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Schon beim Radlkauf muss Mann oder Frau auf die Federung und aufrechte Sitzposition achten.

Bequemer radeln - Die wichtigsten Tipps für mehr Komfort im Sattel

München - Taube Hände, Rückenschmerzen oder eingeschlafene Genitalien – Fahrradfahren kann zur Qual werden. Doch die richtige Einstellung des Fahrrads oder spezielle Anbauteile helfen.

Schon beim Radlkauf kann man vor allem auf einen bequemen Rahmen achten, zum Beispiel mit Federung und aufrechter Sitzposition. Im Nachhinein lässt sich jeder Drahtesel mit Wohlfühl-Zubehör nachrüsten. Der Komfort-Guide der tz gibt Tipps, damit Ihre Radtour nicht zur Tortur wird.

Die Sitzposition:

■ Die Sitzposition: Je aufrechter Sie auf Ihrem Fahrrad sitzen, desto angenehmer für Nacken, Rücken und Hände. Allerdings steigt damit der Luftwiderstand. Am einfachsten lässt sich die Sitzposition mit einem verstellbaren Vorbau aufrichten. Die Ellbogen sollten Sie beim Fahren leicht anwinkeln. Da ran müssen sich die Schultermuskeln gewöhnen, aber so vermeiden Sie einen Katzen buckel. Überdies federn gebeugte Ellbogen Schläge des Vorderrads ab. Davor schützt natürlich am wirksamsten eine eingebaute Federgabel.

Die Hände:

■ Die Hände: Kerzengerade Lenker zwingen die Hände in eine unnatürliche Griffhaltung. Besser sind gebogene Lenker oder gleich Multipositionslenker. Ergonomische Griffe etwa von Ergon (ab 25 € pro Paar) bieten den Händen eine große Auflagefläche und schonen empfindliche Nerven. Fahrradhandschuhe mit Gelpolster dämpfen Vibrationen und nehmen Druck von sensiblen Stellen.

Der Rücken:

■ Der Rücken: Wenn Sie Ihre Bandscheiben schonen möchten, sollten Sie über ein vollgefedertes Fahrrad nachdenken. Einen ähnlichen Effekt haben gefederte Sattelstützen (ab 30 €): Sie nehmen Schlägen des Hinterrads ein Drittel ihrer Wucht. Ein preiswertes Tuning: dickere Reifen, die man mit weniger Luftdruck fahren kann. Das Mehrgewicht und der höhere Rollwiderstand werden durch den Komfortgewinn vielfach aufgewogen.

Das Gesäß:

■ Das Gesäß wird schnell zum wunden Punkt, besonders mit einem unpassenden Sattel. Grundsätzlich sollte möglichst viel Druck des Körpergewichts auf den Sitzknochen des Beckens lasten. Der dazwischen liegende Dammbereich hingegen muss entlastet werden, denn: Druck auf den Damm quetscht Nerven- und Blutbahnen ab. Die Folge sind vor allem bei Männern Taubheitsgefühle im Genitalbereich. Medizinische Studien belegen, dass diese abgeklemmte Durchblutung zu Erektionsstörungen führen kann. Diese sind jedoch umkehrbar – es ist also nie zu spät für den richtigen Sattel! Und beim Sattel gilt: Je aufrechter die Sitzposition, desto breiter und kürzer darf der Sitz sein. Lassen Sie sich beim Probesitzen aber nicht von allzu weichen Sätteln verführen! Sie fühlen sich zunächst bequem an, weil sie den Druck auf die gesamte Sitzfläche verteilen. Nach etwa 30 Minuten jedoch stellt sich das unangenehme Ziehen oder das taube Gefühl in den Weichteilen ein. Und weil sich Nerven und Blutbahnen niemals an Druck gewöhnen, eignen sich weiche Sättel nur für kurze Fahrten. Manche Sättel haben in der Mitte eine schlitzförmige Aussparung; sie entlastet den zentralen Damm.

Die Komforttüftler von der Strasslacher Firma SQlab gehen noch einen Schritt weiter: Ihre Stufensättel lagern fast das gesamte Körpergewicht auf den Sitzknochen ab. Abstufungen in der Mitte und zur Sattelspitze hin schonen auch seitliche Nerven und Horizontale Sattelposition: Setzen Sie sich aufs Rad. Drehen Sie eine Kurbel ganz nach vorne. Der Fuß steht waagrecht mit dem Vorderballen auf dem Pedal. Das Lot vom Schienbeinkopf (unter dem Knie tastbar, roter Punkt) sollte etwa 1 cm hinter die Pedalachse fallen. Fällt es davor, schieben Sie den Sattel nach hinten, und umgekehrt Abfahrt zu machen. Solche Sättel können sich beim Probesitzen unangenehm hart anfühlen. Doch im Gegensatz zu den Weichteilen gewöhnen sich die Sitzknochen mit der Zeit an Belastung – jeder Radler kennt dieses Phänomen von den ersten Touren nach der Winterpause.

Qualitätssättel werden in verschiedenen Größen angeboten. Der Händler misst mit einem speziellen Hocker den Abstand zwischen den Sitzknochen und ermittelt daraus die passende Sattelbreite. Auf langen Touren unerlässlich: eine Fahrradhose mit Sitzpolster. Wichtiger als die Dicke des Polsters ist seine Struktur und dass die Nähte nicht scheuern. Die Zeitschrift Roadbike testete kürzlich Radhosen und vergab einen Preis-Leistungs- Kauftipp an das Herrenmodel Men’s Comp BIB Pants III von Vaude (60 €) und die Damenhose Neo Pro Short von Sugoi (50 €). Übrigens trägt man Radhosen direkt auf der Haut, ohne Unterwäsche. Sitzcreme verhindert das Wundscheuern.

Füße und Knie:

■ Füße und Knie: Eingeschlafene Füße rühren oft von zu engen Schuhen her. Denken Sie beim Kauf daran, dass Füße beim Sport anschwellen. Auch Einlagen können Abhilfe schaffen. Wenn’s im Knie zwickt, ist das Rad meist nicht richtig eingestellt.

Zum Beispiel die Sattelhöhe: Grundsätzlich steht man beim Radfahren nicht mit der Fußmitte auf dem Pedal, sondern mit dem Vorderballen. Setzen Sie sich also entsprechend auf Ihr Fahrrad und drehen Sie ein Pedal nach ganz unten. Das Knie soll nun annähernd durchgestreckt sein, aber nicht ganz! Die Oberfläche des Sitzes sollte waagrecht sein. Auch die horizontale Position des Sattels ist wichtig für die Knie.

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