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Eine fantastische Aussicht über den Starnberger See bis zu den Alpen sowie Ruhebänke erwarten den Wanderer hinter der Pfarrkirche St. Johann Baptist bei Holzhausen.

Spritztour

Buckel mit Aussicht

Auf einem buckligen Höhenrücken zwischen Isar und Starnberger See liegen verstreut bäuerlich geprägte Dörfer und stattliche Einödhöfe. Sie sind ein Besuch wert.

Schon in Münsing drängt das Alpenpanorama mit der dominierenden Zugspitze ins Bild. Dieser Anblick dürfte den Römern verwehrt geblieben sein, als sie um 15 v. Chr. das Land besetzten. Denn das Gebiet blieb weitgehend verschont von großen „Römerstraßen“. Und noch heute liegen viele der Dörfer abseits allen Trubels, weil der nahe Starnberger See im Sommer alle Wasserratten und Sonnenanbeter magisch anzieht.

Zwischen Münsing und Holzhausen spannt sich ein weitläufiges Netz an Wanderwegen und ruhigen Sträßchen. Und verdursten muss hier beim „Sporteln“ niemand, denn einige Bauernhöfe bieten für Wanderer und Radler einen kostenlosen Trinkwasserbrunnen. Außerdem liegen eine Handvoll Gasthäuser und ein uriges Bauerncafé direkt an der heutigen Route. Egal ob mit Nordic-Walking-Stöcken oder ohne: los geht’s am Sportplatz in Münsing. Auch wer das neue Radl auf einer vielseitigen Kurzstrecke ausprobieren möchte, findet hier die ideale Testtour. Als erster Blickfang fungiert gleich zu Beginn ein verträumter Teich am Wegesrand. Dann bleiben die frischgrünen Wiesen zurück und es geht über einen schottrigen Forstweg im Wald bergab. Nach einer breiten Lichtung, übersät mit bunten Blümchen, gibt der Wald plötzlich den Blick frei auf den Weiler Staudach und hinter grünen Matten zeigt sich azurblau der Starnberger See. Der Weiterweg leitet im Auf und Ab durch Gehölz und vorbei an Waldwiesen.

Nicht alle Erhebungen und Mugl dieser Gegend sind Überbleibsel der Eiszeit. Es gibt rings um Münsing zahlreiche Grabhügel, die auf eine sehr frühe Besiedelung verweisen. Die meisten der Grabhügel stammen aus der Hallstattzeit, etwa 750 v. Chr. Während man an knospenden Hecken entlangschlendert, erreicht man den Weiler Reichenkam. Ein Asphaltsträßchen bringt einen im bereits gewohnten Auf und Ab nach Holzhausen am Starnberger See. Das Dorf zeigt sich heimelig und bodenständig. Man stößt auf kleine Handwerksbetriebe, wie Töpfer, Schmied oder Schreiner, und über dem Dorf thront auf einem Hügel die fotogene Pfarrkirche St. Johann Baptist. Der kleine Umweg hinauf zur Kirche, die sich zunächst hinter Häusern versteckt, ist lohnend. Hinter der Kirchenmauer wartet ein schöner Rastplatz mit fantastischem Blick auf die Alpenkette und den Starnberger See bis hinüber nach Bernried, wo im Yachthafen weiße Boote schaukeln. In Holzhausen geht’s dann abwärts durch ein stilles Tälchen bis kurz vor Attenkam. Wieder wandert man über aussichtsreiche Hügelwiesen, auf denen einem sonnengelber Löwenzahn entgegenlacht.

Brauchtumspflege ist in ländlichen Gefilden Ehrensache. Und für die „Münsinger“ gehört alle vier Jahre das Ochsenrennen dazu. Ideal geeignet hierfür ist die Naturarena Krummleitn, die man während des Spaziergangs als lange breite Grasmulde wahrnimmt. 2016 ist es wieder soweit! Während die Zugspitze noch einmal winkt, erreicht man viel zu schnell den Parkplatz.

Von Doris Neumayr

Von Münsing nach Holzhausen

ANFAHRT – Auto: A 95 München – Garmisch-P., Ausfahrt Wolfratshausen. Rechts Ausschilderung „Münsing“ St2371 folgen. Auf der „Hauptstraße“ durch den Ort bis kurz vor die Kirche. Hier links Richtung „Holzhausen“ und nach 440 m rechts „Hartlweg“, „Sport- und Freizeitzentrum“. Bis zu den Parkplätzen vor dem Sportplatz. Bahn: S-Bhf. Starnberg oder Wolfratshausen; Regionalbus 961 bzw. 373 bis Münsing (www.fahrplan-bus-bahn.de).

TOUR – Gehzeit ca. 2,5 Stunden, Streckenlänge 8 km, 80 Höhenmeter, breite Wanderwege über Wiesen und durch Wald, ruhige Nebenstraßen, meist ausgeschildert mit grünem Schild „Nordic Walken, Nr. 19“. Verlauf: Vom Sportplatz auf dem Sträßchen „Hartlweg“ nach Westen. Nach den letzten Häusern über Wiesen und an einem Teich vorbei. Dann bergab durch einen Wald. Man bleibt immer auf dem breiten Forstweg und hält sich an einer mehrarmigen Verzweigung rechts. Ein Stück an einem Wiesenrand entlang mit Blick auf den Weiler Staudach und den Starnberger See, dann weiter durch den Wald. An einer T-Kreuzung vor einer Waldwiese links. Über Bauernwiesen nach Reichenkam. Hier kommt man an ein Teersträßchen und hält sich links. Bald ist man in Holzhausen und trifft auf die St 2005, „Keibichlstraße / St.-Heinricher Straße“.

Der Straße folgt man rechts bergauf zum Gasthaus „Altwirt“. Nun nach links und der „Brunnenstraße“ folgen. Bergab vorbei am „Cafe Waldhauser“ (Fr. Sa. So. und Feiertage geöffnet, www.cafe-waldhauser.de) durch ein Tälchen. Vor Attenkam erreicht man auf Wiesengelände eine beschilderte Linksabzweigung („Attenkamer Straße“). Nach einem Einödhof geht’s bergauf durch einige Baumgruppen, dann über Wiesen Richtung Münsing. Man stößt auf die „Degerndorfer Straße“ und hält sich links. Nach dem Ortseingangsschild Münsing links („Hauserweg“) und am Ortsrand entlang, bis man auf die „Holzhausener Straße“ trifft. Man überquert die Straße und wandert auf dem Gehweg, der zum Sportplatz und zurück zum Parkplatz führt. Abstecher zur Pfarrkirche St. Johann Baptist mit Aussichtspunkt (1 km): In Holzhausen am Gasthaus „Altwirt“ geradeaus vorbei (St.-Heinricher Straße) bis zur Rechtsabzweigung „Ambach“. Die erste scharfe Rechtskurve verlässt man nach links und folgt der Straße „Dörfel“. Auf einer Treppe am Zaun entlang empor, hinauf zur Kirche und an der Kirchenmauer entlang zum Aussichtspunkt mit Bänken (Kirche ist zu bestimmten Zeiten offen, u. a. Sa. So. Mi. 7.30 bis 19 Uhr; www.pfarrverband-muensing.de).

TIPP – Heimatkundliche Dorfführung Münsing. Sa., 9. Mai 2015 ab 14 Uhr, Treffpunkt: Dorfplatz Münsing, Anmeldung (bis 8. 5.) bei Willi Schwarz, Tel.: 0 81 77 / 86 71.

KARTE – Kompass-Karte 180, Starnberger See.

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