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Von wegen blöde Schafe: Kaum einen schöneren Ort hätten sich die Tiere im Igelskar mit Blick zum Hochplattig aussuchen können!

Jede Menge Schotter...

Die Ehrwalder Alm ist mit ihrer Seilbahn ein beliebtes Ziel für Tagesausflügler und Wanderer, die zum wunderschönen Seebensee pilgern. Der ist im Sommer jedoch schnell überfüllt...

...und so laden die einsamen Nachbarkare zu einer hochalpin spannenden und doch unschwierigen Variante. 500 Jahre lang, noch bis in das letzte Jahrhundert, wurde in den steilen Felsabbrüchen der Mieminger Kette, welche die Ehrwalder Alm überragen, Blei- und Zinkerze abgebaut. Die bedeutendsten Stollen wurden im Igelskar gegraben, dem Geröllkessel, der von Wanderern selten Besuch erhält.

Hütte duckt sich unterm Felsüberhang

Ausschnitt aus: Kompass-Karte 5, Wettersteingebirge; Lizenz: 17-0906-LVB.

Neben einem dieser alten Stollen, die tief und dunkel in den Berg hineinführen, hat die Alpenvereinssektion Coburg vor genau 75 Jahren die Breitenkopfhütte erbaut. Sie ist zwar nur für Sektionsmitglieder zugänglich, doch schon die Rast auf der Bank vor der Hütte ist ein Erlebnis. Der Bau duckt sich unter einen riesigen Überhang, daneben öffnet sich der alte, dunkle Stollen, im Hintergrund glänzen die sonnigen Südabbrüche des Zugspitzmassivs. Steil muss man sich die letzten Meter im Schotter oder Restschnee hinauf zur kleinen „Hüttenterrasse“ erkämpfen, ein wenig mühsam verglichen mit dem bis dort hin führenden Zustiegsweg. Der beginnt ganz unscheinbar, ohne Schild und Markierung hinter dem Igelssee, der mittlerweile nahezu verlandet ist. Durch Latschen und Felsen windet er sich perfekt herum und ist nach einer Weile sogar gut rot markiert. Auf halber Höhe auf dem Weg ins Kar zweigen Steige ab und verlocken, den Spuren der einstigen Bergleute zu folgen.

Doch sollte man sich besser hüten, die einsturzgefährdeten Stollen wie das „Welsche Loch“ zu betreten. Wer im Kar selbst an oder unterhalb der Hütte gerastet hat, findet einen neuen, markierten Steig, der quer hinüber

zur Igelsscharte läuft. Grasmatten, Blumen und sogar winzig kleine Seen finden sich hier zwischen den Felsblöcken und Schuttfeldern, genährt von den Schmelzwasserbächen des Hochplattigs. Dieser mit 2768 Metern

höchste Gipfel der Mieminger Kette baut sich mit seinen steilen Nordwänden direkt überm Weg auf. Wer Glück hat, wird auf dem Weg in die Igelsscharte weidenden Bergschafen begegnen.

In der Igelsscharte angekommen, ist es nicht mehr weit zum gleichnamigen Gipfel. Der kreuzgeschmückte Igelskopf verlangt zwar nur gut 20 Minuten und kaum Kletterei, doch sollte man sich im steilen, grasdurchsetzten Geröll sicher und wohlfühlen. Von dem gleichnamigen Stacheltier stammen die Namen übrigens vermutlich nicht. In alten Karten findet man ein „Negelseekar“ oder „Egelseekar“. Womöglich ist dies auf Egel in den kleinen Wassermulden zurückzuführen...

Wer sich den Igelskopf nicht zutraut und es bei der Scharte belassen möchte, hat dennoch einen traumhaften Blick: zurück ins Igelskar mit der Breitenkopfhütte und hinüber ins Brendlkar, hinter dem weitere wilde Felsbauten wie die Griesspitzen und Tajaköpfe auftauchen. Das erste Stück ins Brendlkar hinab ist dann recht steil und durch den deutlich feineren Schutt etwas rutschig. Danach aber führen einen die Markierungen in einem Bogen zum Ganghofersteig. Der ausgeschilderte Weg hat beim Abstieg zur Ehrwalder Alm noch ein echtes Zuckerl zu bieten: den Brendlsee, der – tief genug für den unerschrockenen Schwimmer – dunkelgrün in einem Felsenkessel liegt. Und an dessen Ufern es verglichen mit dem prominenten Seebensee immer ruhig zugeht.

CHRISTIAN RAUCH

IGELSSCHARTE

ANFAHRT – Auto: A 95 München – GAP bis Autobahnende. Weiter auf der B 2 nach Garmisch-P. und über Griesen nach Ehrwald. Dort der Beschilderung zur Ehrwalder Almbahn folgen. Bahn: Regelmäßige Verbindung München – GAP – Ehrwald. Vom Bahnhof zur Ehrwalder Almbahn ist es zu Fuß weit, teils fahren Busse (Info: www.zugspitze. com/ehrwalderalmbahn/de/busfahrplan.html)

TOUR – Gehzeit: 5 bis 5,5 Stunden. Anforderungen: Die Steige sind überwiegend markiert, dennoch erfordern sie Aufmerksamkeit und Trittsicherheit (teilweise steil). Beim Abstecher zum Igelskopf muss man einige Male die Hände einsetzen und sollte etwas Felserfahrung haben und sicher im steilen Gras/Geröll auf- und absteigen können. Aufstieg: Von der Bergstation der Ehrwalder Almbahn dem Weg Richtung Seebensee folgen. Auf der Forststraße am Gasthof Alpenglühen vorbei in den Wald hinauf.

Oben rechts hinab und danach dem Schild „Igelsee“ nach links folgen. Am Igelsee vorbei und in den Forstweg rechts (der die ersten Meter fast parallel zur Straße verläuft) abzweigen. Nach ca. 200 Metern knickt der Weg scharf nach links. Unmittelbar nach dieser Kurve bzw. nach einem Gatter zweigt rechts bei einem Steinmann der Steig ab. Über Kehren (bald rot markiert) hinauf. Bei einer Wegteilung nicht links in den Graben, sondern rechts weiter. Im Kar zweigt bei einem großen markierten Felsblock links ein Steig zur sichtbaren Breitenkopfhütte ab. Zuletzt steil über Schutt zur Hütte.

Von der Hütte erkennt man einen Steig (rot markiert), der zur Igelsscharte hinüberführt. Von hier Abstecher auf den Igelskopf (rechts der Scharte): Auf Steigspuren durch Gras, später Geröll immer direkt unterhalb der Felsen rechts schräg hinauf. Bis zu einem Grasrücken und hinter ihm zum kreuzgeschmückten Gipfel. Abstieg: Von der Igelsscharte den spärlichen Markierungen folgend über recht steiles, feines Geröll links ins Brendlkar hinab.

Wem dies zu steil/rutschig ist, kann auf dem Hinweg absteigen. In einem weiten Rechtsbogen, nochmals kurz ansteigend, hinüber zum Ganghofersteig. Auf ihm gut markiert zum Brendlsee und hinunter zum Forstweg. Auf diesem rechts halten und zurück zur Ehrwalder Alm.

INFORMATIONEN – Ehrwalder Almbahn, Fahrzeit 8.30 bis 17.45 Uhr, im Oktober bis 16.45 Uhr. (Wichtig: Ansonsten muss man noch ca. 45 Minuten zur Talstation hinunterlaufen!) Berg- und Talfahrt 13,50 Euro, Kinder/Jugendliche 8 bis 11 Euro. Info: www.ehrwalderalmbahn.at.

KARTE – Kompass-Karte 5, Wettersteingebirge.

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