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Bultaco kommt zurück! Mit einem gewagten Kombi-Gefährt – der Brinco.

Sportlicher E-Power

Bultaco Brinco: Zurück in die Elektro-Zukunft

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Vor gut einem Jahr hat Bultaco die Rückkehr der Traditionsmarke verkündet, die 1983 ihre Produktion einstellte. Nun lassen die Spanier den Worten bereits Taten folgen:

 Sie stellen mit der Brinco das erste Fahrzeug aus eigener Produktion vor. Es soll der erste Schritt in die Zukunft sein.

Aber was ist nun Brinco? Ein Elektro-Mountainbike? Ein geländegängiges Leichtmotorrad? Bultaco selbst kann oder will das neue Zweirad in keine bekannte Kategorie einordnen und hat darum flugs ein neues Segment kreiert: das Moto-Bike. Das Tempo und die Innovationsfreude passen zum Traditionsunternehmen. Auch Don Paco Bultó, der 1958 im Unfrieden vom damals führenden spanischen Motorradhersteller Montesa geschieden war (zu dessen Gründungsvätern er gehört hatte), präsentierte nur wenige Monate nach seinem Ausscheiden den ersten Prototypen, der sofort Erfolge auf der Rennstrecke einfuhr.

An Renneinsätze denkt das heutige Team um Gerald Poellmann, Präsident und Mitbegründer der Firma, noch lange nicht. Der Österreicher war 14 Jahre lang bei Magna-Steyr tätig und leitete dort unter anderem das Wasserstoff-Kompetenzzentrum. Er will erst einmal mit seinen derzeit 42 Mitarbeitern die Brinco so schnell wie möglich in den Handel bringen. „Das ist ein Startprodukt, das einen signifikanten Beitrag zum Unternehmenswachstum leisten soll“, sagt er. Wenn es dann läuft, gibt’s mehr. Prototypen der Rapitan, einem ausgewachsenen Elektromotorrad, sehen bereits in der Halle. Im neuen Firmensitz in einem Industriegebiet nahe der Formel-1-Rennstrecke Circuit Catalunya in Barcelona ist die Produktionslinie derzeit noch verwaist, in den Büros der Ingenieure sind dagegen viele Plätze belegt. „Wir machen viele Eigenentwicklungen“, sagt Gerald Poellmann, „da es die notwendigen Teile nicht auf dem Markt gibt.“

Firmengründer Don Paco Bultó.

Die Rechte am Namen Bultaco sowie das Logo wurden in den letzten Jahren zurückgekauft. Mit dabei beim Neustart sind auch einige Mitglieder der Familie Bultó. Einer von ihnen ist Daniel Oliver, ein Enkel des Firmengründers. Der 38-Jährige arbeitet als Manager für geschäftliche Entwicklung, ist darüber hinaus aber auch engagierter Markenbotschafter, Testfahrer und wandelnde Familienchronik. Er erzählt eine Anekdote nach der anderen, vom Großvater, den Testfahrten in dessen Garten, der Schrauberei in jeder freien Minute, den Rennfahrern, die im Haus von El Jefe, dem Chef, aus- und eingingen. Und von der Begeisterung Don Paco Bultós, die er offensichtlich zu 100 Prozent geerbt hat.

„Ich könnte den ganzen Abend von meinem Großvater erzählen“, sagt er und schwärmt von der Bultaco-Philosophie Leidenschaft, Innovation und Wettbewerb. „Großvater hat weit in die Zukunft gedacht. Das wollen wir heute auch.“ Dann hebt er den Daumen und formt das klassische Bultaco-Logo. Alles in Ordnung, alles wird gut. Hofft er. 

Volker Pfau

Die Bultaco Brinco macht auf einem Moto-Cross-Kurs mit der Elektro-Power richtig Laune.

Das erste Modell von Bultaco, die Brinco, ist eine Kombination aus Fahrrad und Motorrad. Es hat einen elektrisch betriebenen Radnabenmotor am Hinterrad mit einer Maximalleistung von 2 kW und einem maximalen Drehmoment von 60 Nm. Die Reichweite beträgt mindestens 30 Kilometer. Per Pedal kann man diese auf über 80 Kilometer ausdehnen. Der herausnehmbare, acht Kilogramm schwere Lithium-Ionen-Akku soll in drei Stunden wieder aufgeladen sein. Es ist schon eine Umstellung, auf einem Gefährt zu sitzen, das Pedale hat, die man aber nicht benutzen muss. Denn ein beherzter Dreh am Gasgriff beschleunigt das Bike im Sportmodus auf bis zu 60 km/h. In Tour und Eco geht die Brinco entsprechend dezenter zu Werke.

Und dann geht’s ab ins Gelände. Das ist nämlich die perfekte Spielwiese für dieses Gefährt. Es macht mächtig Laune, auf einem Moto-Cross-Kurs mit Elektro-Power die Steilkurven zu durchfahren, Steigungen locker zu bewältigen und erste, zaghafte Sprünge zu versuchen. Auch nach zwei Stunden signalisiert die Anzeige im Cockpit, dass der Akku etwa halb voll ist. Ab Herbst soll die Bultaco Brinco zum Preis ab 4800 Euro erhältlich sein. In Deutschland wird voraussichtlich eine Version mit maximal 45 km/h angeboten werden.

vp

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