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Schwerelos: Mit seinem Mountainbike präsentiert der 15-jährige Andreas Grünfelder aus Wang einen astreinen „Table-Top“ – ein Sprung, bei dem das Vorderrad möglichst weit in die Luft gezogen wird. Während der Ferien haben die jungen Biker viel Zeit, an ihren Tricks zu feilen.

Bike-Park: Die fliegenden Radler von Wang

Wang - Von einem eigenen Bike-Park direkt vor der Haustüre träumen viele Jugendliche. In Wang haben es ehrgeizige Fahrradjünger nun geschafft, ihren Bürgermeister mit dem „Radl-Virus“ zu infizieren.

Wundersame Erdbuckel ragen seit diesem Frühjahr aus dem Boden einer Wiese an der Wanger Schloßbreiten. Auf der vor kurzem noch brachliegenden Wiese jagen jetzt regelmäßig junge Burschen auf ihren geländegängigen Fahrrädern umher. Ihre Sprünge und Stunts tragen Szenenamen wie „Cross Up“, „Whip“ oder „One-Eighty“, und bei den Hügeln sprechen die Biker lieber von „Tables“ und „Doubles“.

Tim Röber ist einer von ihnen. Während einer kurzen Verschnaufpause - es ist ein durchaus schweißtreibender Sport - nimmt sich der 15-Jährige die Zeit, um zu erzählen, wie es seine Freunde und er von der Idee zur Verwirklichung der eigenen Anlage geschafft haben: „Um auf einem Bike-Park zu fahren, mussten wir früher nach Moosburg oder Freising. Irgendwann reifte in uns dann der Wunsch nach einer eigenen Bahn in Wang. Weil wir wussten, dass andere Jugendliche mit ähnlichen Plänen im Ort bereits gescheitert waren, haben wir uns zusammengesetzt und alles gründlich geplant.“

Erste Anfragen bei örtlichen Landwirten scheiterten, niemand wollte eine Wiese zum Umgraben freigeben. Doch die Buben ließen sich nicht entmutigen, besorgten sich stattdessen die E-Mail-Adresse ihres Bürgermeisters. Dann ging alles ganz schnell: „Nach wenigen Tagen stand der Kontakt zu Herrn Eichinger, er zeigte gleich großes Interesse für unsere Ideen und hat uns um ein Konzept gebeten.“ Überrascht von solch unbürokratischer Resonanz machten sich die Schüler umgehend an die Arbeit, zeichneten Pläne und bekundeten schnell ihr Interesse für die Wiese nahe des Kindergartens.

„Das Gelände stand zur Verfügung, also warum sollten wir es dann nicht sinnvoll nutzen?“ meint Hans Eichinger. Die Bemühungen der Jugendlichen beeindruckten den Wanger Bürgermeister. Zusammen fuhr er mit ihnen auf Exkursion zu benachbarten Parcours in Moosburg und Freising: „Ich habe mir das dann mal vorradeln lassen.“ Was Eichinger zu sehen bekam, gefiel ihm. Also machte er sich im Gemeinderat stark für das Projekt: „Wir haben uns auf einen Finanzrahmen zwischen 3000 und 5000 Euro geeinigt. Den werden wir aber nicht ausschöpfen.“ Denn die Erdarbeiten gestalteten sich „äußerst ökonomisch“, wie es Eichinger zufrieden beschreibt. Zeitgleich waren in der Gemeinde nämlich die Aushubarbeiten für die neue Glasfaserkabel-Versorgung im Gange. „Die jungfräuliche Erde musste also nur noch an die Schloßbreiten gefahren werden.“

Als die Tieflader samt Bagger anrollten, wurde auch den Wanger Bikern klar: Jetzt wird’s ernst! Unter der gemeinsamen Regie von Jugendlichen und Bauhofmitarbeitern entstanden bis jetzt zwei Bahnen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Täglich wird nun die Sprungtechnik trainiert, an neuen Tricks gefeilt und sich gegenseitig mit waghalsigen Luftmanövern überboten, bei denen einem allein beim Zuschauen schon mal schwindlig werden kann. „Sieht wesentlich gefährlicher aus, als es ist“, meint der überzeugte Hans Eichinger, für den die Sicherheit oberste Priorität hat. Ihn freut, Wangs Jugend wieder für den Sport begeistern zu können. Von einigen Eltern habe es bereits euphorisches Feedback gegeben. „Mich hat da ein wenig meine eigene Kindheit eingeholt. Trotzdem habe ich mich nicht auf die Schnelle auf alles eingelassen. Das ist schon gründlich durchdacht.“

Tim Röber und seine Zweirad-Freunde basteln unterdessen bereits an der nächsten Hürde: „Wir bauen eine Steilwand, eine sogenannte „Wallride“. Das benötigte Holz haben die Buben auch schon gefunden, wie Hans Eichinger auf Nachfrage bestätigt: „In meinem Garten liegen noch ein paar Eschen, die lass ich jetzt für die Biker auseinandersägen.“

von Armin Forster

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