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Die dichten Eibenwälder von Paterzell sorgen für eine geheimnisvolle Stimmung gerade bei tristem Wetter.

Spaziergang bei Paterzell

Durch magische Wälder

Nirgendwo sonst in Deutschland stehen so viele Eiben wie im Eibenwald von Paterzell. Bei den Germanen und Kelten sollte der immergrüne, giftige Nadelbaum...

...gegen Krankheiten und Unheil helfen. Noch heute zaubern die Eiben von Paterzell eine geheimnisvolle Stimmung, die man auf einem ausgeschilderten Pfad bestens erkunden kann. Der Weg beginnt am Landgasthof Eibenwald. Im Gasthof oder an dem Kästchen unterhalb des Parkplatzes bekommt man eine kostenlose kleine Broschüre, die noch einige Zusatzinformationen enthält. So geht es auf einem Feldweg in den Wald, der zunächst ziemlich unscheinbar aussieht. Da mischen sich Fichten, Tannen und Laubbäume, letzte bunte Blätter tanzen durch die Luft. Doch schon nach den ersten Metern fallen die meist kleineren Eiben auf, die besonders gerne im Schatten größerer Bäume stehen.

Ideal für Armbrust und Bogen

Eiben wachsen sehr langsam, der Durchmesser des Stammes nur ein bis zwei Millimeter pro Jahr. Wie alt eine Eibe ist, kann man bei größeren Bäumen schwer errechnen. Denn ist ein Baum 250 Jahre alt, setzt oft eine Kernfäule ein, die das Innere des Stamms aushöhlt. Jahresringe lassen sich dann nicht mehr zählen. Dennoch wurden über 1000 Jahre alte Eiben nachgewiesen.

Eine Besonderheit der Eibe erklärt Tafel 3: Ihre Giftigkeit. Bereits eine geringe Menge Nadeln kann einen Menschen oder ein Pferd töten – außer dem roten Fruchtfleisch enthalten alle Teile des Baumes das Gift Taxin. Dass Eiben dennoch selten geworden sind, daran ist die Qualität des Holzes schuld. Schon früh erkannte man, dass das Holz durch seine Härte und gleichzeitige Elastizität ideal für die Herstellung von Bögen und Armbrüsten ist. So war die Eibe, unsere älteste einheimische Baumart, um 1600 in Oberbayern weitgehend ausgerottet. Nur in Paterzell haben sich bis heute rund 2000 Eiben erhalten.

Als Wanderer braucht man am Eibenpfad gutes Schuhwerk, denn trocken bleibt es zwischen den zahlreichen kleinen Bächen und Quellen kaum. Insgesamt zehn Tafeln passiert der abwechslungsreiche Rundweg, der auch bei Nebel oder wolkigem Wetter lohnt. An jedem Eck warten neue Eindrücke. Selbst tief ausgehöhlte Eibenstämme tragen noch unzählige gesunde Zweige. An manchen umgestürzten Bäumen wachsen die Zweige gar zu neuen Stämmen heran. Neben den unverwüstlichen Eiben trägt auch der Efeu, der an zahlreichen Stämmen emporwächst, zu der verwunschenen Stimmung bei.

Wem der Rundweg dennoch zu kurz ist, kann noch einen sportlichen Abstecher auf den Höhenrücken über Paterzell machen. Stramme 150 Höhenmeter geht es entlang einer Waldschlucht bergan. Zur Jahreszeit passend passiert man im Wald einige „Toten- und Gedenkbretter“. Sie erinnern an einen uralten Brauch, nachdem Verstorbene vor dem Begräbnis zunächst auf ein Brett gelegt wurden. Das Brett, geziert mit einem Spruch, wurde anschließend aufgestellt und sollte so lange verwittern, bis die Seele des Verstorbenen Erlösung fand. Im Weiler Schlitten erwartet den Wanderer bei gutem Wetter eine schöne Aussicht: über das Hügelland von Forst bis zum Hohen Peißenberg und die Alpen. Hinab geht es wieder in den Wald. Eine Abzweigung Richtung Wessobrunn erinnert an das Kloster mit seiner über 1000-jährigen Geschichte ganz in der Nähe. Wo einst berühmte Barockbaumeister lernten, besteht bis Dezember die Möglichkeit zu einer Führung. Danach werden die unter Nachwuchssorgen leidenden Benediktinerinnen Wessobrunn wohl verlassen müssen…

Von Christian Rauch

EIBENPFAD PATERZELL

ANFAHRT – Paterzell liegt zwischen Peißenberg und der Straße Weilheim – Landsberg. Von München über die A 95, A 952 und B 2 nach Starnberg und Weilheim. Richtung Landsberg abbiegen, vor Wessobrunn zweimal links nach Paterzell und zum Landgasthof Eibenwald (Parkplatz).

TOUR – EIBENPFAD: Mit Studium der Tafeln ca. 1 Stunde Gehzeit. Wenig Steigungen, dennoch gutes Schuhwerk erforderlich, da zeitweise feucht. Vom Parkplatz des Landgasthofs Eibenwald hinab und der Beschilderung nach links folgen. Auf dem Feldweg bald rechts, dann links hinab zum Wald. Dort beginnt links der beschilderte Rundgang. Nach Tafel 10 entweder den Rundgang über den Forstweg beenden oder über die „Abkürzung“ zurück zum Hinweg. Dort links und nochmals an den Stationen 5 bis 1 vorbei. Am Ende auf gleichem Weg zum Landgasthof zurück.

RUNDWEG ÜBER SCHLITTEN: Gehzeit 1 bis 1,5 Stunden. Steile Aufstiege mit vielen Stufen, auch hier wegen nasser Abschnitte gutes Schuhwerk erforderlich! Vom Parkplatz des Landgasthofs Eibenwald zur Durchgangsstraße und rechts zur Kapelle. Dort links (Wegweiser Schlitten) hinauf. In einer Linkskurve rechts ab auf Fußweg (Wegweiser) und oben am Teerweg weiter rechts. Wieder links auf Pfad in den Wald und nach den Totenbrettern links weiter bergauf. Nun mit vielen Stufen durch die Schlucht hinauf, dann auf Wiesenpfad zur Straße. An ihr rechts in den Weiler Schlitten. Bei einer Kreuzung (links Wegkreuz) geradeaus, am Haus Nr. 10 vorbei und im Rechtsbogen aus dem Dorf hinaus. Auf Teer-, später Forststraße bergab, rechts halten und in den Wald. Bei einem Wegweiser nach Paterzell nach rechts und durch Wald. Am Dorfrand von Paterzell kurz rechts die Teerstraße hinauf und zurück zum Hinweg. Auf dem Privatweg immer links haltend hinab zur Kapelle und rechts zurück zum Gasthof.

EINKEHR – Der Landgasthof Eibenwald am Ausgangspunkt ist noch bis einschl. 4.11. wg. Ferien geschlossen. Adresse: Peißenberger Str. 11, 82405 Paterzell. Tel.: 08809 / 92 040; www.landgasthof-eibenwald.de

KLOSTER WESSOBRUNN – Von Paterzell auf der Rückfahrt nur ein kurzer Abstecher. Führungen vsl. noch bis Mitte Dezember, Dienstag bis Sonntag 15 Uhr (zum Teil auch zusätzlich 16 Uhr oder vormittags). Info-Tel.: 0 88 09 / 92 110; www.kloster-wessobrunn.de

KARTE – Kompass-Karte 179 Pfaffenwinkel.

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