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Flott unterwegs – mit Unterstützung eines Motors. Wer sich für ein Elektro-Fahrrad interessiert, sollte sich beim Kauf Zeit nehmen und sich im Fachhandel beraten lassen. Schließlich muss man mit Kosten von über 1800 Euro rechnen.

Das raten Experten

Darauf müssen Sie beim E-Bike-Kauf achten

Pedelecs machen das Radfahren einfacher – schließlich unterstützt ein Elektromotor beim Strampeln. Die Technik ist aber komplexer als beim normalen Fahrrad. Experten erklären, was beim Kauf wichtig ist.

Viele Radfahrer wollen nicht mehr ganz ohne elektrische Hilfe in die Pedale treten. Wer sich für ein Pedelec mit Tretunterstützung bis 25 km/h interessiert, sollte sich für den Kauf Zeit nehmen. Denn die motorisierten Bikes sind technisch komplexer als herkömmliche Fahrräder.

Gute Beratung ist Pflicht

Damit die Qualität stimmt, empfiehlt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), Pedelecs nur im Fachhandel zu kaufen. Solche Räder brauchen zum Beispiel einen stabilen Rahmen und gute Bremsen. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Bremsen mehr beansprucht werden“, erklärt Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV). Schließlich müssten diese mehr Gewicht zum Stehen bringen als bei einem normalen Rad.

1. Größe und Haltung

Die Größe des Modells und die Sitzposition des Fahrers müssen optimal sein, damit lange Touren Spaß machen. „Die Modelle unterscheiden sich doch sehr stark“, sagt ADFC-Sprecher René Filippek. „Der Rahmen muss passen, die anderen Komponenten sind nur für Feineinstellungen.“ Der Rücken dürfe nicht krumm sein, die Arme nicht durchgestreckt. „Das ist ergonomisch optimal, auch wenn es erst einmal nicht so komfortabel ist.“ Die Haltung auf dem Rad hänge mit der Rahmengeometrie zusammen, pauschale Tipps ließen sich nicht geben. „Aber der Fachhändler erkennt Fehler in der Körperhaltung.“

2. Der Antrieb

Ebenfalls wichtig ist die Wahl des passenden Antriebs. Es wird unterschieden zwischen Vorderrad- und Hinterrad-Nabenmotoren und Mittelmotoren, die in den Rahmen integriert sind. Je nach Position des Antriebs ist der Effekt unterschiedlich, erklärt Klaus Fleischer, Bereichsleiter E-Bike-Systeme bei Bosch. Ganz einfach lässt sich sagen: Am Vorderrad zieht der Motor, am Hinterrad schiebt er, beim Zentralantrieb ist der Effekt in etwa neutral. René Filippek zufolge geht der Trend in Deutschland zum Mittelmotor.

Welcher Motor ist der Richtige?

Technisch und vom Fahrgefühl her bietet der Zentralantrieb Vorteile: „Er ermöglicht einen tiefen Schwerpunkt“, erklärt Bosch-Experte Fleischer. Dadurch entstehe ein Fahrverhalten wie bei einem normalen Fahrrad – das Zusatzgewicht des Motors beeinflusst die Steuerung des Zweirads nicht. „Mit einem Zentralantrieb kann der Radfahrer an der Hinterachse außerdem mit jeder Art von Schaltung fahren.“ Mit einem Nabenmotor ließen sich dagegen viele Schalttypen nicht kombinieren – auch Rücktritt ist mit einem Antrieb am Hinterrad nicht möglich. In den Anfangstagen des Pedelecs haben die Hersteller vor allem Nabenmotoren an die Fronträder montiert, weil der Rahmen dafür nicht groß verändert werden muss.

Frontantrieb in der Stadt und flachem Gelände ausreichend

Der Vorderrad-Nabenantrieb ist verbreitet in Regionen, die flach sind, zum Beispiel in den Niederlanden. „In der Stadt und der Ebene reicht sicher ein Frontantrieb. Damit lässt sich ein günstigerer Kaufpreis erzielen“, weiß Fleischer. Sportliche Räder haben dagegen eher einen Hinterrad-Nabenmotor. Denn die Übertragung der Leistung ist größer. Allerdings gebe es damit eine große ungefederte Masse am Hinterrad, erklärt Fleischer. „Das ist von der Dynamik und Balance her eine ungeschickte Gewichtsverteilung.“ Ein weiterer Nachteil ist der schlechtere Wirkungsgrad: Damit steige die Stromaufnahme und somit auch die Erwärmung. „Bei vergleichbar großer Batterie erzielen die Motoren also eine geringere Reichweite“, so der Fachmann. „Sie merken das, wenn sie länger am Berg fahren: Der Motor wird wärmer und muss Leistung zurücknehmen.“

3. Das Fahrgefühl

Ganz wesentlich ist das Thema Fahrgefühl: Wie ist der Antritt? Wie wird er umgesetzt auf den elektrischen Antrieb? Um das zu testen, ist eine Probefahrt nötig. „Der Käufer kommt nicht darum herum, wenn er ein Pedelec haben möchte, das zu ihm passt“, sagt Filippek. Dabei sollte auch die Bedienung des Motors getestet werden. „Man sollte auf jeden Fall ausprobieren, welche Einstellungsstufen es gibt“, rät ZIV-Geschäftsführer Neuberger. „Es gibt Modelle, die mehr auf hohe Unterstützung ausgelegt sind, aber nicht so sehr auf eine große Reichweite. Andere sind eher für lange Strecken gemacht.“

Vorsicht bei Discounter-E-Bikes

4. Die Technik

Egal, für welchen Antrieb sich der Kunde entscheidet – die Technik sollte auf dem neusten Stand sein. E-Bikes vom Discounter hätten oft eine veraltete Akkutechnik, sagt Filippek. Ersatzteile gebe es oft nicht mehr, obwohl die Akkus irgendwann getauscht werden müssten. „In einem solchen Fall habe ich Elektroschrott.“ Auch bei Exporten aus Asien sei die Elektronik oft extrem einfach. Womöglich kann ein vollgeladener Akku am Netz sogar überhitzen. „Da ist schon der ein oder andere Fahrradladen abgefackelt“, so Filippek.

5. Der Preis

Als realistischen Preisrahmen nennt Siegfried Neuberger etwa 1500 bis 2000 Euro im Durchschnitt. Vereinzelt gebe es auch qualitativ gute Angebote ab 1200 Euro aufwärts. „Die Spanne ist in den letzten Jahren größer geworden.“ Der ADFC setzt höher an: Unter 1800 Euro seien in der Regel keine rundum empfehlenswerten Modelle zu finden. „Darunter geht eigentlich nichts“, urteilt Fillipek. Käufer müssen auch Kosten für die Wartung des Rads einkalkulieren: Ein Ersatzakku kostet dem Fahrradclub zufolge zwischen 200 und 1000 Euro.

6. Die Gewährleistung

Gewährleistung sollte es mindestens zwei Jahre auf alles geben, was kein Verschleißteil ist, rät der ADFC-Sprecher. Die Akku-Garantien sind kürzer, weil sie stark von der Nutzung des Rads abhängen.

Von Philipp Laage

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