bernried gründeten, dachten sie noch nicht an Platanen, das Stift war ein Hort der Wissenschaft, Kunst und Kultur, vor allem unter Propst Mansuetus Resch (1723–1741). Dann kam die Säkularisation, bewegte Zeiten, August Freiherr von Wendland kaufte 1852 Stift und Ländereien. Von 1942 bis 1948 verlegte man – kriegsbedingt – die Orthopädische Klinik aus München in das Bernrieder Schloss, 1949 wurde es wieder Kloster: Die Missions-Benediktinerinnen aus Tutzing erwarben die alte Anlage und gründeten bald eine Haushaltungsschule mit Internat, 1972 wurde die Schule aufgegeben und das Haus in ein Bildungshaus für kirchliche Erwachsenenbildung umgewandelt.

Schöner schauen: Der Starnberger See in winterlichem Licht.

Den Platanen ist das immer noch egal, auch den Eichen am Seeufer, die nun ihre blattlosen Äste ins Blau des Himmels recken. Ganz zauberhaft präsentiert sich der ehemalige Hirschgarten des Schlosses Höhenried. Die Putten an den terrassenförmig angelegten Teichen schauen etwas missmutig in die kalte Luft. Das Schloss ging durch viele Hände, 1939 bezog es Wilhelmina Busch-Borchard mit ihrem zweiten Ehemann, dem Arzt Karl Borchard. Sie war auch diejenige mit dem Faible für Landschaftsgärten. Als sie 1952 kinderlos starb, erbte ihr dritter Mann, der US-Generalkonsul Sam Edison Woods den Besitz. Und wie das bei vielen Immobilien ist, kam nach seinem Tod 1953 eine amerikanische Erbengemeinschaft ins Spiel. Die verkauften an die Landesversicherungsanstalt Oberbayern und Höhenried wurde Rehabilitationszentrum für Herz- und Kreislaufkrankheiten. Ein guter Platz – auch für die Kunst: Seit 1999 ist das Buchheim Museum eine feste Größe unter den Museen in Deutschland! Gerade im Winter ist die mitten im Rasen gelandete grellbunte „Riesenlibelle“ Blickfang. Sie ist ansich ein Militärhubschrauber vom Typ Mil Mi 2T, in Polen produziert, Sokól (= Falke) genannt. Münchner Street-Art-Künstler gestalteten das Kampfgerät nach dem Motto „From War to Peace“ um. Bernried ist vielseitig, Charme entfalten auch die herrschaftlichen Seevillen wie die Willroider Villa in der Bahnhofstraße 12, die Dominikus del Fabbro 1910 für den Landschaftsmaler Ludwig Willroider gebaut hat. Dazu kommen aber auch bäuerliche Anwesen wie im Reitweg – die Nummer 2 ein Kleinbauernhaus von 1685 im Blockbau. Damals wie heute herrscht ein eigener Geist in Bernried. 1899 verbringen die Künstler um Lovis Corinth den Sommer am See. Heute sind es oft wechselnde Filmcrews, die von der „Location“ bezaubert sind. Gleich dahinter erstreckt sich ein stilles Land, das kilometerweit entfernt ist von Starnberger-See-Schicki-Attitüden!

von Nicola Förg

Rund um Bernried

ANFAHRT – Bahn: Regelmäßige Verbindung auf der Linie München, Tutzing, Kochel bis zum Bahnhof Bernried. Auto: A 95 / A 952 über Starnberg / Tutzing. Oder: A 95, Ausfahrt Seeshaupt, bis Bernried. Parken: am Bahnhof.

TOUR – Gesamtlänge ca. 5 km, asphaltierte und gut befestigte Wege. Verlauf: Vom Bahnhof ortseinwärts über die Bahnhofstraße gehen, Bundesstraße queren, zum Kloster und weiter zum Schiffsanleger; Seeuferweg folgen (am Hotel Marina vorbei), in den Park des Buchheimmuseums, an den Terrassenteichen entlang hinauf zum Parkplatz; Straße queren, gegenüber der Giraffen dem Feldweg in den Wald folgen; nach ca 150 Meter links abbiegen (Beschilderung) und dem stillen Waldweg folgen, bis Hausstatt Weiher, über den Höhenrieder Weg zur Weilheimer Straße; kurz rechts abbiegen, dann links und über Zugspitzstraße retour zum Bahnhof. Variante oder zusätzlich: durch den Wilhelmina-BuschWoods-Stiftungspark: sich am Seeufer Richtung Süden halten, dem Uferweg folgen, am Teehaus vorbei bis zum Reitweg und über den Prälatenweg retour zum Kloster (ca. 4 km). Der unter Landschafts- und Denkmalschutz stehende Bernrieder Stiftungspark mit einer Fläche von ca. 80 ha ist auch im Winter ein Juwel. 1853 bis 1863 gestaltete der Münchner Oberhofgärtner Carl Effner und später dessen Sohn Carl-Josef von Effner den südlich des Klosters gelegenen Park im Stil eines Englischen Landschaftsparks mit einem reizvollen Wechsel von Wiesen, Buschwerk und Solitärbäumen. Wie immer bei Effner sind die Blickachsen entscheidend und „Sichtfenster“ auf den See und die Alpenkette. www.bernrieder-park.de Mehr Spaziergänge: www.gaestefuehrer-reg-starnberg.de; ausgebildete Führer, die man zu diversen Themen buchen kann. Unter www.bernried.de/für kann man einen virtuellen Ortsrundgang machen; dieser lässt sich auch ausdrucken. Es gibt aber auch einen Flyer, der erhältlich ist beim Verkehrsbüro Bernried, Bahnhofstr. 4, 82347 Bernried; Telefon: 0 81 58 / 80 40; www.bernried.de

ADVENTSMARKT – Am Sonntag, 6. Dezember, von 12 bis 17.30 Uhr mit Handwerk und Kulinarik. Der Erlös ist für einen guten Zweck. Musikalisch wird der Markt von der Trachtenkapelle mit weihnachtlichen Klängen versorgt, um 14 Uhr kommt der Nikolaus.

MUSEUM BUCHHEIM – Adresse: Am Hirschgarten 1, 82347 Bernried; Tel.: 0 81 58 / 99 70 20; www.buch heimmuseum.de. Öffnungszeiten von November bis März Di-So von 10 bis 17 Uhr. KARTE – Kompass-Karte 180, Starnberger See.

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