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Zwei Frauen radeln durch das Voralpenland.

E-Bikes

Trend zum Elektrorad: Motorisiert in die Berge

Elektroräder sind ein Renner in den Läden. Auch immer mehr Bergfreunde nehmen den Anstieg motorisiert in Angriff. Doch es gibt nicht nur positive Stimmen.

München – Die Vorteile des Elektrorads, kurz E-Bike, haben sich bis in die Staatsspitze herumgesprochen. „Das empfehle ich jedem“, schwärmte Ministerpräsident Horst Seehofer. Denn E-Bikes verhelfen Radlern zu Erfolgserlebnissen: Mit elektrischem Hilfsmotor lassen sich steile Anstiege bezwingen, die der Normalradler nur mit sehr viel mehr Mühe oder gar nicht hinauf kommt. Seehofers Fazit: „Sie schwitzen, Sie merken es in den Muskeln, aber Sie schaffen es.“

Der CSU-Chef radelt im Altmühltal, doch 150 Kilometer weiter südlich erhöht die für Radler so erfreuliche Wirkung des elektrischen Hilfsmotors den Stress für seltene Tiere und Pflanzen in den Alpen. Der Grund: Mit Hilfe von E-Bikes können Mountainbiker weiter in abgeschiedene Ecken des Gebirges vordringen als bisher. Und nun kommen auch Menschen die Berge hoch, die es allein mit Muskelkraft nicht schaffen würden. Diese Einschätzung äußern die Fachleute des Umweltministeriums in der Antwort auf einen Berichtsantrag der Landtags-SPD.

Den Trend zum E-Bike bestätigt Angelika Stickl. Zusammen mit ihrem Mann Theo bewirtschaftet sie die Schwarzentenn-Alm, die auf 1040 Meter in den Tegernseer Bergen westlich von Kreuth (Kreis Miesbach) liegt. „Zu uns kommt man über eine Forststraße, die eine angenehme Steigung hat.“ In den vergangenen zwei Jahren sind die E-Biker stetig mehr geworden, sagt sie. Inzwischen können auch Urlauber im Tal elektrische Räder ausleihen. Die Sorge um Tiere und Pflanzen kann Angelika Stickl nicht nachvollziehen. „Auf das E-Bike steigen vor allem ältere Menschen um und solche, die aus gesundheitlichen Gründen aufs Bergsteigen verzichten mussten“, sagt sie. „Die fahren nicht abseits der Straßen.“

Diese Erfahrung hat auch Michael Ludwig gemacht, Wirt der Tegernseer Hütte, die auf 1650 Metern liegt. Radler gelangen zwar nicht direkt zur Hütte, vom Ende eines breiten Forstwegs müssen sie noch eine halbe Stunde zu Fuß gehen. Doch den Fußmarsch schaffen jetzt auch Ältere, die die restliche Strecke mit dem E-Bike fahren. „Ich habe 80-Jährige gesehen, die ganz glücklich waren, endlich wieder in die Berge zu kommen“, erzählt der Wirt. Seit rund fünf Jahren nimmt die Zahl der E-Biker zu, sagt er, mittlerweile seien auch viele Jüngere zwischen 45 und 50 Jahren dabei.

Der Andrang wird in den kommenden Jahren voraussichtlich größer, denn das Bergradeln mit E-Mountainbikes ist nach Einschätzung der Ministerialen eine der „dynamischsten Entwicklungen bei Trendsportarten im Alpenraum“.

Die Alpen sind traditionell für jedermann frei zugänglich

Bisher denkt niemand ernsthaft über Zwangsmaßnahmen nach. Der Initiator des Berichts, SPD-Umweltexperte Florian von Brunn, sagt: „Wir brauchen Aufklärungskampagnen.“ Von Brunn, der selbst gern radelt und klettert, favorisiert eine Kooperation der Behörden mit dem Alpenverein und anderen Initiativen, um die Freizeitsportler für die Belange der Natur zu sensibilisieren. Das ist auch die Linie der Staatsregierung. Das Umweltministerium präferiert freiwillige Vereinbarungen mit den betreffenden Fachverbänden.

Der Deutsche Alpenverein (DAV) lehnt Zugangsbeschränkungen grundsätzlich ab. „Wir brauchen eine gewisse Selbstbeschränkung“, sagt Hanspeter Mair, Leiter des Geschäftsbereichs Naturschutz, Hütten und Raumordnung. „Es kommen mehr Leute ins Gebirge, und sie kommen höher“, meint er zum E-Bike-Trend. Dabei hält Mair Elektroräder keineswegs für Teufelszeug – denn sie ermöglichten auch körperlich weniger starken Menschen das Erleben der Natur.

Aller Anfang ist schwer: Mountainbiken in der Zugspitzregion

von Teresa Pancritius und Carsten Hoefer

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