Ostbahnhof für alle S-Bahnen gesperrt – U-Bahnen sind überfüllt

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Gutgelaunt durch München wandern: Johanna Stöckl erkundet die Biergärten und legt dabei mehr als 23 Kilometer zurück.

2663 Kalorien in knapp sechs Stunden

Selbstversuch: Biergartenwandern in München

München - Das Wandern ist des Münchners Lust! Unsere Reporterin Johanna Stöckl ist von Biergarten zu Biergarten spaziert. Das ist ihr Erlebnisbericht.

Johannes Stöckls Wanderweg.

Wandern mitten in der Stadt? Abseits von Asphalt über Wiesen streifen und auf schönen Pfaden laufen? In München ist das vielerorts möglich. Minimale Routenplanung vorausgesetzt, kann aus dem Vorhaben sogar eine veritable Wander-Challenge werden. Während man an den Münchner Hausbergen häufig überfüllte Hütten ansteuert, hat sich unsere Autorin Johanna Stöckl während der Wiesnzeit auf eine beschauliche Biergartenwanderung begeben.

Biergartenwanderung: Los geht's am Wiener Platz

Immer der Isar nach.

Herrlich stau- und stressfrei: Ich muss nicht auf die Autobahn Richtung Alpen, sondern nur mit der U-Bahn zum Max-Weber-Platz fahren, wo meine Biergartenwanderung beginnt. Der Wiener Platz ist ein idealer Startpunkt. Hier befindet sich nicht nur der kleinste Markt Münchens, sondern auch einer der größten Biergärten der Stadt, der Hofbräukeller. Gerade in den Vormittagsstunden ist die Atmosphäre fast ländlich. Vorbei am putzigen Haidhauser Biergartl geht’s über die Sckellstraße Richtung Maximilianeum, im Anschluss dem idyllischen Auer Mühlbach folgend durch die Maximiliananlagen an der Isar bis zur Luitpoldbrücke. Ich möchte auf meinem Weg in den Englischen Garten die Eisbachsurfer mitnehmen und laufe daher die Prinzregentenstraße entlang. Übrigens mein einziger Kontakt zu asphaltiertem Boden auf meiner Tageswanderung! Touristen drängeln sich auf der Brücke am Haus der Kunst, während ich mich Richtung Fräulein Grüneis, dem süßen Bio-Kiosk am Eisbach, für einige Stunden vom Straßenlärm verabschiede.

Biergarten am Chinesischen Turm: Der Klassiker

Vorbei am Monopteros ist mein nächstes Ziel ein München-Klassiker, der Biergarten am Chinesischen Turm. Im südlichen Teil des Englischen Gartens wimmelt es von Radfahrern, Yogafans, Fußballern und Slacklinern. Ein paar Hartgesottene wagen sich sogar noch in den Eisbach. Splitterfasernackt! Ach München, du bist so lebensfroh und sportlich!

Am Wienerplatz.

Den Kleinhesseloher See steuere ich im Stechschritt an. Schließlich weiß ich, welche Strecke noch vor mir liegt. Am Seehaus angekommen bewegt mich eine Stimme aus meiner Hosentasche allerdings dann doch zu einer Einkehr: "Sie haben bereits 400 Kalorien verbraucht!" Um mein Vorhaben zu dokumentieren, habe ich die App Runtastic auf mein Mobiltelefon geladen. Sie zeichnet meine Strecke auf und liefert diverse Informationen zu meiner Sporteinheit. Die Applikation überzeugt mich: Zeit für eine Weißwurscht! Im Anschluss hake ich Etappenziel Nummer sechs ab: Den Hirschau-Biergarten. Daneben liegt mein Lieblingstennisplatz in München. Auf der dazugehörigen Beachvolleyballanlage vergnügen sich ein paar Burschen, während ich an der Kleingartensiedlung entlang Richtung Wehr laufe und dabei einen weiteren Biergarten, das Mini-Hofbräuhaus erreiche.

Herrliche Landschaft.

Wie auf einer Bergtour: Wer offen dafür ist, lernt auch beim Stadtwandern Menschen kennen. Am Oberföhringer Wehr bitte ich zwei Radfahrer darum, ein Foto von mir zu machen. Wir kommen ins Plaudern. Matthew und Fiona aus den USA verbringen gerade ihren Urlaub in München. Meine Biergartenwanderung findet Matthew einen "great job" und inspirierend. Morgen will er samt Gattin Gleiches tun. "What a nice idea!" Ab dem Wehr wandere ich für die kommenden zwei Stunden phasenweise ganz alleine. An der Isar oder am Kanal entlang, unter riesigen Eichen hindurch, an zauberhaften Tümpeln vorbei… In der Stille vergesse ich, dass ich in München bin.

Biergarten Nummer acht sehne ich herbei. Die müden Füße brauchen eine Pause. In der Sankt Emmeramsmühle gönne ich mir Kaffee und Kuchen, ehe ich wieder in den nördlichen Teil des Englischen Gartens eintauche und den Aumeister erreiche. Am Schwabinger Bach entlang geht’s retour. Fernziel: Innenstadt. Etwas südlich stoße ich auf die 400 Schafe, die im Sommer als natürliche Rasenmäher blökend durch den Englischen Garten ziehen. Wie auf der Alm, nur mitten in der City!

Verdiente Pause.

Über das Seehaus, das sich im Licht der späten Sonne wunderschön im Kleinhesseloher See spiegelt, schlendere ich weiter zur Adresse Nummer zehn, dem Bio-Biergarten Milchhäusl, wo man mir ohne Konsumation erlaubt, mein Handy aufzuladen. Den Feierabendtrubel und die Nähe zum Stadtzentrum empfinde ich kurz vor Schluss als wohltuend. Meine Beine sind schwer. Die letzte Etappe steht an: Über das Japanische Teehaus und die Staatskanzlei geht’s in den Hofgarten. Bei einem Espresso heißt es im Tambosi Biergarten: Beine hoch! Amtliche 23,44 Kilometer legte ich inklusive Pausen und Fotostopps in 5:41 Stunden zurück. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 14 Minuten pro Kilometer soll ich laut FitnessApp dabei 2663 Kalorien verbrannt haben, was ich kaum glauben kann. Was ich sicher weiß: Dieser Tag war ein Geschenk: Ich war mitten in der Stadt und dabei gaaaaanz weit fort.

von Johanna Stöckl

Stille Wiesn-Hits in München

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