Marseille: Auto rast in Bushaltestelle - eine Tote

Marseille: Auto rast in Bushaltestelle - eine Tote
+
In der Eiswand: Andreas Hammerstingl aus dem DAV-Expeditionskader beim Aufstieg im zentralasiatischen TienschanGebirge. Fünf junge Männer bestiegen mit ihrem Trainer zwei Fünftausender.

DAV-Expedition in Kirgisistan

Brotzeit auf dem Fünftausender

Fünf junge Männer des DAV-Expeditionskaders haben zwei Erstbegehungen im Tienschan-Gebirge in Kirgisistan geschafft – auf über 5000 Metern. Auch, weil zwei Teilnehmer die gleiche Schuhgröße haben.

Uffing/Bischkek – Die erste Bewährungsprobe wartete schon am Flughafen. Gerade angekommen in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek, mussten die fünf jungen Männer des DAV-Expeditionskaders den ersten Dämpfer hinnehmen. Von 18 Gepäckstücken rollten nur zwölf über das Förderband. „Also sind wir am nächsten Tag wieder gekommen“, sagt Franz-Xaver Mayr aus Uffing (Kreis Garmisch-Partenkirchen), mit 20 Jahren der Jüngste in der Gruppe. Da trudelten weitere vier Koffer ein. Aber zwei blieben verschollen. Eisgeräte, Schuhe, Ausrüstung von einem der Bergsteiger – verschwunden im Gepäcknirwana der Fluggesellschaft. Aber davon lässt sich eine eingeschworene Truppe nicht aufhalten.

Zum Abschluss ihrer Zeit im Expeditionskader des Deutschen Alpenvereins reisten Andreas Hammerstingl, Franz-Xaver Mayr, Josef Pfnür, Raffaele Sebastiani und Tobias Karpinski mit Trainer David Göttler nach Kirgisistan, um zwei Fünftausender im Tienschan-Gebirge an der Grenze zu China zu besteigen. Am Ende konnte die junge Truppe – die Teilnehmer sind zwischen 20 und 27 Jahren alt – sogar zwei Erstbegehungen vorweisen.

Die Entscheidung, wo es hingehen soll, traf die Gruppe gemeinsam. Als Ziel bestimmten sie die Berge mit den kryptischen Namen Otkrytyj und Tëhglavyj. „Die haben auf den Bildern schon super ausgeschaut“, sagt Mayr. Nach einem Jahr Vorbereitung begann am 29. August das Abenteuer. Denn obwohl alle fünf bereits sehr erfahrene Bergsteiger sind: „Keiner von uns war bisher auf über 5000 Metern unterwegs“, sagt Mayr.

Mit dem Hubschrauber flogen die Bergsteiger auf einen schwer zugänglichen Gletscher. Auf etwa 4000 Metern Höhe bezog die Gruppe das Basislager. Und musste sich erst einmal akklimatisieren. „Das merkt man sofort beim Aussteigen“, sagt Mayr. „die erste Zeit lagen wir nur im Zelt. Jeder Weg zum Klo ist total anstrengend.“ Stück für Stück begann die Truppe mit kleineren Touren. Josef Pfnür, der ohne sein Gepäck losgezogen war, versorgten die anderen mit. Zum Glück hatte einer seiner Kollegen die gleiche Schuhgröße. „Von einem anderen gab’s die Unterhose oder die Jacke. „Der Seppi ist da zum Glück sehr locker“, sagt Mayr und lacht.

Gipfelfoto: Josef Pfnür und Andreas Hammerstingl Arm in Arm nach dem beschwerlichen Aufstieg.

Nach sechs Tagen im Basislager rief der erste Gipfel. Und die Gruppe folgte. Dass sie auf dem Weg zum 5664 Meter hohen Otkrytyj eine Route wählten, die noch niemand vor ihnen gegangen ist, erfuhren die fünf erst im Nachhinein. Der Aufstieg lief einigermaßen problemlos. Aber nicht für alle. „Die Höhe hat uns schon zu schaffen gemacht.“ Zweien aus der Gruppe so stark, dass sie im Lager zurückbleiben mussten. Auf dem ersten Gipfel kamen sie also nur zu viert an – drei aus dem Expeditionskader und ihr Trainer. „Wir haben nicht gejubelt, wir waren eher froh, dass die Schinderei ein Ende hat“, sagt Mayr. Zur Belohnung gab’s eine Brotzeit. „Leider kein Wurstbrot, sondern nur Früchte- und Schokoriegel.“ Dann ein paar Fotos und schon waren die Gedanken wieder beim Abstieg. „Der ist meistens noch schwieriger, als der Aufstieg.“

Aber weil es so gut lief, stand die Gruppe bereits vier Tage später vor dem nächsten Fünftausender. Und stieg auf einen der drei Gipfel des Tëhglavyj auf. Der liegt mit 5250 Metern zwar niedriger als der Otkrytyj, war aber bis dahin noch unbestiegen – und deutlich anstrengender. „Da war’s richtig windig und kalt.“ Nichts mit im Pulli klettern wie beim Sonnenschein vier Tage zuvor.

Mittlerweile ist Franz-Xaver Mayr zurück in seiner Heimat in Uffing. Und schaut schon in die Zukunft. Der gelernte Werkzeugmechaniker will sich jetzt wieder einigen Alpengipfeln widmen. Und bereitet sich, natürlich, auf die Bergführerprüfung vor. Wen der Berg einmal hat, den lässt er nicht mehr los.

von Dominik Göttler

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare