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Angeseilt durch Tiefschnee: Bergführer Patrick Jost geht vor.

Alpenüberquerung auf Ski: Das transalp-Tagebuch von Peter Schlickenrieder, 2. Tag

Brenzlige Situation: Kleine Lawine in 2300 Meter Höhe

Gegen sieben Uhr machten wir uns morgens auf den Weg von Pejo nach Sulden. Ich habe schlecht geschlafen und war nervös wegen der heutigen Etappe.

Zunächst ging es von Pejo zu Fuß über die Fahrstraße hinauf auf 2000 Meter. Bis zum Monte Cevedale sollten es ab da nochmals rund zehn Kilometer sein. Das ist viel für einen Gipfelanstieg. Viele Höhenmeter in Hochlagen sind zudem einfach „sauangstrengend“.

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Wir haben heute gut daran getan, uns gegenseitig anzuseilen. Auch waren wir mit Helm, Klettergurt und Eispickel ausgerüstet. Denn hochalpin durch Tiefschnee zu laufen ist nicht ungefährlich.

Eine brenzlige Situation erlebten wir bei 2300 Metern. An einem Steilhang hatte sich eine große Schneewechte (Schneeverwehung) aufgetan. Bergführer Patrick fuhr vor um den Weg zu testen. Doch beim ersten Tritt ging direkt eine kleine Lawine ab. Ich war durchs Filmen abgelenkt und sprang in letzter Sekunde zurück, als ich Patricks Rufe hörte. Mir klopfte das Herz.

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Hannibal Schlickenrieder: Alpenüberquerung auf Ski

Wir überlegten, die Tour an dieser Stelle abzubrechen, entschieden aber letztendlich den Aufstieg einige hundert Meter weiter rechts noch mal zu versuchen. Um die Schneedecke zu entlasten, liefen wir angeseilt im Abstand von 20 Metern. Tatsächlich erreichten wir den Gipfel auf 3769 Metern.

Aber diese Aktion hatte ziemlich an uns gezehrt. Ich hatte zudem zu wenig getrunken und mich zu spät wärmer angezogen und war total unterkühlt. Dann auch noch der Schlafmangel – ich war körperlich am Limit und ausgezehrt. Den anderen ging es wohl ähnlich. Nur Bergführer Patrick war fit. Mit rund 60.000 Höhenmetern auf dem Buckel läuft er in einer anderen Liga.

Ich bin froh, dass wir ihn im Team haben. Nach so viel Anstrengung wurden wir mit traumhafter Aussicht und einer grandiosen Pulverschnee-Abfahrt nach Sulden belohnt. Morgen geht es auf die längste Etappe. Mir graut´s schon.

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