+
Bis zu drei Minuten Zeit benötigen Fahrraddiebe, um mit schwerem Gerät ein hochwertiges Bügelschloss wie dieses zu knacken. In einer belebten Straße ist ihnen das Risiko, erwischt zu werden, in der Regel zu hoch. Billigschlösser dagegen werden von Profis in maximal 15 Sekunden durchtrennt.

Fahrrad-Klau

Ansperren statt absperren

  • schließen

Mit Top-Komponenten ausgestattete Fahrräder erreichen manchmal den Preis eines Gebrauchtwagens. Drei- bis fünftausend Euro? Keine Seltenheit. Fahrraddiebe wissen das.

Doch sie haben es längst nicht nur auf hochwertige Markenräder abgesehen – auch der Alltags-Drahtesel wird für eine Spritztour durchaus geklaut. So oder so, das ist ärgerlich. Dabei können Radfahrer ihre Vehikel (besser) vor Langfingern schützen.

Etwa jedes sechste gestohlene Fahrrad, so hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) festgestellt, war vollkommen ungesichert abgestellt. Purer Leichtsinn also. Nicht viel besser seien Billigschlösser, die sich per Bolzenschneider in Sekundenschnelle knacken ließen. Hier zu sparen ist fahrlässig: Fünf bis zehn Prozent vom Anschaffungswert eines Fahrrads, so der ADFC, solle man in adäquate Sicherungssysteme investieren.

Doch das allein reicht immer noch nicht. Was nützt das teuerste Schloss, wenn es nicht optimal eingesetzt wird? „Unterschiedliche Räder und Gegebenheiten erfordern unterschiedliche Strategien“, sagt Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad. „Bei richtiger Schließtaktik und -technik haben Diebe wenig Chancen.“

Schloss in bis zu 15 Sekunden geknackt

Aus der Sicht von Radldieben (laut Statistik werden in Deutschland pro Jahr 350.000 Fahrräder gestohlen) gibt es im Wesentlichen vier Motive:

  • Spritztour“: Der spontane Gelegenheitsdiebstahl, um momentane Bedürfnisse zu decken und das Rad später irgendwo stehenzulassen, geht laut Statistiken meist auf das Konto von Jugendlichen.
  • Eigenbedarf: Hier will der Dieb sich kein eigenes Rad kaufen – in Studien wird vermutet, dass Opfer eines Fahrraddiebstahls selbst ein Rad stehlen, um den Verlust zu kompensieren.
  • Beschaffungskriminalität: Unauffällige „Standardräder“ werden gestohlen, um sie direkt weiterzuverkaufen. Oft haben sich die Täter sogar auf eine bestimmte Art von Schloss spezialisiert.
  • Gezielter Diebstahl: Hochwertige Fahrradtypen, die über attraktive Komponenten verfügen, werden gestohlen, um sie Hehlerbanden anzubieten oder per Inserat zu verkaufen. In diesen Fällen kommt oft schweres Werkzeug zum Einsatz; oft werden die Räder abtransportiert, um das Schloss in Ruhe daheim aufzubrechen.

Intelligente Aufbruchsmethoden wie das sogenannte Picking (das professionelle Öffnen von Schlössern, wie Schlüsseldienste es vornehmen) sind in der Praxis zu aufwändig und deshalb laut Polizei selten. Meist gehen Diebe auf die rabiate Art vor: mit Bolzen- oder Seitenschneider, Säge oder Hammer. „Diebe nehmen sich im Schnitt drei Minuten Zeit, um ein Radschloss zu knacken“, sagt Thorsten Mendel vom Schloss-Hersteller Abus. Diese Zeitspanne gilt es also als Hürde aufzubauen, um Diebe abzuschrecken.

Profis fahren mit dem Lieferwagen vor

Die erste Überlegung gilt dem Abstellort. Meist sind belebte Orte besser als ruhige Ecken – im Idealfall befindet sich das Rad in Sichtweite. Ganz wichtig: „Ein Fahrrad sollte niemals nur ab-, sondern immer auch angeschlossen werden“, betont Gunnar Fehlau. Denn Profis fahren kurz mit dem Lieferwagen vor, laden ein lediglich abgeschlossenes Rad ein und erledigen den Rest – das Schlossknacken – später. Für die Praxis heißt das: immer das Rad an stabilen Fixpunkten wie Bäumen, Laternenmasten oder Straßenschildern ansperren. Anlehnen allein genügt nicht.

Nächster Punkt: das optimale Ansperren. Experten raten dazu, zwei unterschiedliche Schlosstypen (zum Beispiel Bügel- und Kettenschloss) einzusetzen, weil viele Diebe sich auf bestimmte Schlösser spezialisiert haben. Wichtig ist, das Schloss möglich weit vom Boden entfernt anzubringen – so kann der Boden nicht für eine Hebelwirkung benutzt werden. Ferner sollte die Schließung schwer zugänglich sein, am besten also nach unten zeigen. Fehlau: „Ein Dieb, der sieht, dass viel Arbeit auf ihn zukommt, lässt im Zweifel von seinem Vorhaben ab.“

Zu beachten ist, dass gerade bei hochwertigen Rädern schon einzelne Komponenten (nur das Vorder- oder Hinterrad) eine lohnende Beute sein können – immer alles sichern! Ideal sind hochwertige Radlabstellanlagen, an denen man mit zwei Schlössern jeweils Vorder- und Hinterrad zusammen mit dem Rahmen ansperrt. E-Biker sollten zudem immer den Akku als eine der teuersten Komponenten mitnehmen.

Je nach Abstellort und -zeitraum sowie Wert des Fahrrads differiert das Diebstahlrisiko, entsprechend sollte jeder die richtigen Schlösser kaufen. Zwischen sechs und 15 Sekunden dauert es, mit einem Bolzenschneider dünne Kabelschlösser oder Spiralkabel zu durchtrennen. Diese Wegfahrsperren taugen bei Sichtkontakt oder in stark belebten Gegenden für weniger hochwertige Räder. Etwa drei Minuten Zeit aufwenden und diverse Hilfsmittel einsetzen muss ein Fahrraddieb, um Bügel-, Panzerkabel- oder Faltschlösser zu knacken. Diese Schlösser sind teurer (ab 50 Euro) und schwerer (bis zu 1,5 Kilo). Doch wer sein Fahrrad liebt, der sichert es gescheit.

Von Martin Becker

Auch interessant

Kommentare