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Romantischer Garten mit Monopteros: der zu neuem Leben erwachte englische Park des Ludwig Freiherr von Schacky bei Dießen.

Kultur- und Natur-Tour bei Dießen

Im Park des Freiherrn

Alte und neue Kunst und Kultur bietet der Rundweg durch Dießen am Ammersee. Vom restaurierten englischen Landschaftspark über das berühmte Marienmünster bis zu den Spuren alter Fayence-Keramik.

Los geht’s an der Uferpromenade. Erste Station ist der Beobachtungsturm der Vogelfreistätte Ammersee-Süd. Von der hölzernen Aussichtsetage schweift der Blick weit über den See und den geschützten Schilfgürtel des Südufers.

Mehr als 10 000 Wasservögel überwintern hier jährlich, rund 130 Vogelarten finden ihren Brutplatz. Bis ins frühe 20. Jh. war es hier nicht so still. Von der Ammer her wurde Holz in die Bucht getriftet, auf Flöße verladen und über den See weiter gen Norden befördert. Unsere Runde durchquert nun den Südostteil Dießens. Bald passieren wir die schmucke Villa Diana.

Der königliche Kämmerer Oberstleutnant a.D. Ludwig Freiherr von Schacky hatte sie 1903 erworben und dahinter einen englischen Landschaftspark errichtet. Dank des Engagements der Marktgemeinde und des Förderkreises Schacky-Park ist die verträumte Gartenanlage zu neuem Leben erwacht. Auf einem ausgeschilderten Rundgang bewundert man den achtsäuligen Monopteros oder das hinter einem Wäldchen liegende Teehaus. Vom Ausgang geht es dann ein Stückl hinauf Richtung Schatzberg. Das Bergerl, das Dießen von der Weilheimer Tiefebene trennt, wird heute aber nicht ganz bestiegen. Es zieht uns zurück in den Ortsteil St. Georgen.

Über den Kirchsteig wandert man in das kulturelle Zentrum der Marktgemeinde. Unter altem klösterlichen Boden fand der Keramiker Ernst Lösche in den 1960er-Jahren Bruchstücke von Fayence-Keramik. Die uralte Kunst, Tonware mit einer weißen Glasur zu überziehen und dann zu bemalen, war in Dießen verbreitet. Ende des 17. Jhs. stellten acht Hafnerbetriebe „plab und weiss“-Geschirr her. Heute führt Wolfgang Lösche die Keramikwerkstatt seines Vaters, das kleine Museum und den schönen Garten weiter. Von dem einst klösterlichen Grund ist auf dem weiteren Weg zunächst nichts zu spüren. Dann aber erreichen wir die ehemalige Klosterkirche, das Marienmünster. Das elegante Gebäude mit dem schlanken Turm kann als eine der schönsten Barockkirchen Bayerns gelten.

Vom alten Augustiner-Chorherrenstift sind neben der Kirche noch einige Gebäude wie der Taubenturm erhalten. Lang ist der Rückweg durch das Ortszentrum nicht mehr, doch mit der Kultur ist es noch nicht vorbei. Freunde der Musik finden in der Hofmark 3 das Carl-Orff-Museum. Der berühmte Komponist lebte die letzten 27 Jahre seines Lebens, von 1955 bis 1982, in Dießen. „Was mir diese meine enge und weitere Heimat gegeben hat, ist eingegangen in meine Werke und ist mit diesen über die Welt gegangen“, schrieb Orff. Kunstfreunde werfen einen Blick auf das rote Häuschen an der Bahnlinie. Die italienische Malerin Annunciata Foresti verwandelte das alte Stellwerk 2010 in ein Atelier mit Ausstellungsraum und Skulpturengarten. Am Tourende wartet wieder das Seeufer. Wer Dießen am Himmelfahrtswochenende besucht, kann dann noch den großen Töpfermarkt erleben.

Von Christian Rauch

RUNDWEG AM AMMERSEE

ANFAHRT – Auto: A 96 München – Lindau, Ausfahrt Greifenberg. Weiter nach Dießen. Vor der Ortsmitte links zum Bahnhof. Von Süden über Weilheim und Pähl nach Dießen. Bahn: S-Bahn München – Geltendorf und weiter mit Zug Geltendorf – Weilheim bis Dießen. Oder Zug München – Weilheim und dort in Richtung Geltendorf umsteigen.

TOUR – Gehzeit: 2,5-3 Std.; gute Gehwege, Straßen. Vogelfreistätte / Schacky-Park Holzbohlen und Stufen. Verlauf: Vom Parkplatz links des Bahnhofs über den Fußgänger- Bahnübergang und rechts zum Seeufer. Der Beschilderung zum Naturbeobachtungsturm folgend über die Brücke, vor dem Strandhotel rechts und zu einer Teerstraße. Auf ihr links, und später durch ein Holzgatter zum Beobachtungsturm. Auf dem Weg zurück zur Teerstraße und in den Ort.

Über die Bahnlinie, auf der Jahnstraße zur Mariensäule, dann links Fischermartlstraße. An der Tiefenbachstraße rechts zur Durchgangsstraße. An ihr links und rechts in die Vogelherdstraße. Rechts durch Gatter in Schacky- Park. Weiter Vogelherdstraße und nach SOS-Kinderdorf rechts Richtung Vogelherd. Auf dem Sträßchen Richtung Schatzbergalm und im Weiler Ziegelstadl Richtung Waldlehrpfad. Nun rechts Richtung Waldlehrpfad und Burgwald- Lehrpfad und rechts zum Parkplatz. Auf Teerstraße in Ort zurück. Am Feuerwehrhaus an Kirche rechts, nach Linkskurve rechts in Kirchsteig. Vorbei am Keramikmuseum (Kirchsteig 19) und nach dem Bach links, dann rechts zum Marienmünster. Vor Kirche links und durch Tor des Taubenturms zur Durchgangsstraße (Hofmark). Hier rechts hinab in den Ort.

Bei Haus Nr. 3 links das Carl-Orff-Museum. Unten an Kreuzung über Ampel und entweder geradeaus zum Bahnhof zurück oder Schlussvariante: Links an Prinz-Ludwig- Straße bis Josefskapelle, rechts ab auf Fußweg, dann links zur Straße. Gegenüber in Oberen Albaner Weg und an seinem Ende rechts zum roten Künstlerhaus am Stellwerk. An den Gleisen zum Parkplatz am Bahnhof.

INFO – 1. Schacky-Park: offen an Wochenenden ab Mai, aber schon 27./28. April betretbar. Werktags anfragen: Tel. 0 88 07 / 6439 oder - / 940 793. 2. Keramikmuseum: Vor Ort schauen, ob jemand da ist oder vorab anmelden: Tel.: 0 88 07 / 18 77. Während Töpfermarkt durchgehend offen. Töpfermarkt ist von 9. bis 12. Mai, 10 bis 18 Uhr.

BUCHTIPP – Weitere Kulturwege an und um Ammersee und Starnberger See in Christian Rauchs neuem Buch „Fünfseenland“ (Bergverlag Rother, 16,90 Euro).

KARTE – Kompass 189, Landsberg/Lech, Ammersee.

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