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Auf Graffiti-Tour durch München.

Kulturelles Draußen-Vergnügen

So bunt ist der Herbst: Auf Graffiti-Radtour in München

Mit etwas Fantasie kann man auch mitten in der Stadt ein kostenloses, kunterbuntes, amüsantes Outdoorvergnügen erleben, das auch Kinder lieben werden: Eine Graffiti-Radtour in München.

So schön es ist, am Wochenende aufs Land, in die Berge oder an einen lauschigen See zu fahren, manchmal zwingen einen Verpflichtungen, Einladungen, die Arbeit oder das liebe Geld dazu, in der Stadt zu bleiben. Schlimm ist das nicht. Im Gegenteil. Draußen Autorin Johanna Stöckl hat eine Graffiti- Radtour in München unternommen.

Ich mag den Herbst. Nicht nur auf dem Land, auch in der Stadt. Wenn es in die Berge gehen soll, überlege ich spätestens ab Donnerstag, welchen Gipfel ich am Wochenende besteigen möchte. Dann besuche ich entsprechende Seiten im Internet, blättere mich durch Tourenbücher und studiere Wanderkarten. Verbringe ich das Wochenende in der City, mache ich es ähnlich. Ich plane und denke mir kleine, selbst ernannte Aufgaben oder Touren aus, um meinen aktiven Auszeiten eine Struktur oder zusätzlichen Sinn zu geben. Freilich kann man einfach einen Spaziergang im Englischen Garten unternehmen oder sich aufs Radl schwingen und ein paar Kilometer an der Isar entlang strampeln. Aber mir ist das zu wenig. München bietet mehr. Vergangenes Wochenende habe ich mir in den Kopf gesetzt, ein paar coole Streetart-Spots auf einer Radtour zu verbinden.

Mein Startpunkt, die Donnersbergerbrücke, ist auf den ersten Blick nicht wirklich eine Schönheit, wobei der Blick von oben auf den nahen Hauptbahnhof und die vielen Gleise schon seinen Reiz hat. 

Der Start an der Donnersberger Brücke.

Richtig spannend wird es unter der Brücke südlich der Arnulfstraße. 60 Künstler – streetarttechnisch korrekt nennt man sie Writer – haben sich hier auf Brückenpfeilern und an Wänden verewigt. Da die Street Art Gallery unter der Donnersbergerbrücke die größte Freiluftgalerie in München ist, brauche ich viel Zeit, um mir in Ruhe alle Graffiti anzuschauen. Im Internet hatte ich von einer geführten Street-Art-Safari während der Sommermonate gelesen, die ich sicher einmal buchen werde, um mehr von den Künstlern und deren Motiven bzw. Technik zu erfahren. 

Über die Arnulfstraße geht’s weiter Richtung Stachus, Lenbach- und Maximiliansplatz, ehe man über die Von-der-Tann-Straße oder durch den Hofgarten Richtung Prinzregentenstraße radelt, wo nahe dem Friedensengel der nächste Spot an der Fußgängerunterführung Luitpoldbrücke wartet. Die Murals, so nennt man die Wandgraffiti, strahlen im Tunnel besonders schön, da sie künstlich beleuchtet sind. Mein absolutes Lieblingsmotiv – ein bunter Clown an der Wand – wird gerade vom Sonnenlicht erfasst. Er leuchtet förmlich und lacht mich an. Herbstdepression? Von wegen! 

Street Art in München.

Von der Street Art Gallery beim Friedensengel geht es an der Isar entlang Richtung Brudermühlbrücke Schlag auf Schlag. Es lohnt sich kaum aufs Fahrrad zu steigen. Denn an der Muffathalle und in den Unterführungen der Cornelius-, Reichenbach- und Wittelsbacherbrücke gibt es erneut wunderschöne Graffiti zu sehen. Außerdem hat das Bombenwetter nicht nur mich an die frische Luft gelockt. Heerscharen von Münchnern und Touristen flanieren an der Isar, weshalb ich im „Stau“ mein Radl besser schiebe.

Ab der Wittelsbacherbrücke wird es deutlich ruhiger. Ich bin spät dran, habe (zu) viele Fotos gemacht und die Zeitumstellung nicht einkalkuliert. Schon 17 Uhr? Jetzt aber hurtig! Mein nächstes Ziel: die Street Art Gallery an der Brudermühlbrücke. Seit 1996 wechseln die Wände und Pfeiler der Brücke regelmäßig im Rahmen der Isar ihr Gesicht. Verschiedene Generationen von Writern kommen dann zusammen, um ihre Visionen von Kunst im öffentlichen Raum zu zeigen. Wie bunt und vielfältig die Münchner Street-Art-Szene ist, sehe ich mit eigenen Augen. Dass die deutsche Graffiti-Bewegung nicht etwa in Berlin, sondern Anfang der 1980er Jahre in München ihren Ursprung hatte, lese ich später erstaunt im Internet. Da schau’ her: In München gab es die erste deutsche Hall of Fame…

Unter der Brudermühlbrücke.

Den mit Abstand coolsten Spot erreiche ich zu spät. In der Dämmerung radle ich über die Brudermühlbrücke in die Tumblingerstraße und anschließend auf das Gelände am Alten Viehhof. Da die Street Art Gallery in der Tumblinger Straße ständig neu übersprüht wird, ändert sich die Freiluft- Ausstellung auch regelmäßig. Ich werde ganz sicher bald wieder hierher kommen. Bei Tageslicht. Wobei: Irgendwie passen die zum Teil schaurig-gespenstischen Motive gut zur einsetzenden Dunkelheit. Halloween im Schlachthofviertel! Wuuaaaah…

An der Tumblingerstraße.

Vier Stunden Street Art

Wer die beschriebene Street Art Runde nachradeln möchte, sollte unbedingt eine Kamera dabei haben. Ebenfalls ratsam: Fahrradschloss mitbringen, damit man das Rad abstellen und die jeweiligen Freiluft-Galerien in Ruhe abwandern kann. Wer spät dran ist: Stirnlampe einpacken! Dauer der Tour: ca. vier Stunden. Wer auf das Rad verzichten möchte, lieber zu Fuß geht oder die Graffiti-Safari verkürzt antreten will, spaziert die Etappe ab Friedensengel bis zur Brudermühlbrücke.

von Johanna Stöckl

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