In eigener Sache

München - Der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats hat merkur-online.de eine Rüge ausgesprochen.

Zusammenfassung des Sachverhalts

MERKUR Online veröffentlicht am 12.10.2012 eine Notiz unter dem Titel "Licht im Dunkeln". In der Rubrik "Outdoorteil der Woche" wird dabei eine Stirnlampe des Herstellers Mammut vorgestellt. Der Preis der Lampe wird genannt und es erfolgt ein Hinweis auf die Website des Unternehmens.

Der Beschwerdeführer sieht in dem Beitrag eine Verletzung des Grundsatzes der klaren Trennung von Redaktion und Werbung. Die Veröffentlichung wirke wie ein redaktioneller Beitrag. Kein Hinweis deute auf eine Anzeige hin.

Der Leiter der Online-Redaktion teilt mit, dass die Veröffentlichung im Rahmen der redaktionellen Reihe "Outdoorteil der Woche" erfolgt sei. Diese Reihe betrachte man als Service für den Nutzer. Die Auswahl der darin vorgestellten Produkte werde von der Redaktion getroffen, die dem Leser nützliche Dinge für den Outdoor-Urlaub vorstellen möchte. Das Produkt der Firma Mammut sei von der Redaktion nach eigenem Ermessen ausgewählt worden. Seitens des Herstellers sei keine Einflussnahme erfolgt. Die Darstellung im Text sei sachlich und nicht anpreisend.

Eine Verletzung des Pressekodex liege nicht vor, so der Redaktionsleiter. Man wolle auch in Zukunft den Lesern weiterhin Produkte vorstellen, die aus Sicht der Redaktion für Freizeitaktivitäten im Outdoorbereich nützlich sein könnten.

Erwägungen des Beschwerdeausschusses

Der Beschwerdeausschuss sieht in der Veröffentlichung eine Verletzung des in Ziffer 7 Pressekodex festgeschriebenen Grundsatzes der klaren Trennung von Redaktion und Werbung. Die Mitglieder stellen zwar fest, dass es einer Redaktion frei steht, ihrer Leserschaft Produkte vorzustellen. Dabei sollte sie jedoch darlegen, warum sie exakt dieses Produkt ausgewählt hat und welche Kriterien der Auswahl zu Grunde lagen. Dies ist im konkreten Fall nicht geschehen. Ohne jeglichen Hinweis darauf, was zur Vorstellung genau dieser Lampe geführt hat, wird ein bestimmtes Produkt aus einer Palette ähnlicher Erzeugnisse hervorgehoben. Zusätzlich zu der positiven Darstellung erfolgt die Angabe des Preises und ein Verweis auf die Website des Herstellers. Mit dieser Gesamtdarstellung wird die Grenze zwischen einer Berichterstattung von öffentlichem Interesse und Schleichwerbung (RL 7.2) deutlich überschritten. Die Veröffentlichung wirkt wie eine Produktvorstellung aus einem Katalog und nicht wie ein redaktioneller Beitrag.

Ergebnis

Der Beschwerdeausschuss erklärt die Beschwerde wegen eines Verstoßes gegen die Ziffer 7 des Pressekodex für begründet. Presseethisch bewertet der Ausschuss den Verstoß gegen die publizistischen Grundsätze als so schwerwiegend, dass er gemäß § 12 Beschwerdeordnung eine öffentliche Rüge ausspricht. Die Redaktion wird gebeten, die Rüge gemäß Ziffer 16 Pressekodex zeitnah zu veröffentlichen.

Die Entscheidungen über die Begründetheit der Beschwerde sowie die Wahl der Maßnahme ergehen jeweils einstimmig.

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