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Herzstück der Klosteranlage in Benediktbeuern ist die Pfarrkirche St. Benedikt. Sie wurde von 1681 bis 1686 in prunkvollem Hochbarock errichtet.

Schattenfrei ins Kloster

Spaziergang am Fuße der Isarwinkler Berge

„Advent, Advent ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei“ – dann hunderte: Wenn sich am zweiten Advent das Klosterdorf Benediktbeuern für einen Tag in einen Christkindlmarkt verwandelt...

...werden für Jung und Alt Wintermärchen wahr. Aber auch ohne Lichterschein ist die Gegend am Fuße der Isarwinkler Berge traumhaft schön und ideal für einen Spaziergang in der dunkelsten Zeit des Jahres. Die ländlich geprägten Dörfer mit ihren stattlichen Bauernhäusern sind eingebettet in weite Grasflächen. Schattenfreie, aussichtsreiche Feldwege verbinden die beiden Orte Bichl und Benediktbeuern miteinander.

Startpunkt unserer Tour ist beim Maibaum in Bichl. Anfangs versteckt er sich, dann erspäht man längsseits der Straße den Dorfbach. Mitte des 17. Jahrhunderts befanden sich am Bach entlang mehrere Mühlen, Sägewerke, eine Hammerschmiede, Zement- und Ziegelöfen. Von diesen Gewerken stammt auch das Baumaterial für das Kloster Benediktbeuern.

Bald bleiben der Bach und die letzten Häuser zurück und der Blick schweift über das Loisach-Kochelsee-Moor zum Estergebirge und wandert vom Heimgarten (1791 Meter) über den Gratweg zum Herzogstand (1731 Meter). Östlich davon fällt das Auge auf den behäbigen langen Rücken der Benediktenwand (1801 Meter). Einer Sage nach steht der Berg auf vier goldenen Säulen und verbirgt in seinen Tiefen einen großen Schatz und einen Gold sprudelnden Brunnen. Allmählich nähert man sich Benediktbeuern und schlendert dann mitten durchs Dorf zum Kloster.

Wem das zu weit erscheint, weil man unterwegs schon eingekehrt ist, biegt in der „Bahnhofstraße“ gleich in den schmalen „Schützenweg“/ „Steinbacher Kirchenweg“, um über den „Wiesenweg“ retour nach Bichl zu gelangen. Das Kloster ist eines der ältesten Benediktinerklöster Bayerns, 725 gegründet.

Prunkvoller Hochbarock

Durch die Künstler Georg Asam und Johann Baptist Zimmermann entstand ab 1669 die barocke Klosteranlage. Herzstück der Anlage ist die ehemalige Klosterkirche und jetzige Pfarrkirche St. Benedikt, die 1681 – 1686 in prunkvollem Hochbarock errichtet wurde. Nach der Säkularisation arbeitete in den Gebäuden von 1807 – 1819 der Forscher und Unternehmer Joseph von Fraunhofer. Er schuf eine Glashütte und entwickelte schlierenfreies Glas. In der Folge entdeckte er im Sonnenspektrum, die nach ihm benannten „Fraunhofer’schen Linien“. Wer mag, kann die historische Glashütte mit den imposanten Schmelzöfen besichtigen.

Viel zu schnell bricht die Dämmerung herein, man spaziert besser zeitig über die Wiesen Richtung Bichl. Samtig schimmert in der Abendsonne die Dorfkirche St. Georg über den Baumkronen. Der auffällige Hügel (altbairisch: Bühel, Bichl) auf dem das Gotteshaus steht, ist namensgebend für den Ort. Bereits Mitte des 12. Jahrhunderts stand hier eine romanische Kirche. Eindrucksvoll zeigt sich der behutsam restaurierte Innenraum mit plastisch wirkender Stuckmalerei. Dramatisch und edel zugleich erscheint der Kampf des Hl. Georg mit dem Drachen. Steigt man später die Treppen vom „Bühel“ hinab, wird’s langsam düster. Schließlich bringt einen die „Dorfstraße“ zurück zum Maibaum.

Von Doris Neumayr

VON BICHL NACH BENEDIKTBEUERN

ANFAHRT – Auto: A 95 München-Garmisch bis Ausfahrt Sindelsdorf. Auf B 472 Richtung Bad Tölz. Rechts abbiegen auf der B 11 Richtung Benediktbeuern, links in den Ort Bichl. Über die „Kocheler Straße“ in die Ortsmitte (Maibaum). Parken längs der „Kocheler Straße“ oder beim Maibaum (Dorfstraße). Bahn: Richtung Kochel bis Halt Bichl.

TOUR – Gehzeit ca. 2 Stunden, 6,8 km, asphaltierte Sträßchen und sonnige zu jeder Jahreszeit begangene Feldwege (nach Neuschnee nicht empfehlenswert). Beim Maibaum überquert man die „Kocheler Straße“, folgt der „Bachstraße“ ostwärts aus dem Ort hinaus in den Ortsteil Hofstätt. An einer Gabelung mit Marterl rechts in den „Schwimmbadweg“.

Nach 100 m rechts über einen Feldweg (Hinterholzweg) südwärts. Nach 1 km kommt man an eine Kreuzung mit Brunnen und Bank. Hier rechts über „Oberjägerweg“ nach Benediktbeuern. Man mündet in die „Häusernstraße“, zieht nach rechts und folgt der „Dorfstraße“ nach rechts bis man beim Gasthof zur Post die Hauptstraßenkreuzung B11 erreicht. Die Straße überquert man und geht auf der „Bahnhofstraße“ bis zum Kloster. Zurück geht’s über die „Bahnhofstraße“, bis zur Linksabzweigung „Schützenweg“ „Gitarrenbau Weigel“. (ca. 150 m vor der Hauptstraßenkreuzung).

Dann rechts kurz dem „Steinbacher Kirchenweg“ folgen. Nach ca. 80 m scharf links in den „Wiesenweg“. Die Straße „Wiesenweg“ mündet in einen Feldweg, der nach Bichl führt. Man überquert die B11 und mündet in Bichl in eine Straße namens „Wiesenweg“. Orts einwärts geht’s zur Verzweigung „Sindelsdorfer Straße“. Links bis zur T-Kreuzung „Dorfstraße“. Auf der „Dorfstraße“ kurz rechts, dann links „Am Bühel“ hinauf zur Kirche St. Georg. Von der Kirche wieder zurück zur „Dorfstraße“.

TIPPS

  • Kunsthandwerkermarkt im Kreuzgang des Klosters Benediktbeuern, Samstag, 29. November, 9–17 Uhr, Sonntag, 30. November, 9.30–17 Uhr (Eintritt: 3 Euro).
  • Altbayerischer Christkindlmarkt mit lebender Krippe. Ganz Benediktbeuern verwandelt sich in einen Weihnachtsmarkt am Sonntag, 7. Dezember, 10–19 Uhr.
  • Wald(vor)Weihnacht für Familien, die zusammen auf Herbergssuche gehen (mit Brotzeit und Besinnung in der freien Natur), warme Kleidung, Brotzeit und Getränke mitbringen: Samstag, 13. Dezember, 15–17.30 Uhr, Treffpunkt ZUKRezeption (pro Familie 15 Euro), Anmeldung: Sekretariat Bildung im Zentrum für Umwelt und Kultur, Benediktbeuern, Zeilerweg 2, Tel. 08857/88759, www.zuk-bb.de.
  • Fraunhofer Glashütte, Benediktbeuern, Fraunhoferstr. 2, täglich 9–16 Uhr, www.kloster-benediktbeuern.de.
  • Waldgaststätte „Zum Schreiner“, Benediktbeuern, Vormholz 6, Tel. 08857/375, www.zum-schreiner.de

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