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Bei der Abfahrt mit dem Bergmönch kann man sich auf den integrierten Rucksack knien.

Drei Abfahrtsgeräte für Wanderer im tz-Vergleich

Zu Fuß bergauf, rasant bergab

Manche sprechen spöttisch von „Arthrose- Rollern“. Tatsächlich legen sich immer mehr Bergsteiger mit Knieproblemen ein Abfahrtsgerät für Wanderer zu.

Bereitwillig tragen sie ein paar Kilo zusätzlich mit auf den Berg, um bergab die Gelenke zu schonen – und dabei eine Mordsgaudi zu haben!

Denn die Geräte bereichern das gute alte Wandern um eine Spaßkomponente: Auf den anstrengenden Aufstieg und das Gipfelglück folgt statt des quälend langen Abstiegs eine Fahrt, die man mehr oder weniger rasant gestalten kann. Als Belohnung für die Strapazen. Wer den Lohn auch ohne Mühe einstreichen möchte, der nimmt die Geräte einfach mit in die Seilbahn…

Spezielle Kleidung braucht es übrigens nicht. Aber: Ein (Fahrrad-) Helm ist sehr zu empfehlen.

Die tz hat die drei angesagtesten Abfahrtsgeräte probegefahren. Bockerl, Bergmönch und MountainSkyver wurden allesamt in Bayern entwickelt und haben noch etwas gemeinsam: Die Schwerkraft ist ihr einziger Antrieb, keine Tretkurbeln, keine Kette, kein Motor… Ob sich die kostspielige Anschaffung so eines Geräts lohnt, welcher Flitzer für welchen Wanderertyp geeignet ist – lesen Sie selbst…

Begleiter mit Spaß- Garantie

- Charakter: Der Bergmönch ist ein Roller für die Berge mit eingebautem Tragerucksack.

- Bergauf: Gut zehn Kilo inklusive Rucksack – das können ambitionierte Bergsteiger schon mal schultern. Zumal der Roller derart gut ins Tragesystem integriert ist, dass die Ladung nicht schwankt und es selbst nach stundenlangem Marsch nirgends drückt.

- Bergab: Mit wenigen HandgriffenlässtsichdasTragepaket zu einem Abfahrtsgerät entfalten. Geübten Radlern fällt die Fahrtechniksofortleicht.Dank der niedrigen Standhöhe kann man einfach und rasch einen Fuß absetzen oder absteigen. Der am Gerät fixierte Rucksack (26 Liter Packvolumen) trägt zum niedrigen Schwerpunkt bei und dient mit seiner Außenseite als Schmutzfang. Gutmütig zieht der an beiden Rädern gefederte Bergmönch durch die Kurven. Die hydraulischen Scheibenbremsen entschleunigen auch bei hoher Geschwindigkeit und Nässe zuverlässig. Wer sich (im Sinne der Erfinder) hinkniet, verschlechtert dadurch jedoch die Kontrolle übers Gerät.-

- Fazit: Für 1500 € gibt es ein durchdachtes und bestens verarbeitetes Gesamtsystem. Sportliche Wanderer bekommen mit dem Bergmönch einen Begleiter mit Spaßgarantie.

- Infos und Kauf: www.berg moench.com, 0171 / 752 11 22.

Für jeden Wanderer der passende Roller

- Charakter: Die MountainSkyver sind wie Roller für die Berge. Es gibt vier Modelle von extra leicht bis „extra hart im Nehmen“.

- Bergauf: Zusammengeklappt lässt sich ein Skyver mit zwei simplen Riemen an jedem größeren Rucksack befestigen. Nachteil: eingeschränkter Zugriff auf die Packfächer. Nah am Körper getragen, ist kein Schwanken zu spüren. Das Gewicht liegt je nach Modell zwischen sieben und elf Kilo.

- Bergab: Der Umbau geht ähnlich einfach und schnell vonstatten wie beim Bergmönch. Allerdings steht man zentraler auf dem Gerät, was den Skyver wendiger macht: Zum Steuern genügt schon etwas Druck auf das kurveninnere Pedal – ähnlich einem Skateboard. Auf Flachpassagen lässt sich der Skyver wie ein Tretroller anschieben. Ein Modell mit gefederter Gabel wählen! Der zusätzliche Komfort überwiegt das Extragewicht. Federung und Bremsen sind nicht ganz so hochwertig wie beim Bergmönch, dafür pflegeleichter.

- Fazit: Vom Leichtmodell für den schmerzgeplagten Wandersmann bis hin zum Downhiller, der selbst holprigste Pfade meistert – großer Vorteil von Mountain- Skyver ist die Modellvielfalt. Außerdem ist man unabhängig vom Rucksack. Die Preise: zwischen 700 und 800 €.

- Infos und Kauf: www. mountainskyver.com, Telefon: 088 56 / 93 63 58.

Ein Schlitten für die schneelose Zeit

- Charakter: Das Bockerl ist eine Art Minischlitten auf drei Rädern mit Luftreifen.

- Bergauf: Passt in oder an jeden größeren Rucksack und wiegt nur drei Kilo. Damit lässt das Bockerl seine Konkurrenten in der Bergaufwertung klar hinter sich.

- Bergab: Die Sitzposition verlangt Bauchmuskeln! Ist der Weg zu flach, erreicht man nicht die fürs Gleichgewicht nötige Geschwindigkeit; ist er zu steil, gerät die Bremse an ihre Grenze. Das Lenken mit dem Körpergewicht will geübt sein. Häufiges Steuern oder Bremsen mit den Füßen ramponiert

die Schuhsolen. Selbst über größere Hindernisse rollt der kleine Dreiachser erstaunlich gelassen hinweg. Ist das Bockerl mal in Fahrt – ein echt rasantes Gefühl, so knapp über dem Boden!

- Fazit: Mit 300 € ein vergleichsweise günstiges Spaßgerät, das jedoch einige Übung und ideal geneigte Wege verlangt. Prima: kein Umbau zwischen Aufstieg und Abfahrt nötig.

- Infos, Kauf: www.bockerl. com, Tel. 080 72 / 919 10.

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