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Für Freerider sind sie ein absolutes Muss: Carbon-Skier haben sich in den letzten Jahren vollständig in der Szene etabliert. Und dafür gibt es gute Gründe.

Vorteile und Fakten

Diese Vorteile haben Carbon-Skier

Vor 20 Jahren waren sie noch ein absolutes Nischenprodukt. Heute sind Carbon-Skier allgegenwärtig. Und das aus gutem Grund. Was die Super-Skier so erfolgreich macht:

Anfang der 1990er Jahre wagte die nordamerikanische Firma Goode – bis dahin in erster Linie für die Herstellung von Wasserskiern bekannt – einen ungewöhnlichen Schritt: Sie produzierte den ersten Carbon-Ski für den Einsatz im Schnee. Heute, einige Jahrzehnte später, ist die Kohlefaser aus den Entwicklungsabteilungen der Skifirmen nicht mehr wegzudenken. Warum?

Der Carbon-Ski – vom Exoten zum Mainstream?

Dieser Frage kann man sich von zwei Seiten nähern. Einerseits werden die Bereiche Freeriding und Tourengehen aufgrund des damit verbundenen Erlebnisfaktors immer attraktiver für die breite Masse. In diesen Segmenten sind leichte Skier ihren schwereren Konkurrenten überlegen. Auf der anderen Seite bieten sich der Industrie durch die Carbon-Bauweise schlagende Verkaufsargumente wie innovative Technik und dadurch verbesserte Performance.

Wer profitiert am meisten von der Carbon-Konstruktion?

Obwohl das Material auch in anderen Ski-Segmenten verwendet wird, um dem Gerät mehr Härte ohne nennenswertes Mehrgewicht zu geben, stechen die aufstiegsorientierten Freerider doch als Hauptzielgruppe für Skier aus Carbon hervor. Der gewichtigste Vorteil des High-Tech- Werkstoffs kommt dort am deutlichsten zum Tragen. Einen leichten, kurzen Tourenski mit geringer Mittelbreite in herkömmlicher Bauweise zu fertigen, ist an und für sich kein großes Hexenwerk. Schließlich wird das Gewicht schon allein aufgrund der vergleichsweise geringen Dimensionen überschaubar bleiben.

Möchte man jedoch eine ausgewachsene Freeride-Latte mit einer Länge von 1,90 Meter und einer Taille um die 115 Millimeter auf ein tourentaugliches Gewicht bringen, wird die Aufgabe ungleich anspruchsvoller. Vor allem dann, wenn dieser Ski gleichzeitig die im anspruchs- vollen Gelände erwünschte Fahrperformance, sprich einen harten Flex, bieten soll.

Gängige Werkstoffe wie etwa Holz, Glasfaser und Titanal müssten dann in einer vergleichsweise großen Materialstärke beziehungsweise -menge verarbeitet werden, um die nötige Steifigkeit zu gewährleisten. Als Ergebnis erhält man wiederum einen schweren Ski. Reduziert man jedoch das Material, schwindet mit der Steifigkeit die Fahrperformance.

Das beste beider Welten

An dieser Stelle kommen die großen Vorteile der Kohlefaser zum Tragen. Aufgrund der deutlich höheren Materialsteifigkeit bei geringerem Materialeinsatz lässt sich der oben genannte Spagat realisieren: ein breiter, langer und noch dazu fahrdynamisch leistungsfähiger Ski, den man trotz seiner Ausmaße auch noch gut bergauf bewegen kann. Durch die reduzierte Masse vereinfacht sich in aller Regel zudem das Handling des Skis.

Deshalb werden zunehmend Hybrid-Modelle angeboten, die wie bei Völkl einen Holzkern mit einer Ummantelung aus Kohlefaser vereinen. Zunächst wurde diese Konstruktion beim V-Werks Katana eingesetzt, für die kommende Saison ergänzt die neue BMT-Serie die Modellpalette. Black Diamond hingegen stellt den klassisch gefertigten Modellen Megawatt, Convert und Aspect für 2014/2015 leichtere Carbon-Varianten zur Seite. Weitere Hersteller, die Kohlefaser in ihren Freeridern verarbeiten, sind DPS, G3, Whitedot, Movement und Praxis.

Bedenken hinsichtlich einer geringeren Haltbarkeit oder Robustheit sind fehl am Platz. Die Fertigungsqualität ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass die Serienmodelle dem Freeride-Alltag durchaus standhalten können.

Entscheidend ist das Portemonnaie

Der größte Nachteil der Carbon-Skier ist momentan der hohe Preis. Der Material- und damit der Endpreis für den Käufer liegt deutlich über dem herkömmlicher Skier. In der Regel bewegen sich die Modelle im Bereich zwischen 700 und 1000 Euro. Deutlich günstigere Anbieter wie etwa Downskis gibt es auch. Jedoch werden diese mit einem Einstiegspreis um die 500 Euro nur in begrenzter Stückzahl und im Internet-Direktvertrieb angeboten.

Ausschlaggebend für die Kaufentscheidung dürfte also in vielen Fällen das eigene Budget sein. Skier aus Kohlefaser bieten Vorteile, die im Bezug auf den Einsatzzweck Freeride und Touring definitiv nicht von der Hand zu weisen sind. Ob man sich diesen Luxus leisten möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Von Hansmartin Kudlinski

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