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Über den – etwas schwer zu findenden – Hochuferweg gelangt man quasi durchs Hintertürl in den Klosterhof. Majestätisch erhebt sich die Kuppel der Pfarrkirche.

Besinnliche Wanderung

Himmlische Wege rund um das Kloster Rottenbuch

„Eine Landschaft, die Gott in einer Sonntagslaune geschaffen haben muss: Mit sanften Hügeln, dunklen Waldrücken und grünen Wiesen“. So beschreibt sich die aus 26 Ortsteilen bestehende Gemeinde Rottenbuch in einem Prospekt selbst.

Und wirklich, selbst wenn der Herbstnebel über den Wiesen liegt, bleibt die Landschaft reizvoll. Das urbayerische Dorf blickt auf eine mehr als 900-jährige Vergangenheit zurück. Obwohl die heutige Spazierroute größtenteils beschildert ist, kann eine Wanderkarte bisweilen recht hilfreich sein. Nachdem man die lebhafte Bundesstraße überquert hat, kehrt angenehme Ruhe ein. Landhäuser jeglicher Couleur säumen die schmale Straße. Bald schon geht’s auf raschelnden Blättern durch einen Wald. Die Konturen der letzten Häuser sind im Nebelschleier schon verblasst, als später ein steiniger Feldweg in eine moorige Senke hinabführt.

Ist die Weitsicht verhüllt, fällt der Blick auf Details am Wegesrand: In perfekter Geometrie spannen sich feine Spinnennetze über feuchte Gräser, wie eine Fackel leuchtet unvermutet ein Zweig mit letzten goldgelben Blättern auf. Während in dunklen Winkeln „Meister Raureif“ seine filigranen Kunstwerke zeigt, murmelt der Talbach leise vor sich hin. Auf grobem Weg steigt man jetzt bergan und genießt die erdig würzige Waldluft. Dann schlendert man über ausgedehnte Weideflächen und ruhige Teersträßchen. Weit weg von Behausungen taucht plötzlich eine efeuumrankte Mauer und ein Eisentor auf. Dahinter verbirgt sich der Pestfriedhof, entstanden in den Schreckensjahren 1633/ 34. 187 Menschen sollen hier bestattet worden sein.

An der Westseite der Ummauerung zieren rote Blumen ein Marienbildnis. Der marode Charme der Vergänglichkeit liegt über dem Gottesacker. Bergab führt der weitere Weg und ein versteckter Abzweiger leitet vorbei an lauschigen Schrebergärten ins Rochustal. Wer Lust hat, unternimmt vor der B23-Unterführung einen Abstecher zum Bildstock des Heiligen Rochus, dem ein Hund zu Füßen liegt. Rochus soll viele Pestkranke geheilt haben. Als er sich selbst angesteckt hatte, wurde er, einer Legende nach, von einem Hund gesund gepflegt, der seine Wunden leckte und ihm Brot brachte…

Im Ortsteil Moos könnte man jetzt in direkter Linie über einen bequemen Fahrweg zurück nach Rottenbuch marschieren. Viel schöner, jedoch nicht ganz einfach zu finden, ist die Schleife über den romantischen Hochuferweg oberhalb der wilden Ammer. Hinter Pferdekoppeln geht’s ein Stück am Waldrand entlang. Just leitet der Weg kurz abwärts und ein paar verträumte Fischweiher drängen ins Bild. Auf einmal erscheint über den Wipfeln majestätisch die Kuppel der ehemaligen Stiftskirche und heutigen Pfarrkirche Mariä Geburt. Nach einem Torbogen steht man mitten im Klosterhof. Auf dem „Rottenbucher Klosterrundweg“ könnte man nun die bewegte Geschichte des 1073 gegründeten Klosters anhand von 18 Tafeln erkunden. Ein besinnlicher Ausklang der Tour ist dann der Besuch der wunderschönen Pfarrkirche. Romanik, Gotik und Rokoko sind selten so verschmolzen wie in dem Gotteshaus.

Von Doris Neumayr

RUND UM ROTTENBUCH

ANFAHRT – A 95 München – Garmisch-Partenkirchen, Ausfahrt Murnau. Über Murnau nach Saulgrub. Dort rechts auf B 23 Richtung Bad Bayersoien. Weiter Richtung Schongau / Augsburg bis nach Rottenbuch. Hier rechts Richtung „Ortsmitte“, gleich rechts auf den Parkplatz gegenüber vom „Fohlenhof“ (Klostergebäude). Bahn/Bus: München bis Bhf. Weilheim; Bus 9651 bis Rottenbuch/Klosterhof.

TOUR – Gehzeit ca. 2 Stunden, insgesamt 7 Kilometer. Verlauf: Vom Parkplatz am „Fohlenhof“ nach links (Südwesten) auf den Gehweg zum schon sichtbaren Leonhardi-Brunnen. Am Brunnen vorbei über eine Brücke. Kurz danach überquert man die B 23 und wandert die Straße „Weihanger“ bergauf, bis sie in die „Augustinerstr./Solderstr.“ verläuft. Vor Haus Nr. „36“ rechts (Ww. Pestfriedhof). Ein Weg führt durch ein Wäldchen und nach einer Wiese wieder in die „Solderstraße“. Hier rechts aus dem Ort hinaus. An einem Schilderbaum mit Bank links über Feldweg in ein Tal (Ww. Pestfriedhof). Über den Talbach hinweg bergan. Auf Hauptweg bleiben, rechts haltend erreicht man Wiesengelände. Ein Feldweg führt nach ca. 500 m an T-Kreuzung. Rechts und auf Teerstraße „Kreit“ nach 200 m an eine weitere T-Kreuzung mit Schilderbaum und Bankerl. Man folgt dem „Filzbauernweg“ rechts (Ww. Pestfriedhof), stößt nach 1 km auf eine Landstraße. Diese überqueren, geradeauszum Pestfriedhof. Danach 500 m bergab an eine Abzweig im Wald.

Hier rechts (Ww. Rottenbuch) vorbei an Schrebergärten abwärts. Nach einem Bach kommt man an eine gepflasterte Straße. Links (Rochustal) bis vor B 23-Unterführung. (Abstecher zum Rochus-Bildstock: Rechts, parallel der B 23 aufwärts, dann rechts über Wiese). Nach der Unterführung rechts auf Straße „Moos“ durch Ortsteil Moos. Nun entweder auf beschilderten Weg (Ww. Rottenbuch) zurück zum Ausgangspunkt. Oder über Hochuferweg: Am Ende Ortsteil Moos bis zum unbeschilderten Linksabzweig (graue Pumpenkästen). Hier abzweigen bis zum nächsten Rechtsabzweig (100 m) bei Apfelbäumen. Rechts über Wiesen. Nach einem Stadel an eine T-Kreuzung (gegenüber Pferdekoppel). Beim Stadel links bis zu einem beschilderten Abzweig am Ende der Koppel (100 m). Jetzt rechts längs der Pferdekoppel zum Hochuferweg. Auf diesem Fußweg am Waldrand entlang, später hinab vorbei an Fischweihern. Am Schluss aufwärts durch Torbogen in den Klosterhof. Zum Parkplatz geradeaus durch das Tor.

TIPPS – Leonhardiritt Rottenbuch, So 9.11.; ab 9 Uhr; Gottesdienst: Fohlenmarktplatz, 10 Uhr; Kloster-Rundweg: Auf 18 Tafeln wird die Klosteranlage erläutert. Plan und Flyer (PDF) bei Tourist-Info Rottenbuch, Klosterhof 42. Telefon: 0 88 67 / 91 10 18; www.rottenbuch.de

KARTE – Kompass-Karte 179, Pfaffenwinkel.

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