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Nachhaltigkeitschef Bernhard Kiehl von Gore Fabrics im Interview.

Sympatex klagt gegen Goretex

Bernhard Kiehl von Gore Fabrics: "Klare Kriterien für Umwelt-Label"

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Sympatex aus Unterföhring hat eine Einstweilige Verfügung gegen Weltmarktführer Gore aus Putzbrunn erwirkt. Das sagt Nachhaltigkeitschef Bernhard Kiehl von Gore Fabrics.

Gore setzt beim Thema Nachhaltigkeit vor allem auf die Langlebigkeit seiner Produkte. Warum? 

Weil das der stärkste Hebel ist. Wir machen Ökobilanz- Studien schon seit rund 25 Jahren, und diese zeigen, dass die Langlebigkeit eines Produkts der Faktor ist, der den größten Einfluss auf die Verbesserung des ökologischen Fußabdrucks hat. Ein Konsument, der eine Jacke zehn Jahre lang trägt, macht alles richtig. Herstellung und Transport der Produkte verursachen den Studien zufolge ungefähr 65 Prozent der CO2-Emissionen.

Die richtige Produktpflege hat mit 35 Prozent ebenfalls einen maßgeblichen Einfluss, weswegen wir schon seit vielen Jahren gegen die irrige Annahme kämpfen, es schade einer Goretex-Jacke, diese regelmäßig zu waschen. Dagegen kann die Entsorgung, die sich in der Ökobilanz mit weniger als einem Prozent auswirkt, vernachlässigt werden.

Recycling ist bei Ihnen kein Thema? 

Doch, wir hatten 1993 als erster Hersteller sogar ein Recyclingprojekt, das „Gore-Balance- Programm“. Mit einer speziellen Maschine konnten wir das Laminat, also den Klebeverbund zwischen Membran und Textil, auflösen.

Allerdings kam von den Kunden damals ziemlich wenig Kleidung zurück – viele nutzen ihre Goretex-Jacken nach zehn Jahren Outdoor-Einsatz anschließend lieber zum Garteln statt sie wegzuwerfen. Insofern, das haben wir gelernt, ist das stoffliche Recycling nicht so bedeutend.

Und jetzt? 

Zusätzlich zur Langlebigkeit ist der künftige Verzicht auf ökologisch bedenkliche PFCs eine Stoßrichtung, mit der wir einen Umweltvorteil generieren können. Viel passiert auch in der Herstellung der Textilien: Eine Studie hat gezeigt, dass die Spinndüsenfärbung bis zu 90Prozent an Wasser und bis zu 60 Prozent an Chemikalien und CO2- Emissionen einspart. Die zunehmende Verwendung von recycelten Textilien für unsere Produkte hat ebenfalls positive Auswirkungen auf den ökologischen Fußabdruck.

Wie reagieren die Kunden? 

Sie finden unseren Weg richtig. Schließlich ist es unser Ziel, die optimale Kombination aus hoher technischer Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit zu bieten. Das heißt: Unsere Produkte müssen funktionieren. Es ist falsch zu glauben, dass ein Verzicht auf Qualität der Umwelt nützt.

Unsere Zielgruppe ist der ambitionierte Freizeitsportler, und der hat einen hohen Anspruch. Und genau deshalb ist die Langlebigkeit so wichtig: Wenn wir es mit der Ökologie ernst meinen, ist ein immer schnellerer Produktzyklus der falsche Weg. Perspektivisch müssen wir wieder dahin kommen, dass Produkte lange genutzt werden. Da muss natürlich auch der Konsument mitmachen – Nachhaltigkeit ist Teamsport.

Wie steht Gore im Öko-Vergleich da? 

Uns ist es wichtig, den Umwelteinfluss unserer Produkte ganzheitlich und glaubwürdig, also auf wissenschaftlicher Basis, zu messen: Die Ökobilanz ist ein geeignetes Instrument dafür. Sinnvoll wäre zudem ein für die Kunden nachvollziehbares Umwelt- Label mit standardisierten Kriterien, wie zum Beispiel bei Kühlschränken. Wir sind Gründungsmitglied einer Initiative, die gemeinsam mit der europäischen Politik ein solches Projekt seit Jahren vorantreibt.

Gore als Arbeitgeber ausgezeichnet

1958 haben die Eheleute Bill und Vieve Gore in den USA das Unternehmen W.L. Gore & Associates gegründet, das heute weltweit über 10 000 Mitarbeiter beschäftigt, davon 1400 in Deutschland, unter anderem an den Standorten in Putzbrunn und Feldkirchen- Westerham. 1969 entdeckte Bob Gore, der Sohn von Bill und Vieve, ein bemerkenswert vielseitiges Polymer: expandiertes Polytetrafluorethylen (oder ePTFE).

Es eröffnete dem Unternehmen unzählige neue Anwendungen in den Industrien für Medizinprodukte, Textilien, Pharmazeutika und Biotechnologie, Öl & Gas, Luft- und Raumfahrt, Automobile, mobile Elektronik, Musik und Halbleiter. Gore hat sich weltweit mehr als 2000 Patente in vielen unterschiedlichen Bereichen gesichert.

Seit Jahren schon wird Gore als einer der besten Arbeitgeber in Bayern ausgezeichnet. 2017 belegt das Technologieunternehmen beim Benchmark-Vergleich „Bayerns beste Arbeitgeber“ den dritten Rang in der Kategorie Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern - nach zwei ersten Plätzen in den Jahren 2016 und 2015. Durch einen Aktienplan sind alles Mitarbeiter Miteigentümer des Unternehmens. Der Jahresumsatz von Gore beträgt drei Milliarden US-Dollar.

Mehr zum Thema: Wie umweltfeindlich sind Outdoorjacken? Lesen Sie hier die Hintergründe zur einstweiligen Verfügung gegen Weltmarktführer Gore aus Putzbrunn.

Außerdem: Das sagt Sympatex-CEO Rüdiger Fox.

Das Interview führte Martin Becker.

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