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Birgit Lutz weiß, wie sie sich vor Kälte schützen kann.

Sie war 15 Mal am Nordpol

Die 10 besten Kältetipps von Expeditionsleiterin Birgit Lutz

Expeditionsleiterin Birgit Lutz, die am Schlier see zu Hause ist, hat über 40 Reisen und Expeditionen in die kältesten Regionen der Erde, Arktis und Antarktis unternommen.

Als einzige Deutsche hat sie 15 Mal den Nordpol erreicht . Wie Birgit Lutz selbst sagt, verträgt sie eisige Kälte besser als tropische Hitze. Unsere Outdoor-Autorin Johanna Stöckl hat die Abenteurerin nach zehn Tipps gegen die Kälte gefragt.

1. Zwiebelprinzip

Nicht nur auf Expeditionen, auch im Alltag von Birgit Lutz bewähren sich mehrere Lagen an Kleidung übereinander getragen, weil sich zwischen den Schichten isolierende, warme Luft sammeln kann. Während Lutz in Bewegung ist, verstaut sie nicht benötigte obere Schichten im Rucksack.

2. Merinowolle

Birgit Lutz schwört auf Merinowolle. Warum? Sie behält ihre Isolierfähigkeit, selbst wenn man in der Bewegung einmal schwitzt. Was Lutz besonders schätzt: Merinowolle trägt sich nicht nur gut, sondern trocknet sehr schnell auf der Haut und riecht nicht.

3. Spezialschuhe

Auf Abenteuern im Eis trägt Lutz spezielle Expeditionsstiefel, mit zweilagigen Innenschuhen aus Filz und einem weichen, wasserabweisenden Außenschuh. Für lange Winterspaziergänge empfiehlt Birgit wasserabweisende Muck-Boots, eine Art Gummistiefel aus Naturkautschuk mit toller Isolierung und gutem Profil. Bei mehreren Paar Socken übereinander rät Lutz, auf genügend Platz im Schuh zu achten: Enge Schuhe führen zu Druckstellen und daher leicht zu Erfrierungen.

4. Handschuhe

Am Nordpol trug Lutz im Extremfall ganze vier Paar Handschuhe übereinander. Sehr dünne Fingerhandschuhe aus Merinowolle, sogenannte Glove Liners, darüber drei Fäustlinge: zwei Paar (von Muttern) selbst gestrickte, gefilzte Wollhandschuhe und als Außenschicht winddichte Sturmhandschuhe. Dünne Fingerhandschuhe als erste Schicht bewähren sich, wenn man z.B. mal ein Foto machen möchte und die dicken Handschuhe darüber ausziehen muss.

5. Künstliche Wärme

Birgit Lutz hält wenig von künstlichen Wärmequellen in Schuhen. Sie begreift den menschlichen Körper als natürliche „Maschine“, der sich aus eigener Kraft durch Bewegung (mehr Durchblutung) warm halten kann. Wer sich auf selbst heizende Sohlen, Knick-Handwärmer etc. verlässt, wird, wenn überhaupt, nur kurzfristig glücklich damit. Umgekehrt: Lutz trainiert in keiner Kältekammer, sondern bereitet sich in natürlicher Umgebung auf eiskalte Abenteuer vor.

6. Abhärtung

Männer haben im Gegensatz zu Frauen in der Regel mehr Muskelmasse. Diese sind eine Art natürliches Heizkraftwerk, während Fett zwar gut isoliert, aber keine Energie produziert. Wer sich regelmäßig der Kälte stellt, sich trotz Minusgraden draußen bewegt, härtet seinen Körper langfristig ab. Winterspaziergänge fördern den gesamten Organismus. Wer im Winter bereits im Büro friert, muss öfter draußen aktiv sein!

7. Ernährung

Alkohol wärmt keineswegs von innen, sondern bewirkt das Gegenteil. Er weitet die Gefäße. Über die Haut geht anschließend wertvolle Wärme verloren. Daher rät Lutz zu Ingwer- statt Jagertee. Scharfes, kohlehydratreiches, hochkalorisches Essen tut dem Organismus im Winter gut. Vorausgesetzt: Man bewegt sich eifrig draußen. Auf langen Expeditionen in der Kälte schwört Birgit Lutz auf gewürfelten Speck.

8. Schwimmen stärkt

Da Wasser ein Wärmeleiter ist, kühlen wir darin schneller aus. Als Reaktion verstärkt der menschliche Körper das Unterhautfettgewebe, was als natürliche Isolation gegen Kälte dient. Birgit Lutz ging vor ihren Expeditionen daher nicht nur regelmäßig zum Laufen, sondern schwamm mehrmals die Woche lange Strecken.

9. Sauna und Bäder

Regelmäßig angewendet, helfen Saunagänge und Wechselbäder gegen die Kälte, da über diese Maßnahmen der Organismus dauerhaft abgehärtet wird. Birgit Lutz geht gerne nach dem Sport in die Sauna. Auch im Winter springt sie anschließend in den Schliersee. Ihr Körper dankt es ihr: An Erkältungen leidet Lutz nur äußerst selten.

10. Mentales

Frieren ist laut Lutz zum Teil eine Kopfsache. Geht man von vornherein mit Bedenken in die Kälte, wird man schneller frieren, als wenn man sich positiv auf die niedrigen Temperaturen einstellt. Ist man entsprechend gut angezogen, kann das Spiel mit der Kälte durchaus Spaß machen. Birgit Lutz fokussiert sich dann auf die schönen Nebenerscheinungen der Kälte: das besondere Licht, die glitzernden Eiskristalle, das Knirschen des Schnees etc.

von Johanna Stöckl

Literatur

Birgit Lutz leitet während der Sommermonate Expeditionen und Schiffsreisen in polare Regionen und hält Vorträge. Auf der Webseite der 42-jährigen Abenteurerin erfährt man viel über die Faszination der Arktis, liest im Blog über News und Umweltengagements. Darüber hinaus kann man signierte Bücher der Erfolgsautorin bestellen oder Lutz für Firmenvorträge buchen.

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