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Draussen: Schnitzeljagd 2.0-Geocaching 

München - Geocaching ist eine Sportart, die viel Durchhaltevermögen, Konzentration und Geduld erfordert. Mit einem speziellen Navigationsgerät gehen die Teilnehmer auf Schnitzeljagd.

Hoch konzentriert folgt Vanessa (10) dem Pfeil auf ihrem GPS-Empfänger. Laut dem Satelliten- Navigationsgerät sind es nur noch wenige Meter zum Versteck mit dem Titel „Baum“. Aber welcher ist es? Vanessa untersucht einen ersten Olivenbaum, dann den daneben – und jubelt: „Ich hab’s gefunden!“ Im Urlaub am Gardasee machen Vanessa und ihre Familie zum ersten Mal Geocaching. So nennt man die elektronische Schnitzeljagd, bei der man nicht aus Ästen gelegten Pfeilen oder Sägespänen folgt, sondern einem Outdoor-Navi.

Beim SportScheck-Testival in Arco hat sie ein GPS-Gerät bekommen, auf dem die Zielkoordinaten mehrerer Verstecke – der sogenannten Caches – eingespeichert sind. In diesem Fall sind es Plaketten mit zweistelligen Zahlen, die aneinandergereiht die Koordinate des eigentlichen Schatzes ergeben. „Multi-Cache“ heißen solche Verstecke, die über verschiedene Zwischenstationen gefunden werden müssen.

Kinderleichtes Spiel:

Man sieht schon: Geocaching ist im Prinzip kinderleicht, Enthusiasten können aber auch eine Wissenschaft daraus machen. Schätzungsweise 25 000 Deutsche gehen schon regelmäßig auf die „Schnitzeljagd 2.0“. Rund 100 000 Caches sind allein hierzulande versteckt. Manchmal handelt es sich dabei lediglich um einen wasserdichten Behälter mit einem Logbuch, in das sich der Finder einträgt. Oft enthält der Cache aber auch einen Finderlohn – und ein ungeschriebenes Cacher-Gesetz besagt, dass man für den nächsten Finder einen mindestens gleichwertigen Lohn hinterlassen muss.

Computer ist ein Muss

In der Regel beginnt das Geocaching zu Hause am Computer. Die Verstecker („Owner“ genannt) veröffentlichen die Koordinaten ihrer Schätze auf Internetseiten wie www. geocaching.com. Dort können Schatzsucher nach Caches in einer bestimmten Gegend suchen, Eigenschaften wie den Schwierigkeitsgrad des Verstecks erfahren und die Koordinaten aufs GPS-Gerät laden. Anschließend geht es raus ins Freie, wo man mit dem Empfänger in der Hand die Navigation aufnimmt.

Über Stock und Stein

„Auf dem Weg muss man manchmal Hindernisse wie Wälder, Flüsse und Schluchten überwinden“, erklärt Markus Gründel, Fachautor des Buches Geocaching. „Es gibt auch sehr spezielle Caches, die den Einsatz von Nachtsichtgeräten oder Metalldetektoren erfordern.“ Manche Verstecke sind mit Rätseln verknüpft. Auch Themencaches wie „Herr der Ringe“ werden immer beliebter Vanessa und ihr Bruder Maximilian( 14)findenstetsschnell in die Nähe der Verstecke.

GPS-Geräte nicht immer genau

Die Feinsuche gestaltet sich schwieriger, denn: GPS-Geräte weisen eine Ungenauigkeit von etwa fünf Metern auf, im Wald oder in Häuserschluchten kann sie noch größer ausfallen. Viele Outdoor-Navis haben einen eigenen Geocaching-Modus, mit dem man die Koordinaten und Versteck-Beschreibungen ohne Zettelwirtschaft verwalten kann. Neuere Modelle sind dank Touchscreen intuitiv zu bedienen. Nach knapp zwei Stunden haben Vanessa und Maximilian alle Koordinaten-Bruchstücke ermittelt und den eigentlichen Schatz gefunden: eine Plastikdose mit Logbuch und Gutschein. Die Kinder sind glücklich, und Vater Hubert LöckertgelangtzudemSchluss, dass Geocaching eine sinnvolle Sache ist: „So kommen selbst Computer-Kids mal an die frische Luft.“

Das braucht man:

Um auf elektronische Schatzsuche zu gehen, braucht man eigentlich nur zwei Dinge: einen (meist kostenlosen) Zugang zu einer Geocaching- Datenbank im Internet und ein GPSGerät für die Suche. Die besten Websites für Geocacher sind: www.geocaching.com(die größte internationale Cache-Sammlung) www.geocaching.de

Gute GPS-Geräte gibt es ab etwa 100 Euro. Empfehlenswert sind Geräte mit Kartendarstellung, weil sie eine anschauliche Suche ermöglichen. tz-Tipp: Garmins Modell Dakota 20 mit Farbdisplay, Geocaching-Modus und Touchscreen-Bedienung (279 €). Es passt in jede Kinderhand.

Kauderwelch alá Geocaching:

Attribute -Jedem !Cache können und sollten Eigenschaften der Kategorien Erlaubnisse, erforderliche Spezialausrüstung, Bedingungen, Risiken und Ausstattung zugeordnet werden. Beispielsweise, ob der Cache mit Kinderwagen machbar ist oder ob giftige Pflanzen am Wegrand zu erwarten sind. Das garantiert ein ungetrübtes Cachevergnügen ohne böse Überraschungen.

BYOP - „Bring Your Own Pencil!“ – zu Deutsch: Bringe deinen eigenen Stift mit! (Für den Eintrag ins !Logbuch notwendig.)

Cache -  Der „Schatz“ beim Geocaching. Er wird vom !Owner versteckt und von anderen Geocachern gesucht. Ein Cache besteht mindestens aus einem Logbuch, das in einem geeigneten, wasserdichten Behältnis steckt. Cacher ist der Schatzsucher. Cachegrößen Caches gibt es in unterschiedlichem Umfang und somit sind auch die Größen der Behälter unterschiedlich. Eingeteilt wird offiziell in vier Größen: Micro: etwa die Größe einer Filmdose Small: durchschnittliche Tupper-Dose Regular: Größe eines Schuhkartons Large: Tonnen oder ähnliche Behälter mit über 20 Liter Volumen – bis hin zum Container…

CITO - steht für „Cache In Trash Out“. Zu Deutsch: Cachen, dabei den Müll einsammeln, mitnehmen und entsorgen. So leistet man ganz nebenbei einen Beitrag zum Schutze unserer Umwelt. CITO kann freiwillig von jedem !Cacher bei jedem !Cache praktiziert werden, manchmal werden aber auch größere CITO-Aktionen organisert.

DNF „Did Not Find“ – zu Deutsch: Habe leider nichts gefunden.

D/T Caches - werden nach zwei Kriterien eingeteilt: Die Schwierigkeitsangabe (Difficulty) gibt dabei an wie anspruchsvoll der !Cache ist (Versteck/Tarnung, zu lösende Rätsel etc.).

FTF - „First To Find“ – „Erster!“ Im Gegensatz zum Sex darf beim Geocaching stolz sein, wenn man Erster war...

Geocache Codes - Jeder !Cache bekommt einen Code zugewiesen, der ihn für jeden !Cacher auf der Welt und auf jeder Geocaching-Datenbank auffindbar macht. Geocoin eine „Sammler-Münze“ der Geocacher und begehrtes Sammel- und Tauschobjekt.

Geocoins - werden zu speziellen Anlässen in limitierter Stückzahl aufgelegt und funktionieren wie ein !TravelBug. Man kauft sie in den einschlägigen Geocaching-Shops – satellitengestütztes Navigationssystem zur weltweiten Positionsbestimmung und Zeitmessung. Ohne dieses Satellitennetzwerk wäre Geocaching unmöglich.

GPS-Gerät (auch GPS-Empfänger) – ein Gerät, das die von den GPS-Satelliten gesendeten Signale empfängt und daraus die aktuelle Position auf wenige Meter genau bestimmt. Ein GPS-Gerät kann daher zu einem bestimmten Punkt führen, z.B. zu einem !Cache. GPX Dateiformat, in dem die Geocache-Koordinaten abgespeichert sein können. Diese Dateien können neben den Wegpunkten auch Beschreibungen, weitere Hinweise und Logs enthalten. Groundspeak Betreiber der Website www.Geocaching.com und damit der Punkt, wo weltweit fast alle Fäden zusammenlaufen. Hint „Hinweis“, der zum Auffinden des !Caches nötig ist. LOC Dateiformat, das im Gegensatz zu !

GPX - außer den Koordinaten keine weiteren Informationen enthält. Log Eintrag im !Logbuch des !Caches. Aber auch im Internet kann jeder Cacher mit einem Benutzerkonto einen !Cache als geloggt markieren. Andere User können dies dann sehen und man selbst kann so seine Cacher-Laufbahn dokumentieren.

Logbuch Heftchen - oder dergleichen, das mit jedem !Cache versteckt wird. Hier trägt sich jeder erfolgreiche !Cacher mit den verlangten Informationen ein. So sehen die nachfolgenden Cacher, wer diesen !Cache wann bereits gefunden hat.

Lost Places - Verwilderte Schauplätze mit abenteuerlichem Charakter, z.B. stillgelegte und inzwischen zugewachsene Bahnhöfe, Burgen oder Industriebauwerke. Sie müssen allerdings ungefährlich für !Cacher und öffentlich zugänglich sein. Andernfalls werden die !Caches von den !Reviewern nicht freigegeben.

Muggles - Sammelbegriff für alle - 

„Nicht-Geocacher“ - Der Begriff stammt ursprünglich aus den Harry Potter-Romanen, in denen alle Nicht-Magiere als Muggles bezeichnet werden. Multi-/Offset-Cache Mehrstufige !Caches. Der eigentliche Cache kann nur über verschiedene Zwischenstationen gefunden werden.

Owner - Derjenige, der einen !Cache erstmals ausgelegt und damit auch dessen Kategorie, Versteck, Hinweise etc. festgelegt hat. Außerdem betreut der Owner den !Cache, sorgt also dafür, dass der Cache stets auffindbar und intakt ist.

Rätsel-Cache - Um einen Rätsel-Cache zu finden müssen – wie der Name ja schon sagt – ein oder auch mehrere Rätsel oder Knobeleien gelöst oder Codes entschlüsselt werden. Diese Caches werden auch Mystery oder Puzzle-Caches genannt.

Reviewer - Reviewer sind !Cacher, die von !Groundspeak offiziell bevollmächtigt sind, Caches auf deren Korrektheit und Vereinbarkeit mit den offiziellen Richtlinien zu prüfen. Sie greifen bei Zuwiderhandlungen ein und prüfen die !Caches, bevor diese auf der Groundspeak-Website veröffentlicht werden. Sie sind quasi die Schiedsrichter der Geocacher und üben ihr Amt ehrenamtlich aus. Die letztendliche Verantwortung liegt aber immer allein beim !Owner des !Caches. Spoiler „Spielverderber“; Begriff aus der Filmwelt.

Spoiler - verraten im Voraus Details, die unter Umständen den Spaß an der Sache verderben könnten. Ein Geocaching-Spoiler verrät also Details zum finalen Versteck. Meistens wird deshalb vorher angekündigt, wenn ein !Log oder ein Bild einen Spoiler beinhaltet.

TFTC -  „Thanks For The Cache“ – Danke für den !Cache.

TFTH - „Thanks For The Hunt“ – Danke für die Suche (nach dem !Cache).

TNLN - „Took Nothing, Left Nothing“ – keinen Gegenstand mitgenommen, auch keinen da gelassen. Sprich: !Cache so verlassen, wie er vorgefunden wurde.

TNLNSL Wie TNLN - aber

„Signed !Log“ – nur Eintrag im Logbuch, sonst ist der !Cache unverändert geblieben.

Trackables - Objekte mit einer individuellen Seriennummer, über welche deren Reise im Internet nachverfolgt werden kann. Zu ihnen gehören auch !

TravelBugs - und !Geocoins. Traditional Caches Urtyp des !Geocaches. Eine wetterfeste Dose mit mindestens einem Logbuch, einem Stift und je nach Größe des !Caches auch mit verschiedenen Tauschgegenständen. Diese !Caches können meist leicht gefunden werden, und es müssen keine zusätzlichen Aufgaben gelöst werden. Ideal für Anfänger – solange die Terrain-Wertung nicht zu hoch ist!

TravelBugs - Kleine Plaketten (siehe Bild), die den Besitzer oder !Cache wechseln und möglichst weit herumreisen sollen. Sie besitzen jeweils eine einmalige Tracking- Nummer und können anhand dieser im Internet verfolgt werden.

UPS/UPR/URP - „Unnatural Pile Of Stones/Rocks“ bzw. „Unnatural Rock Pile“ – unnatürlicher und sehr auffälliger Steinhaufen zur vermeintlichen Tarnung eines Caches.

Webcam-Cache - Eine besondere Form von !Cache: es gilt hierbei nicht einen versteckten Schatz, sondern die Webcam zu finden. Geloggt wird ein solcher !Cache, indem man mit Hilfe der Webcam ein Bild von sich selbst schießt und dieses anschließend veröffentlicht.

Wherigo-Cache - Wherigo ist ein offizielles GPS-Game. Es bereichert das Geocaching mit virtuellen Elementen wie bei Rollenspielen. So besitzt man beispielsweise virtuelle Gegenstände, mit deren Hilfe man im Spiel gestellte Aufgaben lösen kann. Am Ende gelangt man so zu einem physikalischen Cache.

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