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Traumhafte Aussichten: Der Blick von der Bichlbacher Alm auf die Lechtaler Alpen und die Pleisspitze.

Wanderung zur Bichlbacher Alm

Zwischen Feuer und Eis

Blumenwiesen, Wildbäche, Panoramablicke und eine gemütliche Hütte zum Einkehren – eine Wanderung zur Bichlbacher Alm bietet Bergfreunden alles, was das Herz begehrt.

An guten Tagen versorgt einen die südseitige Lage außerdem mit reichlich Sonne. Los geht’s in Lähn. Das Dörfchen liegt im eng eingeschnittenen Tal zwischen Ehrwald und Reutte. Von Lähn blickt man auf einen kilometerlangen Kamm aus über 2000 Meter hohen Grasbergen. Er trägt schöne Gipfel wie den breitschultrigen Blattberg. Dem Dorf wurden die hohen Grasflanken allerdings schon mehrfach zum Verhängnis. So zerstörte anno 1456 eine gewaltige „Staublähn“ (Staublawine) zahlreiche Häuser. Für den Wanderer heute sind die sonnigen Hänge ein dankbares Ziel – zumal auf halber Höhe die Bichlbacher Alm wartet.

Der schöne Weg hinauf schlängelt sich erst durch blumenreiche Wiesen, dann durch wenige waldige Abschnitte. Kleine Jagdhütten verstecken sich hinter den Bäumen und Lichtungen. Nach Süden wird der Blick frei auf die nördlichsten Eckposten der Lechtaler Alpen. Vor allem die elegante Pleisspitze hat man im Visier.

Im unwegsamen Rigetal unter den Nordflanken des Berges stürzt ein schöner Wasserfall herab – große Lawinenreste sorgen noch im Juni für Nachschub. Nach einem strammen Aufstieg trifft man auf das Almsträßchen. Auf ihm geht es ein kurzes Stück ostwärts, dann ist

Die berühmten Bergfeuer werden heuer am 22. Juni entzündet. 

die Alm erreicht. Der stabile Holzbau mit der großen Terrasse steht erst seit den 1990er-Jahren. Mehrere Vorgängerbauten wurden zerstört – neben Bränden waren vor allem Lawinen verantwortlich. Familie Schretter aus Ehrwald bewirtschaftet die Alm seit 16 Jahren. Zu ihren Spezialitäten gehören selbstgemachte Hauswurst und Speckknödel. Freunde großer Panoramen können sich an einer breiten Gipfelschau laben: Hinter der Pleisspitze verläuft der lange Felsgrat von Grubigstein und Gartnerwand. Rechts ragt der Rote Stein hervor. Weiter links baut sich der Westteil der Mieminger Kette auf: Vom Hochwannig und den Handschuhspitzen bis zum Wamperten Schrofen und zur Sonnenspitze. Mit ein wenig Trittsicherheit lohnt sich anschließend der spannende Abstieg über die „Rote Riepe“. Der Steig führt zunächst als schmaler Pfad durch freie Wiesen. Auf die Farbkleckse auf den verstreuten Steinen und Felsblöcken heißt es hier achten.

Die „Rote Riepe“ macht ihrem Namen dann alle Ehre – Muren und Lawinen haben rötlichen Kies und Sand aus den Tiefen der Berge freigelegt. Später taucht der Steig in den Graben des Dristelbachs ein. Ein wenig verfolgt er den schäumenden Wildbach, ehe er in den Wald führt. Recht direkt und zügig geht es so bergab, bis man plötzlich vor den Gleisen der Außerfernbahn steht. Ein Stück weit geht es nun über den Panoramaweg nach Westen, dann ist der Ausgangspunkt wieder erreicht.

Wer übrigens die Wanderung am 22. Juni (Alternativtermin bei schlechtem Wetter: 29.6.) macht, sollte sich bis in den Abend Zeit lassen. Dann lassen sich auf der Rückfahrt im Ehrwalder Talkessel ab halb zehn Uhr unzählige Bergfeuer beobachten. Zahlreiche Vereine und rund 400 Helfer installieren die wie christliche Symbole geformten Bergfeuer unterhalb vieler Gipfel. Rund 8.000 einzelne Feuerstellen bilden dann vom Tal aus gesehen Kreuze, Gamsköpfe oder Blumen. Vor drei Jahren wurden die Bergfeuer rund um Ehrwald und Lermoos gar als immaterielles Unesco-Kulturerbe ausgezeichnet.

Von Christian Rauch

BICHLBACHER ALM (1591 METER)

ANFAHRT – Autobahn A 95 und B 2 bis Garmisch-Partenkirchen und Richtung Reutte über Lermoos nach Lähn. Einige Parkplätze am Bahnhof. Parkmöglichkeit evtl. am Gasthof Krone im Ort (bitte den Wirt fragen). Bahn: Von München aus mit dem Zug nach Garmisch-P., Richtung Reutte umsteigen. Die Tour startet an der Bedarfshaltestelle Lähn (dem Lokführer Bescheid geben!).

TOUR – Gehzeit: 3-3,5 Stunden, ca. 500 Meter Höhenunterschied. Gute Bergwege und Steige. Abstieg über die „Rote Riepe“ etwas steiler, bei Nässe rutschig. Verlauf: Vom Bahnhof Lähn zur Dorfstraße, kurz rechts (ortsauswärts) und bei den Wanderschildern rechts über die Gleise. Bei einem großen Holzschild „Bichlbacher Alm“ links und bei der nächsten beschilderten Verzweigung rechts halten (Schild „Bichlbacher Alm/Alpenrosensteig“).

Aus der Forststraße wird ein Steig, der bei weiteren Wanderschildern rechts aufwärts führt (nicht links Richtung Alpenrosensteig weiter). Nach längerem Aufstieg oben an der Almstraße rechts. Etwas abwärts, dann links über eine letzte Serpentine hinauf zur Bichlbacher Alm. Abstieg über die „Rote Riepe“: Über die oberste Serpentine abwärts und an der Verzweigung links halten (Schild „Lermoos/Lähn“). Bald von der Forststraße rechts ab auf kleinen Steig durch Wiesen (rot-weiß markiert an Felsen und kleinen Holzpfosten). Später geht es links über den Bach, dann erst in Bachnähe, später im Wald abwärts. Im Tal an einer Forststraße kurz links, dann noch mal rechts auf Steig hinab (Schild „Lähn/Bichlbach“). Unten rechts durch die Bahnunterführung und den Schildern „Panoramaweg Lähn/Bichlbach“ folgend zurück nach Lähn.

TIPP – Für konditionsstarke Wanderer warten oberhalb der Alm ausgewachsene Gipfelziele wie der Blattberg (auch Plattberg oder Hochschrutte genannt). Mit ca. 3 Std. zusätzlicher Gehzeit kann man den Blattberg, oben an der Almstraße links, „mitnehmen“ (markiert, am Gipfel ausgesetzt mit leichten Kletterpassagen).

INFORMATIONEN – 1. Bichlbacher Alm, bis auf Montag täglich geöffnet. Tel.: 0043/ 664 / 79 94 493. 2. Bergfeuer Ehrwald am 22. Juni ab ca. 21.30 Uhr, Ausweichtermin bei schlechtem Wetter am 29. Juni. Guter Beobachtungsplatz am Hallenbad. Info: www.bergfeuer.at

KARTE – Kompass-Karte 4, Füssen, Außerfern.

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