Viel Schnickschnack wie Kompressionsstrümpfe, Hightech-Pulsfrequenzmesser, Trinkflaschen-Gürtel oder Laufrucksack, gibt es für Sportler. Nicht zwingend notwendig, sagt Spitzenläufer Klaus Ruscher – aber eben schick. foto: Marcus Schlaf

Was beim Laufen wirklich nützt

München - Rein in die Sportschuhe und raus auf die Strecke - Laufen ist im Prinzip ein recht einfacher Sport. Doch über die Jahre hinweg haben sich die Hersteller von Sportartikeln einiges einfallen lassen, was für Läufer nützlich sein kann.

Das Angebot ist groß - von den Kompressionssocken bis zur Hightech-Pulsuhr. Vor allem Einsteiger verlieren da schnell den Überblick, was wirklich hilfreich ist und worauf man getrost verzichten kann. „Im Prinzip muss man zwischen Ausrüstung und Accessoires unterscheiden“, sagt Klaus Ruscher, selbst Spitzenläufer und Inhaber von Sport Ruscher in Laim. Zur Ausrüstung zählt er vernünftige Schuhe und Bekleidung. „Alles andere ist nicht unbedingt notwendig.“

Bequem und praktisch

Lesen Sie auch:

Auf geht’s zum Münchner Stadtlauf!

Stadtlauf: Laufend sozial engagiert

Die richtige Vorbereitung:

Tipps für den Stadtlauf: Die optimale Lauftechnik

Stadtlauf: Tipps für den Laufschuhkauf

Welcher Lauftyp bin ich?

Trainingsplan: Fit in sechs Wochen

Fit für den Stadtlauf: Auf die Ernährung kommt es an

Die Devise von Klaus Ruscher bei der Bekleidung: „Sie muss der Bewegung und der Witterung angepasst sein.“ Mit der guten alten Jogginghose kann es da problematisch werden: Der weite Stoff kann bei längeren Strecken unangenehm auf der Haut scheuern. Bei Regen saugt sie sich voll wie ein Schwamm. Das passiert bei einer engen Laufhose aus Funktionsmaterial nicht. „Eine sinnvolle Sache“, findet daher auch Sebastian Engelhardt, Laufexperte bei Sport Scheck. Auch wenn viele Männer erst das „Strumpfhosentrauma“ aus der Kindheit überwinden müssten - „waren sie einmal in der engen Laufhose unterwegs, wollen sie nicht mehr tauschen“. Die Hosen seien einfach leichter und angenehmer zu tragen.

Die 10 größten Fehler beim Laufen

Die 10 größten Fehler beim Laufen

Nützliche Fasern

Ähnliches gilt für die Oberteile. „Schwitzt man im Baumwoll-T-Shirt und kommt in kühlen Wind, kann man leicht krank werden“, erklärt Klaus Ruscher. Ein Shirt - ebenso wie die Hose - aus Funktionsfasern leite den Schweiß ab und halte die Haut trocken. Nur bei Temperaturen ab 30 Grad plus empfiehlt Ruscher wieder Baumwolle. „Da kann man in Funktionskleidung schnell überhitzen, Baumwolle hingegen kühlt dann.“

Eine Glaubensfrage

Eindeutig ein Kann, aber kein Muss ist die sogenannten Kompressionsbekleidung. Die hautengen Oberteile und Hosen sollen die Muskelvibrationen eindämmen, den Blutfluss zum Herzen verbessern und Ermüdung reduzieren. „Ob es funktioniert, ist eher eine Glaubensgeschichte“, sagt Laufexperte Engelhardt. Messbare Werte gebe es nicht. Klaus Ruscher empfiehlt: selbst ausprobieren. „Manche trainieren besser in Kompressionskleidung, andere fühlen sich eingezwängt wie die Wurst in der Pelle.“

Lauftraining: 21 Tipps für 21 Kilometer

Lauftraining: 21 Tipps für 21 Kilometer

Sinnvoll komprimiert

Ein eindeutiger Tipp Ruschers, der selbst schon viele Rennen erfolgreich hinter sich gebracht hat: Kompressionskniestrümpfe. „Vor allem nach dem Laufen sind sie ein echter Segen.“ Die Kompression verbessert die Durchblutung, die Muskeln entspannen sich. „Man fühlt sich körperlich, aber auch mental frischer und vitaler.“ Das bestätigt auch Laufexperte Engelhardt und rät: „Damit sie richtig passen, sollte man beim Kauf nicht nur auf die Schuhgröße, sondern vor allem auf den Wadenumfang achten.“

Wer keinen Wert auf Kompression legt, für den gibt es auch normale Laufsocken. Durch spezielle Polsterungen sorgen sie für einen festen Sitz der Socke und verhindern die Blasenbildung. Spezielle Materialien sorgen dafür, dass Feuchtigkeit nach außen transportiert wird.

Pulskontrolle

Häufigstes Accessoire eines Läufers ist die Pulsuhr. Über einen Sensor, der in den meisten Fällen an einem Brustgurt befestigt ist, wird die Herzfrequenz an die Pulsuhr übermittelt. „Ein gutes Mittel zur Selbstkontrolle und um Fortschritte beim Laufen zu sehen“, sagt Klaus Ruscher. Das bestätigt auch Mark Pfeiffer, Trainingswissenschaftler bei der TU München. „Eine Pulsuhr ist das einfachste, bezahlbare Mittel, um zu erfahren, wie das Laufen den Körper beansprucht.“ Natürlich könne ein gesunder Mensch auch ohne Uhr loslaufen. „Doch wenn man wissen will, ob das Training Früchte trägt, ist die Kontrolle sinnvoll.“ Nach einer Faustformel oder einer genauen Leistungsdiagnose beim Arzt wird errechnet, bei welcher Herzfrequenz das Laufen Sinn macht.

Funktionen kosten

Gute, einfache Geräte sind ab 50 Euro zu haben. „Je teurer die Uhr, umso mehr Funktionen hat sie“, erklärt Ruscher. Das sei dann wiederum Geschmackssache. „Wer Spaß daran hat, seine Laufstrecke hinterher über seine Uhr bei Google Maps auf dem Computer nachzuvollziehen, wird dafür auch gern mehr Geld ausgeben.“

Trinken ab 1 Stunde

Läufern, die länger als eine Stunde unterwegs sind, rät Ruscher, etwas zu trinken mitzunehmen. Er empfiehlt sogenannte Trinkgürtel mit kleinen Getränkefläschchen. „So ist das Gewicht besser verteilt als bei einer großen Flasche“, sagt auch Laufexperte Engelhardt. Zum Schutz vor Sonne und gegen Kälte gibt es Laufkappen und dünne Mützen - am besten auch aus Funktionsfasern, die die Feuchtigkeit ableiten.

Bilder vom Stadtlauf 2010

Bilder vom Stadtlauf 2010

Es muss Spaß machen

Stirnlampen und Reflektoren für die Dämmerung, Laufrucksäcke für den Berg, spezielle Laufhanteln - „bei vielen Accessoires kommt es darauf an, was der Einzelne vorhat“, sagt Ruscher. Ob man beim Laufen Musik und daher Oberarm-Halterungen oder Täschchen für den MP3-Player braucht, sei Geschmackssache. Einsteigern empfiehlt er, mit einer schlanken, günstigen Ausrüstung zu beginnen. „Wer aber Freude an bestimmten Extras hat, sollte sich diese auch gönnen“, so Ruscher. Denn Laufen sei Freizeit und „die muss in erster Linie Spaß machen“.

Doris Richter

Verlosung

Wir verlosen fünf Startplätze (Wert: 29 Euro) für den Stadtlauf von Sport Scheck und BMW am 26. Juni. Wer gewinnen will, ruft an diesem Wochenende an unter 0137/8 88 01 83 (legion, 50 Cent aus dem dt. Festnetz). Kennwort: „Stadtlauf“.

Infos im Internet unter www.sportscheck.com/event.

Auch interessant

Kommentare