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Umrahmt von zwei mächtigen Eichen: Autorin Carolin Nuscheler blickt ein letztes Mal auf den Egglburger See, bevor ihr Weg in den Wald führt.

Serie: Beschauliche Wanderwege

Der Wildsau auf der Spur

Der Ebersberger Forst ist Abenteuerland. Im Riesenwald im Münchner Osten gibt es versteckte Weiher, kuriose Kunstwerke und: Wildsäue. Unsere Autorin hat einen spannenden und trotzdem idyllischen Wanderweg erkundet.

Nur Wasser und Grün: Am Antoni-Weiher herrscht Idylle - der perfekte Ort für eine Rast.

Der Tag war stressig, ich will heute keine anderen Menschen mehr sehen. Aber Wildsäue. Ohne Zaun, freilebend im Ebersberger Forst. Ein Kollege hat gleich abgewinkt: Da müsse ich schon früher aufstehen, nachmittags hätten sich die Tiere längst verzogen. Quatsch. Das will ich nicht glauben. Ich schlüpfe in meine Trekkingschuhe und mache mich auf ins „Eldorado“ für Wanderer und Wildsäue.

Ich parke kostenlos und ohne Suchen beim Gasthaus „zur Gass“. Das liegt direkt am Egglburger See bei Ebersberg. Der Biergarten ist hübsch, eigentlich könnte ich jetzt schon ein Radler vertragen. Nein. Erst nach meiner Wildsau-Suche. Ich laufe die Straße am See entlang, die bald in einen Schotterweg mündet. Hier ist Naturschutzgebiet. Der hübsche, kleine See ist von Schilf umrahmt. Baden geht hier nicht. Aber schauen.

Mein Weg ist bewacht. Und zwar von uralten, riesengroßen Eichen. Die Zweige der Bäume sehen aus wie schmerzverzerrte Klauen, die dicke Rinde ist von Blitzeinschlägen wund. Ich fühle mich winzig, als ich durch die majestätische und zugleich mystische Allee gehe. Ich folge den Eichen bis zum Forstrand. Dort halte mich weiterhin links, bis ich den Egglburger See halb umrundet habe und auf eine Weggabelung zulaufe. Diesmal biege ich rechts ab, um tiefer in den Wald zu kommen – schließlich bin ich der Wildsau auf der Spur. Es geht rauf und runter, einen kurvigen Waldweg entlang. Das hier ist welliges Moränengebiet.

Bald gelange ich zu einem unverschlossenen Gatter, dahinter steht eine Tafel mit einer Wald- und Wegübersicht. Ich suche mir von hier aus einen Rundweg. Meine nächste Station: der Antoni-Weiher. Das zugewachsene Mini-Gewässer kennen auch viele Ebersberger nicht. Hier blüht es bunt, Fische tummeln sich im Wasser. Ich döse ein paar Minuten auf dem hinter Sträuchern versteckten Steg und träume von der Wildsau, die ich heute noch sehen werde.

Ausgeruht marschiere ich zurück über die Wiese zum Weg. Ich stolpere. Was ist das? Um mich herum ist alles umgegraben. Das waren Wildsäue! Das ist meine erste Spur. Aufgeregt folge ich der Forststraße. Es geht geradeaus dahin, nichts passiert, bis ich auf die breite Anzinger Straße stoße. Hier fahren Autos. Hier treffe ich sicher keine Wildtiere.

Ein Sauglück hatte unsere Autorin, als sie beim Wandern gleich zwei solcher Wildschweine antraf.

Schnell flüchte ich nach links auf einen Trampelpfad. Ich bin auf dem Ebersberger Skulpturenweg. Ein Waldweg, auf dem Künstler aus der Region ihre Werke gekonnt in die Natur eingebaut haben. Farbige Holzlatten hängen wie Girlanden zwischen Bäumen, ein Geflecht aus Draht steht fast unsichtbar im Dickicht, ein Riesengemälde ist zwischen Birken gespannt. Und zwischen einzelnen Kunststationen: umgegrabener Boden. Doch am Ende des kreativen Weges treffe ich nicht auf eine Wildsau, sondern auf das Forsthaus „St. Hubertus“. Leider ist zu. Merke: Hier ist nur Donnerstag bis Sonntag Betrieb. Mein Radler bekomme ich erst im Ziel.

Ich folge einer Forststraße schnurgeradeaus zurück in Richtung Gatter und Übersichtstafel. Gerade will ich meine Wildsau-Mission als gescheitert erklären, da raschelt es im Gebüsch. Äste knacken. Blätter knistern. Wildsäue! Bis ich die Tiere richtig erkennen kann, dass: Wenige Meter vor mir rennt eine junge Sau quer über den breiten Weg. Ein paar Sekunden später hetzt ein Frischling hinterher. Ich bin wie angewurzelt, meine Augen sind riesengroß. Es hat geklappt. Ab jetzt schwebe ich vor Freude.

Als ich wieder beim Gatter bin, nehme ich den gleichen Weg zurück Auto, den ich hergegangen bin – Moränen, Eichen, Egglburger See. Im Gasthaus „zur Gass“ trinke ich schließlich mein ersehntes Radler und plane einen zweiten Durchlauf. Denn auch ohne Wildsäue lohnt sich die Wanderung durch den Forst.

Von Carolin Nuscheler

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