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Zwischen Deining und Hornstein spaziert man an einer romantischen Moorlandschaft entlang.

Münchner Süden

Romantische Wanderung durchs Moor

Brav und gradlinig oder lieber verwegen und geheimnisvoll? Wer neugierig geworden ist, kommt nach Deining in die Gemeinde Egling und macht sich selber ein Bild von der Spritztour.

Beim Maibaum vor der Dorfkirche geht’s los. Schon nach den ersten Schritten fühlt man sich in die „gute alte Zeit“ versetzt. Über einer Türe prangt die Darstellung einer Schiefertafel samt Schwamm und Wischlappen neben einem Tintenfass mit Schreibfeder. „Dorfschui“ liest man da. Von 1821 bis 1955 befand sich hier das Schulhaus. Danach war in dem unauffälligen Gebäude das Rathaus einquartiert. Und wer weiß, wie viele Deininger in diesen Gemäuern die ersten Tage ihres Lebens verbrachten. Denn in den 1950er- und 1960er-Jahren hatte die Hebamme, Albine Federsel, im 1. Obergeschoss ein Wöchnerinnen-Zimmer.

Traumhafter Weitblick

Dieses und noch viel mehr, erzählen Taferl an historischen Deininger Anwesen, die von den Traditionsvereinen angebracht wurden. Während man bergauf Richtung Ortsausgang wandert, fällt ein besonders stattlicher Hof ins Auge: Der alte Wagner-Hof stammt aus dem 17. Jh. und beeindruckt vor allem durch den zweigeschossigen Blockbau mit Bretterlaube. Sobald die letzten Häuser zurückbleiben, gelangt man auf ein riesiges gewelltes Wiesenplateau und staunt über den traumhaften Weitblick.

Schon bald steht man vor der ersten Entscheidung. Entweder man spaziert über die bequeme Teerstraße schnurstracks nach Hornstein und weiter mit gigantischem Bergpanorama bis Sachsenhausen. Oder man folgt einer verwinkelten Route, die nicht auf den ersten Blick verrät, was sie alles bereithält. Falls das Schuhwerk passt und die Wege trocken sind, zieht man über Weideland Richtung Wildgehege. Rechter Hand zeigt sich bald eine Herde Damhirsche. Die männlichen Tiere zeigen ein riesiges Schaufelgeweih, das sie in der Regel im April oder Mai abwerfen. Vielleicht erspäht man Minuten später auf der linken Seite hinter Drahtzäunen auch noch eine Herde Rothirsche.

Nach dem Gehege schlendert man wieder über weitläufige Wiesen und kommt bei einem großen Schuppen an eine Kreuzung. Schon wieder gilt es, sich zu entscheiden. Wer hier nach rechts dreht, gelangt wenig später in den Ort Hornstein. Packt man die längere, abenteuerlichere Route, geht’s über einen moorigen Weg südwärts. Schilf raschelt im Wind, einzelne knorrige Bäume wirken wie hingemalt auf den feuchten Böden. Am Horizont spannt sich der Gebirgsreigen von den Chiemgauer Bergen bis zu den Ammergauer Alpen. Dann, erst im allerletzten Moment sieht man, dass sich nach rechts im Schilf eine schmale Gasse auftut.

Schmiedeisernes Kreuz auf der Feuchtwiese

Jemand hat Ziegelplatten auf die besonders sumpfigen Stellen gelegt und so kommt man trockenen Fußes durch das Moor an einen Waldrand. Dort passiert man ein verschwiegenes Bankerl, während der Pfad nach Westen führt. Hinter Binsen sichtet man inmitten einer Feuchtwiese ein schmiedeisernes Kreuz auf einem Steinsockel. Bei einer Gruppe von Heustadeln stößt man auf einen Karrenweg, der einen bald auf eine Teerstraße bringt, die nach Hornstein führt. Einmal mehr bewundert man hier denkmalgeschützte Bauernhäuser, bevor man – immer mit Weitblick – nach Deining zurückspaziert.

Von Doris Neumayr

VON DEINING NACH HORNSTEIN

ANFAHRT
Auto: A 95 München – GAP, Ausfahrt Schäftlarn. St. 2071 nach Hohenschäftlarn. Nach dem Bahnübergang an der Ampel (Münchner Straße / Wolfratshauser Straße) geradeaus zum Kloster Schäftlarn. Weiter St. 2071 über Isarbrücke und bergauf bis Kreuzung St. 2072. Rechts Richtung Bad Tölz bis Deining. Beim Maibaum links. Zwischen Kirche und Gasthof Parkplätze. Bahn: S7 Richtung Wolfratshausen, Halt „Höllriegelskreuth“. Mit der Buslinie 271 bis Halt „Deining Gasthaus zur Post“ (Info: www.mvv-muenchen.de).

TOUR
Tour 1: Gesamte Runde: Wegstrecke 6 km, Gehzeit ca. 1,5 bis 2 Stunden. Die Feldwege werden ganzjährlich begangen, mit Morast muss gerechnet werden, einige Etappen erfordern etwas Orientierungssinn. Die Varianten 2 und 3 sind kürzer, Variante 2 verläuft ausschließlich über ausgeschilderte Teerstraßen. Verlauf: Gegenüber vom Maibaum in Deining führt eine Teerstraße bergauf (Ww. „Hornstein“). Die Straße führt bald über Wiesen und an einem Marterl mit Bank vorbei. Noch vor Erreichen eines großen Heustadels geht’s links auf einen Feldweg (Schild: „Land- u. forstwirtschaftlicher Verkehr frei“). Man kommt kurz nach einem Wildgehege an eine Kreuzung, wo ein großer Schuppen steht.

Jetzt geradeaus südwärts über einen Wiesenweg (am Moor entlang). Später senkt sich das Gelände etwas. Nach einigen Baumgruppen öffnet sich nach rechts eine Schilfgasse (Ziegelplatten am Boden), die in einen Pfad mündet. Darauf an einem kleinen Wald entlang. Weiter westwärts über eine moorige Wiese und an einem schmiedeisernen Kreuz mit Steinsockel vorbei. Kurz weglos (Trittspuren) auf eine Gruppe von Heustadel zu. Man mündet in einen Karrenweg. Auf diesem westwärts durch einen Wald zu einer Teerstraße. Auf dieser Straße rechts nach Hornstein bis zur Kapelle am Ortsende. Hier rechts (Ww. „Deining“) über hügelige Wiesen auf der Teerstraße zurück zum Ausgangspunkt.

Verlauf Variante 2: Start wie Tour 1. Auf der Teerstraße bis Hornstein. Dort links „Sachsenhausen“. Nach einem Waldstück: Panoramablick. Auf gleicher Route zurück. Verlauf Variante 3: Start wie Tour 1. Nach dem Wildgehege bis zur Kreuzung beim großen Schuppen. Hier rechts nach Hornstein und auf der Teerstraße zurück nach Deining.

KARTE
Bayer. Landesvermessungsamt, UK 50-41, München-Süd, 1:50 000.

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