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Die Berge so nah. Beim Aufstieg zur Brunnensteinspitze hat der Wanderer einen tollen Blick.

Blick ins Karwendelherz

Die Brunnensteinspitze gehört angeblich zu den Lieblingsbergen von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther. Für die ehemaligen Skistars ist der Gipfel so etwas wie ein Hausberg, denn er befindet sich nicht weit von Garmisch-Partenkirchen entfernt.

Doch dürfte es nicht nur die Nähe zum Wohnort sein, der diesen Gipfel für die Skilegenden so attraktiv macht, denn die Tour bietet für jeden ausdauernden Bergwanderer höchste Freuden: wunderbare Ausblicke, hübscher Bergwald, ein wild anmutendes Kar und nicht zuletzt eine urige Einkehr.

Nach kurzer Rast den Gipfel erklimmen

BRUNNENSTEINSPITZE : Ausschnitt aus Kompass-Wanderkarte 07, Werdenfelser Land mit Zugspitze; Lizenz-Nr. 17-0906-LVB.

Die Karwendel-Naturschutzgebiete auf Österreichischer und Bayerischer Seite bilden zusammen eines der größten Reservate der Ostalpen. Viele der Karwendelgipfel sind daher recht unzugänglich, oft geht es zuerst durch kilometerlange Täler bis man endlich mit dem eigentlichen Aufstieg beginnen kann. Ganz anders bei der Brunnensteinspitze, die direkt über dem Isartal zwischen den Orten Mittenwald und Scharnitz liegt. Ohne langen Zustieg und vor allem ohne langweilige Forststraßenmonotonie geht es vom Tal weg ausschließlich über kleine Wanderwege an der Brunnensteinhütte vorbei zum Gipfel. Bis zur Hütte bewundert man die herrliche Vegetation im schattenspendenden Mischwald. Dennoch kostet der Anstieg ein paar Schweißtropfen, bietet aber dafür mit der 51 Meter langen Hängebrücke über die Sulzleklamm schon eine erste Attraktion. Im weiteren Verlauf findet man dann wieder das Glück in der Beobachtung des Einfachen, das bei genauer Betrachtung zum Ungewöhnlichen, ja gar zum kleinen Wunder der Natur wird. Die leuchtend gelbe Blume, die herrliche alte Buche oder die knorrige Wetterfichte, das schräg durchs Laub einfallende Licht, die Spinnwebe an einem Ast – man muss sich nur Zeit nehmen und in aller Ruhe hinschauen, dann sieht man die Seele dieser Dinge und kann selbst dabei richtig auftanken.

Brunnensteinspitze - fantastischer Rundblick

Physische Bedürfnisse werden dann an der Brunnensteinhütte befriedigt. Die urige Hütte und ihre Terrasse mit Wetterstein-Blick laden zu einer Rast ein, ehe man den Gipfel in Angriff nimmt. Verständlich, dass es Ungeviele Wanderer bei der Hütte als Ziel belassen. Trotzdem, der Weiterweg zur Brunnensteinspitze lohnt durchaus.

Der Wald bleibt jetzt zurück und das Krummholz begleitet einen bei der nächsten Etappe. Sie führt in das vegetationsarme Kar, das es nun etwas mühsam auf schmalen, kleinsplittrigen Bändern zu überwinden gilt. Auch wenn es hier an einem brüchigen Eck ein Drahtseil zum Festhalten gibt, schwierig oder gar gefährlich ist auch diese Passage nicht, höchstens ein wenig anstrengend in der Hitze. Am breiten, flachen Sattel unter der Rotwandlspitze weitet sich das Gelände und man hat freien blickt ins Herz des Karwendels hinein.

Die Rotwandlspitze lässt sich ganz locker erwandern und ganz nebenbei passiert man mit ihr den höchsten Punkt der Tour, auch wenn dieser Gipfel nicht mit einem Kreuz geschmückt ist. So zieht es einen doch noch hinüber zur Brunnensteinspitze und man rastet lieber dort mit einem fantastischen Rundblick. Auch die Aussicht hinunter ins Isartal ist faszinierend, geht es doch ziemlich direkt in die Tiefe.

Beim Abstieg wird man wohl noch einmal Rast bei der Brunnensteinhütte einlegen. Zu verführerisch duften hier Rehbratwürste und Kaspressknödel oder der Kaiserschmarrn. Und ein Erfrischungsgetränk hat man sich nach dieser nicht gerade kurzen Bergtour wirklich mehr als verdient. „Die wenigsten schaffen es bei uns einfach vorbeizugehen“, schmunzelt Hüttenwirt Hans-Peter Gallenberger zufrieden. Und es stimmt: man müsste schon ein richtig harter Hund sein, um sich dieses Vergnügen zu versagen...

vom Bernhard Ziegler

BRUNNENSTEINSPITZE (2179 M)

ANFAHRT – A 95 München – GAP. B 2 über Garmisch- Partenkirchen bis Mittenwald. Kurz hinter dem Ort in Richtung Scharnitz findet man einen Parkplatz.

AUSGANGSPUNKT – Vom Parkplatz Mittenwald- Süd muss man etwa 300 Meter an der B 2 entlang zum eigentlichen Ausgangspunkt der Tour gehen. Hier findet man einen Wegweiser bei einem Bahnübergang.

TOUR – Dem Wegweiser Brunnsteinhütte folgend geht es über die Gleise und an den Stadeln vorbei zum Bergfuß. Nun auf schmalem Wanderweg durch den Wald bis man nach ca. 30 Minuten eine Reiße namens Hofleite erreicht. Ein Stück parallel zu ihr nach oben, dann überquert man bei einem Wegweiser entweder gleich die Reiße, oder man wandert noch ein Stück zur Sulzleklamm-Hängebrücke hinauf und überquert auf ihr die kleine Schlucht. Beide Wege führen wieder zusammen. Dann führt der Waldsteig in vielen Kehren hinauf zur Brunnsteinhütte (1,5 bis 2 Stunden).

Dann folgt man dem Schild zur Brunnensteinspitze nach rechts und zielt in die Latschenzone. Durch Latschengassen in vielen Kehren hinauf ins Kar. Hier noch einige Höhenmeter auf dem steilen Steig empor bis in den weiten Sattel unter der Rotwandlspitze. Im Sattel (Wegweiser) nach rechts und über den breiten Hang hinauf zum Rücken. Auf ihm zum Gipfel der Rotwandlspitze (2192 m) und weiter – anfangs leicht absteigend – dem Kamm folgend zur Brunnensteinspitze (2179 m).

SCHWIERIGKEIT – Überwiegend mittelschwere Bergwanderung. Nur der kurze, steile Anstieg durchs sandige Kar ist etwas anspruchsvoller und erfordert ein Minimum an Trittsicherheit.

TOURDATEN – Aufstieg: 3,5 bis 4 Stunden; Abstieg: 2,5 bis 3 Stunden, bei 1300 Hm Höhendifferenz

EINKEHR – Die Brunnsteinhütte (1523 m) der DAV-Sektion Mittenwald ist vom 1. Mai bis 18. Oktober bewirtschaftet. In den Wintermonaten und im Frühjahr ist die Hütte bei schönem Wetter an Wochenende geöffnet. Telefon Hütte: 0 88 23 / 32 69 51.

KARTE – Kompass-Karte 07, Werdenfelser Land mit Zugspitze.

BRUNNENSTEINSPITZE (2179 M) Ausschnitt aus Kompass-Wanderkarte 07, Werdenfelser Land mit Zugspitze; Lizenz-Nr. 17-0906-LVB.

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