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Hochalpines Panorama: Weitblick vom Binssattel auf die berühmten Laliderer-Wände.

Touren von der Gramaialm aus

Vielfalt ist Trumpf

Die Gruppe ist vollends begeistert: Nach so wenig Aufwand unter solch imposanten Felswänden zu stehen – tja, das ist eben das Karwendel.

Die Berg-Neulinge absolvieren hier gerade einen Alpenvereins- Kurs, bei dem es um Sicherheit und Tourenplanung, Orientierung und Gehtechniken geht. Hier finden sie ein gutes Terrain: Geröllabfahrten können geübt werden, erster Fels- und Drahtseilkontakt am Klettersteig ist möglich, Wegspuren zu Jöchern können gesucht werden, und immer wieder geht’s um den Wahnsinns-Ausblick: Wie heißt dieser Matterhornartige Gipfel da hinten? Was für ein Tal schaut da unten so schön aus?

Nun, Kenner müssen nicht die Karte zücken, um die imposante Birkkar- Spitze mit ihren 2749 Metern zu identifizieren und vielen ist die Eng mit dem famosen Ahornboden ein Begriff. Trotzdem bietet das Karwendel von der Achensee-Seite eine Rundtour mit vielen Varianten, die mit mancher Entdeckung zwischen Fels und Wasserfall aufwartet.

Dorado für Kletterer und Mountainbiker

Im Sommer kann man frühmorgens noch in aller Ruhe die Schuhe schnüren an der Gramai-Alm (Niederleger) am Ende der Mautstraße ins Falzthurntal – die Touristen schlafen noch. Sanft geht es bis zum Talende, gerade recht zum Aufwärmen, bevor die Höhenmeter steil abgespult werden. Oben auf der Lamsenjochhütte wartet der Frühschoppen und von allen Seiten kommen sie daher: Die Kletterer, die Klettersteiggeher, die Mountainbiker, die Wanderer. Ein Verkehrsknotenpunkt auf 1935 Metern. Hier muss man sich entscheiden: Alpin erfahrene Konditionsbolzen gehen den Klettersteig Brudertunnel und die brüchige, drahtseilversicherte Lamsenspitze.

Postkartenmotiv - der Kaskaden Wasserfall

Die Kletterer schwingen sich über die Nordostkante hinauf (IV+) oder üben noch ein bisschen im nahen Klettergarten. Otto Normalwanderer kann allenfalls noch den Hüttengipfel Schafjöchl mitnehmen spätestens danach aber dreht er am besten nach Westen ab, genießt nach der Umrundung der steilen Lamsenspitze den Blick entlang der berühmten Lalidererwände. Zuerst bergab hoch über dem Eng-Graben, dann steil hinauf zum Binssattel: Und wieder Ausblick pur. Wer trittsicher und mutiger ist, der kann auch direkt über die ausgesetzte Hahnenkampl-Spitze entlang der Steilabfälle gehen. Egal, wie man zum Binssattel kommt: Die Krönung ist der kleine, ungefährliche Grashang- Abstecher auf Pfadspuren zur Scharte am Gramaisattel.

Ein letzter Rundblick, dann geht’s bergab: Die Gramaialm Hochleger (1756 m) lockt mit Sonnenterrasse und Schmankerl. Wer hier fragt, ob auch alles selbst gemacht ist, bekommt nur ein ironisches: „Na, der Bäcker ist gleich nebenan.“ Mit vollem Magen rollt man dann hinab, immer steil am Bach entlang, den ersten Kaskaden- Wasserfall tangiert man, den zweiten sieht man in bester Postkartenmotiv- Distanz. Kaum unten angekommen, sollte man sich zwingend noch aufraffen und in wenigen Minuten zum beschilderten Tal-Wasserfall rüberwandern: Über Eck, durch zwei finstere Felslöcher, rauschen hier von oben die Wassermassen hinab. Auch wenn bis hierher viele Flachwanderer kommen, ist es noch still. Auf den letzten Metern zum Parkplatz ändert sich das schlagartig: Zithermusik, Kas- und Speckalm und andere Attraktionen erwarten einen. Der nostalgische Bus spuckt Gäste aus, Familien tummeln sich im Streichelzoo. Eigentlich ideal: Jeder hat hier Spaß – ohne sich gegenseitig zu stören.

Freia Oliv

LAMSENJOCHHÜTTE (1953 M)

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. B 318 Tegernsee, B 181 zum Achensee. Am Südende bei Maurach / Rofanbahn Abzweig re. nach Pertisau. Am Ortsrand von Pertisau weiter zur Mautstraße Falzthurn/Gramai und auf dieser bis zum Gramaialm-Parkplatz.

TOUR – Gehzeit 5 Std., ca. 900 Hm inkl. Zwischenanstieg. Schwierigkeit: Bergwanderung mit mittelsteilen Wegen und Pfaden, nicht ausgesetzt, keine technischen Schwierigkeiten. Basistour: Ab Gramaialm Niederleger auf gut markiertem Weg (E4 alpin/ Adlerweg) nach Süden immer stärker ansteigend bis zur Lamsenjochhütte am Sattel. Von hier aus kurz bergab zurück und an der Kreuzung links zum westl. Lamsenjoch (Adlerweg / E4 / 201). Geradeaus hinab bis Rechtsabzweig: dort zunehmend steiler werdend hinauf, bei der Kreuzung im Schutt rechts die Serpentinen hinauf zum Binssattel nicht übersehen. Abstecher zum Gramaijoch / Scharte (70 Hm extra): die linken Pfadspuren entlang und steil hinauf die Grastritte zur Scharte. Abstieg bis Weg zum Sonnjoch, nach links kurz folgen, dann am Sattel rechts Gramaialm Hochleger. Ohne Abstecher führt der Weg ab Binssattel zur Alm. Ab der Hütte entlang der Markierung ins Tal, dort nach wenigen Metern links (Schild Wasserfall). Zurück und auf Hauptweg zum Parkplatz.

  • Zusatz Schafjöchl: Gehzeit 1.15 Std., 200 Hm., mittel. Gegenüber Lamsenjochhütte Markierung folgen.
  • Variante Hahnenkampl-Spitze (2080 m) ab westlichem Lamsenjoch rechts nur für Trittsichere und Schwindelfreie (Drahtseilsicherungen). Gehzeit wie Basistour.
  • Zusatz Lamsenspitze (2508 m) Normalweg ab Hütte: Gehzeit gut 3 Std., nur für Trittsichere und Schwindelfreie (Schrofen, Drahtseilsicherungen, Schwierigkeit A/B).
  • Zusatz Lamsenspitze ab Hütte über Brudertunnel, Abstieg über Normalweg: Gehzeiten 3 bis 3,5 Std., Klettersteig Schwierigkeit C, nur mit Klettersteigausrüstung.

TIPPS – 1. Klettergarten Dreamland: Routen Bereich IIIVIII.
2. Hike & Bike: Ab Pertisau Mautstraße ins Falzthurntal bis Gramaialm: 300 Hm.; viele weitere MTB-Touren.
3. Familientipp: Ab Gramaialm Niederleger in 15 Min. zum Wasserfall. 4. Wander-Wochenende: Weitere Touren ab Hütte.

EINKEHR – Lamsenjochhütte (DAV), T.: 0043/5244/ 62063, www.lamsenjochhuette.at; Gramaialm Hochleger (privat), T.: 0043/512/3355781;
Gramaialm Niederleger (privat): T.: 0043/5243/5166, www.gramaialm.at.

KARTE – Kompass-Karte 26, Karwendelgebirge.

 

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