Wunderbare Weitblicke: Im Naturschutzgebiet Loisach-Kochelsee-Moore lassen sich auch seltene Vogelarten beobachten.

Ein blaues Wunder: Frühlingstour zwischen Loisach und Kochelsee

Ein Bauernhaus, ein Floßruder, eine Heugabel und ein Steinbruchhammer – alles in Gold. Dazwischen schwimmt im Himmelblau ein silberner Wellenbalken. Das Wappen der Gemeinde Großweil, unweit vom Kochelsee gelegen, spricht Bände...

Doch schön der Reihe nach!

Schon bei der Ankunft in Großweil streift der Blick einen mit Steinen gefüllten Karren vor einem weißen Mauerbogen. Die Inschrift mit den Jahreszahlen 1796 – 1962 und die zwei gekreuzten Hämmer zeugen vom Schieferkohle- Bergbau in Großweil. Eine über 6 Kilometer lange Materialseilbahn verlief einst von der Grube am Nordrand des Ortes bis hinüber zur Verladestation Bahnhof-Kochel. Der Mauerbogen war Bestandteil einer Schutzbrücke und sollte Passanten vor herabfallenden Kohlebrocken aus der Seilbahn bewahren.

Krimi um Altarbild

Reich gesegnet mit Bodenschätzen profitieren die Einheimischen jahrhundertelang auch von einem Marmorsteinbruch. Viele bedeutende Kirchen wie die Klosterkirchen Benediktbeuern und Schlehdorf oder Kirchen in Polling und Peißenberg sind mit edlem Großweiler Marmor ausgeschmückt. Heute weist nur ein bescheidenes Feldkreuz an der Straße zwischen Großweil und Unterau auf den einstigen Platz des Marmorabbaus hin. Im Ortskern birgt die „alte“ St.-Georgs-Kirche einige Kostbarkeiten:

Eine wertvolle Chorschranke, deren Motive das ewige Leben versinnbildlichen, stammt aus den Jahren um 780. Ein gotisches Fresko datiert aus dem 13./14. Jahrhundert. Stoff für eine Kriminalkomödie liefert jedoch das Altarbild mit dem Drachen bezwingenden Kirchenpatron. Auf mysteriöse Weise wird das Gemälde vor etwa 30 Jahren gestohlen. 1993 taucht es während einer Versteigerung wieder auf und wird rein zufällig als das gestohlene Altarbild identifiziert. Den Dieb kann man zwar dingfest machen, aufgrund der gesetzlichen Verjährungsfristen wird er allerdings freigesprochen. Die Kirche schmücken jetzt gleich zwei Bilder: das neuere Gemälde über dem Altar und das Original-Altarbild von 1841 im Seitengang.

1000 Jahre alte Kulturlandschaft

Hinter der Loisachbrücke beginnt die Wanderung und just dort stolpert man über ein Floß und einen in Stein gemeißelten Flößer. Dieses Denkmal erinnert an die Loisach-Flößerei, früher ein gewinnbringendes Gewerbe in Großweil. Somit begründet sich auch das Floßruder und für die Loisach der silberne Wellenbalken im Wappen der Großweiler. Die Tour führt auf guten Wegen ins Naturschutzgebiet Loisach-Kochelsee-Moore. Seit mehr als 1000 Jahren werden die Streuwiesen landwirtschaftlich genutzt. Die Heugabel im Gemeinde-Wappen ist also eine Anspielung auf die hiesige Landwirtschaft. Unzählige Heuschober, verstreut auf den weiten anmutigen Moorwiesen, bilden einen wunderschönen Anblick.

Auf der gemächlichen Runde nähert man sich dem Loisachdamm und gelangt über ein Brückerl in den verträumten Ort Unterau. In einiger Entfernung erkennt man an sonnigen Hängen die Höfe des Freilichtmuseums Glentleiten. Hier spiegelt sich das goldene Bauernhaus im Gemeindewappen, dem noch eine weitere Bedeutung innewohnt. Das Bauernhaus bezieht sich auf die Endung „weil“ im Ortsnamen Großweil und stammt vom lateinischen Wort „villa“, also Landhaus. Selbsterklärend ist die Wappengrundfarbe Blau: man braucht nur den Kopf zu neigen und sieht die Silhouette der Berge, die verschwommenen Umrisse vom Kochelsee und den Himmel – nie war Blau schöner!

DORIS NEUMAYR

RUNDWANDERUNG GROSSWEIL

ANFAHRT – A 95 München – GAP, Ausfahrt Kochel/ Murnau. Auf St. 2062 Richtung Großweil. Dort links, Richtung Kleinweil „Kleinweiler Straße“. Über die Loisachbrücke und links auf den Wanderparkplatz (Ortsteil Kleinweil).

TOUR – Asphaltierte Wege und Nebensträßchen, Insges. 6,2 km, Gehzeit ca. 2 Std. Verlauf: Vom Parkplatz Straße überqueren. Auf Teersträßchen oder Dammweg entlang der Loisach (Schild: Moosstraße, Klärwerk). An Gabelung links Teersträßchen folgen. An einem Parkplatz rechts (für öffentl. Verkehr gesperrt). Über Wiesen (Schild: Eichsee-Unterau- Schlehdorf). An Kreuzung mit Stadel (darauf Schild „Unterau-Schlehdorf“) rechts. Oder: Abstecher Eichsee. Richtung Unterau. Am Loisachdamm über Brücke nach Unterau, dort Schildern Großweil folgen. Über Wiesen bis kurz vor die Hauptstraße, St. 2062. Rechts über „Mühlstraße“ zurück zum Parkplatz. Variante: Bei trockenen Wegen vom Ausgangsort über Loisach-Dammweg nach Unterau.

TIPPS –„Alte“ St. Georgskirche, Großweil. Mai bis Sept. dienstags 19 Uhr Messe. Besichtigungen: Kirchenschlüssel im Lebensmittelladen gegenüber erfragen. Freilichtmuseum Glentleiten, 19. März bis 11. Nov geöffnet. Tel.: 0 88 51 / 18 50; www.glentleiten.de Franz-Marc-Museum, Kochel am See. Tel.: 0 88 51/ 92 48 80; www.franz-marc-museum.de

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