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Noch Ende Oktober hängen knackige Herbstäpfel an den Bäumen am Ufer des Egglburger Sees bei Ebersberg.

Letzte Radltour durch herrliche Wälder

Farbenprächtiges Finale

Das Internationale Jahr der Wälder 2011 geht bald zu Ende, und im Ebersberger Forst – mit 90 km² das größte Waldgebiet Oberbayerns – präsentieren sich die Bäume zum Finale in ihrem schönsten Kleid.

Wäre der bunte Herbstwald allein schon eine Spritztour wert, kommen bei einer letzten Radlrunde zwischen Kirchseeon und Ebersberg noch sonnenverwöhnte, hügelige Wiesen mit Gebirgspanorama oder Seeblick sowie schöne Gasthöfe dazu.

Die Strecke windet sich kurvenreich durch eine von Endmoränen der Würmeiszeit geprägte Landschaft. Das heißt: im Auf und Ab ist Schmalz in den Haxn gefragt, was aber am Ende der Radsaison nicht schwer fallen dürfte. Die erste Etappe zieht durch Wald, vorbei an Lichtungen, moosigen Tälchen und Tümpeln.

Wenn es nach Maggi duftet, sind Wildschweine in der Nähe

1890 und 1894 wäre der Ebersberger Forst beinahe je von einem Schmetterling mit dem harmlosen Namen „Nonne“ völlig vernichtet worden. Knapp 40 Jahre dauerte anschließend die Aufforstung. Um das Immunsystem des Waldes zu stärken, ist man von der einstigen Fichtenmonokultur zur Pflanzung von stabileren Mischwäldern übergegangen. Der Forst ist nicht nur erholsam für stressgeplagte Menschen, sondern Lebensraum einer vielfältigen Flora und Fauna. So kann man mit etwas Glück Rot- und Schwarzwild in natürlicher Umgebung beobachten. Und falls es im Gehölz auf einmal würzig nach Maggi duftet, darf man sicher sein, dass Wildschweine in der Nähe sind. Normalerweise sind sie friedlich und flüchten. Die Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst e. V. empfiehlt doch, sich ruhig zu verhalten und nicht mit Plastiktüten zu rascheln, da die Tiere sonst eine Futterquelle vermuten und sich nähern könnten. Kurz nach einem Wildschutzzaun erreicht man das Naturschutzgebiet Egglburger See und genießt von grasigen Hügeln aus eine prächtige Aussicht. Hinter einer Moorlandschaft spitzen die Dächer von Ebersberg hervor und in der Ferne zeigen sich die Berge. Der Egglburger See gehört zu einer Weiherkette, die im 11. Jh. entstand, als Mönche für die Fischzucht das Flüsschen Ebrach aufstauten.

Man pedaliert zwischen den Höfen des Weilers Hinteregglburg hindurch und nähert sich Vorderegglburg. Doch vor den ersten Häusern folgt man einem Weg über eine moorige Wiese und steuert direkt auf den von weitem sichtbaren Maibaum neben dem „Wirtshaus zur Gass“ zu. In Ebersberg angelangt, rollt man hinab zur Uferpromenade des Klostersees, ein weiteres Glied der Weiherkette. Nach dem „Seehaus“ steilt sich die Route ein letztes Mal auf und bald sieht man einen grauweißen Turm aus Laubbäumen herausragen. Vor dem Museum Wald und Umwelt hat der Drahtesel endlich Pause. Nun geht’s zu Fuß über den Großen oder Kleinen Rundweg des Waldlehrpfades einen Wiesenhang hinauf. Bevor man sich daranmacht, mit allen Sinnen die verschiedenen Stationen des Lehrpfades zu erforschen, sollte man sich umdrehen, denn das Bergpanorama ist wirklich vortrefflich. Falls die Kraft noch reicht, erklimmt man den 36 Meter hohen Aussichtsturm und freut sich über noch mehr Fernsicht. Wer nach all den Eindrücken etwas schwächelt, verkürzt den Rückweg und steigt einfach in Ebersberg in die S-Bahn. Trainiertere Radler lassen den Herbsttag auf ihren Stahlrössern ausklingen.

KIRCHSEEON – EBERSBERG

ANFAHRT – S-Bahn: S4 Ebersberg bis Kirchseeon. Auto: A 99, Ausfahrt Haar. B 304 Richtung Wasserburg/ Ebersberg. In Kirchseeon am Waldfriedhof (an der B 304) oder am S-Bahnhof parken.

Auss.: Kompass-Karte 181, Rosenheim. Lizenz: 17-0906- LVB.

TOUR – Hin- und zurück insg. 22 km, 350 Höhenmeter, ca. 4 Stunden (50 Prozent Forststraßen / Nebenstraßen / Wege / kurze Schiebestrecke), MTB oder Trekkingrad, Orientierungssinn und Gebietskarte sind von Vorteil. Tourenverlauf: Am S-Bahnhof Kirchseeon rechts „Wasserburger Straße“. Nach Geschäft „Ihre Reinigung“ links bergauf in Straße „Zum Ausblick“ (50 m schieben). An Gabelung links in „Hochriesstraße“. Geradeaus, B 304 unterqueren und zum Waldfriedhof. Jetzt im Wald auf Forststraße nach rechts Ww (Wegweiser = Ww) „Ebersberg“. An Kreuzung rechts Ww „Ebersberg“. Nach Gittertor im Wildschutzzaun gleich rechts hinab zur schon sichtbaren Forststraße. Auf dieser links und bald auf freie Wiesen (Blick auf Egglburger See). Geradeaus durch den Weiler „Hinteregglburg“. Unterhalb einer Kapelle vorbei bis vor die ersten Häuser von „Vorderegglburg“. Hier links Ww „Wirtshaus zur Gass“ (Mo. Ruhetag). Über Wiesenweg bis zum Wirtshaus mit weit sichtbarem Maibaum. An Kreuzung hinter Wirtshaus rechts Ww „Ebersberg“. Nach wenigen Metern scharf links (kein Ww). Gleich wieder rechts auf Sandweg an einer Pferdekoppel entlang nach Ebersberg. Dort geradeaus in „Floßmannstraße“. Links in „Sudetenstraße“ (Heilig-Geist- Kirche). Rechts in „Abt-Williram-Straße“ und bald leicht bergab. Links in „Benno-Scharl-Weg“ und auf Rad-Fußweg steil bergab zum Klostersee (Ebersberger Weiherkette). Am Weiher rechts „Josef-Maier-Promenade“ bis an große Straße „Eberhardstraße“. Hier links und vorbei am „Seehaus“. Dann bergauf auf Rad-Fußweg. Links in Straße „Ludwigshöhe“, Ww „Aussichtsturm“. Über Wiesen bergauf zum „Museum Wald und Umwelt“ (neben Gaststätte Ebersberger Alm, Di. Ruhetag). Vor Museum Rad abstellen und zu Fuß über NaturErlebnisPfad zum Aussichtsturm. Rückweg: gleiche Strecke oder zum S-Bahnhof Ebersberg (ausgeschildert).

TIPPS – 1. Museum Wald und Umwelt, Veranstaltungen, Sonderausstellungen (Wald im Klimawandel vom 9. Okt. 2011 bis 26. Feb. 2012); Telefon: 0 80 92/ 24 79 83; www.museumwaldundumwelt.de; 2. NaturErlebnisPfad (13 Stationen); 3. Aussichtsturm (tägl. offen, gratis).

SCHLECHTWETTER-TIPP – S 4 bis Ebersberg und zu Fuß zum Museum Wald und Umwelt (Hin- u. zurück ca. 4 km): Marienplatz – Sieghartstraße – Semptstraße – Richardisweg – Eberhardstraße - Am Priel – Heldenallee, Ludwigshöhe; Infos: www.ebersberg.de 

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