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Barfußwandern ist gesund.

Barfußwandern: Ein Arzt erklärt den gesunden Wellnesstrend

München - Vor hundert Jahren predigte Pfarrer Kneipp das Barfußlaufen als „abhärtende Wohltat“. Jetzt pilgern immer mehr Wellnessjünger in so genannte Barfußparks oder wandern mit nackten Sohlen.

Die tz forschte nach, wie gesund Barfußwandern wirklich ist.

Professor Dr. Friedrich Wilhelm Schwartz (65) von der Medizinischen Hochschule Hannover war als Experte für gesundheitliche Vorbeugung in vielen Expertenräten der Bundesregierung tätig. Aus seiner Sicht hat das Barfußgehen und -wandern eine ganze Reihe von positiven Effekten:

„Gerade bei Kindern ist Barfußgehen für die gesunde Entwicklung des Fußgewölbes enorm wichtig“, sagt der Professor. Es stärke Muskeln und Bänder, die das Fußgewölbe aufrecht halten. Durch ständiges Tragen von Schuhen verkümmern diese Muskeln, die Folge sind Fehlstellungen wie Knickoder Platt füße.

„Wenn sich das Fußgewölbe verformt, kommt es oft zu Fehlstellungen der Unterschenkel, die geben diese Fehlstellung weiter an Knie und Hüfte“, erklärt Schwartz. Demnach ließe sich ein Großteil der Kniegelenks-Arthrosen vermeiden, wenn sich die Menschen mehr bewegten, vor allem barfuß. Bei bereits vorhandenen Knorpelschäden könne Barfußgehen sogar eine Rückbildung bewirken.

Ungesunde Füße strahlen bis in den Rücken aus. So schwört der Autor des ersten Barfußwanderführers, Eduard Soeffker (40), dass er mit den Stiefeln zugleich seine Bandscheibenprobleme losgeworden sei!

Barfußlaufen stärkt die Abwehrkräfte. „Alle Temperaturreize auf der Haut, also Wechsel zwischen warm und kalt, führen zu einer besseren Durchblutung und trainieren das Immunsystem“, so Schwartz. „Da die Füße besonders viele Temperaturfühler haben, ist es dort besonders wirksam.“ Man müsse gar nicht abwechselnd durch eisiges Wasser und über heißen Asphalt laufen: „Es reicht völlig aus, morgens über eine feuchte Wiese zu gehen.“

 Für den gesundheitsfördernden Effekt von Fußreflexzonenmassagen gibt es laut Schwartz zu wenige wissenschaftliche Belege. Aber auch für den Schulmediziner besteht kein Zweifel: „Barfußgehen stimuliert Körper und Geist.“ Soeffker schwärmt gar vom „Schwall der Glückshormone, wenn man barfuß über eine Almwiese laufen kann oder federnden Waldboden unter seinen Füßen spürt“.

Last but not least: Wer keine Schuhe trägt, kann keine Blasen bekommen. Als gesundheitliche Gefahren des Barfußwanderns nennt Prof. Schwartz herumliegende Glasscherben. Und wer auf Insektenstiche allergisch reagiere, der solle nicht ausgerechnet über eine Blumenwiese laufen. Unterkühlungsgefahr bestehe keine, weil der Körper in Bewegung ist. Auch Umknicken ist kaum ein Thema, weil man den nackten Fuß automatisch vorsichtig aufsetzt.

Wer regelmäßig barfuß läuft, wird unempfindlicher gegen Dornen oder Steine. Denn an den Sohlen bildet sich rasch eine strapazierfähige Lederhaut. Sie besteht im Gegensatz zur Hornhaut nicht aus abgestorbenem Gewebe, sodass der Tastsinn weitgehend erhalten bleibt.

Und was ist die richtige Dosis beim Barfußwandern? Schwartz’ Empfehlung: „So oft wie möglich! Wohlwissend, dass es in der kalten Jahreszeit leichter gesagt als getan ist.“ Mit dem Weglassen der Hausschuhe ist es übrigens nicht getan, wie Schwartz betont: „Wichtig ist das Barfußgehen im freien Gelände. Wir brauchen einen unregelmäßigen Untergrund, damit der Fuß das Ausbalancieren übt.“

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