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Stille Wasser: Jetzt im Frühling, bevor Badende und Freizeitsportler eintrudeln, ist die schönste Zeit, den Wörthsee zu erkunden.

Eine „sau-schöne“ Gegend

Am Zaun hängen Lumpen, die Dame des (Boots-)Hauses ist zum Frühlingsputz angetreten. Nebenan streicht einer ein Ruderboot, ein paar Häuschen weiter erblicken Surfbretter nach dem Winterschlaf die Frühlingssonne.

Noch liegt er still da, der Wörthsee. Letzte Eisplatten widersetzen sich der Sonne, erste Krokusse und Schneeglöckchen hingegen haben gegen den Winter gewonnen. Doch ohne Eis wäre diese Landschaft nicht so lieblich, wie sie sich heute den Ausflüglern zeigt.

Der Wörthsee wird in der Eiszeit durch den Aufstau von Schmelzwasser des Ammergletschers gebildet, der in der Würm- und Rißkaltzeit entstanden ist und vor 40 000 Jahren zu schmelzen begonnen hat. Der Weßlinger See nebenan ist ein großes Toteisloch. Ein Klumpen Eis bleibt, vom eigentlichen Gletscher getrennt, liegen und schafft nach und nach einen mehr oder weniger kreisrunden See – ohne natürlichen Zu- oder Abfluss.

Der Weßlinger See hat deshalb einen „Geysir“, eine Sauerstoffpumpe, die den See vor dem Umkippen bewahrt und von Zeit zu Zeit eine Fontäne in die Luft schießt. Angesichts dieser anmutigen Gegend ist es kein Wunder, dass hier viele leben wollen. Das Schlendern auf der Seeleite wird auch zu einem Spaziergang durch alle Architekturstile – nun ja, Schönheit liegt ja immer im Auge des Betrachters.

Ausschnitt aus: Kompass-Karte 180, Starnberger See, Ammersee. Lizenz-Nr.: 17-0906- LVB.

Wenn man aber in Schlaghofen abgebogen ist, gibt’s keine Diskussion über Schönheit. Denn was sich da unter Obstbäumen tummelt, müffelt zwar etwas, kommt aber sau-schön daher: Schweine der Rassen Schwäbisch Hällische (die mit dem Sattel) und Bunte Bentheimer (die wie Dalmatiner aussehen). Die fühlen sich nicht nur schweinisch wohl, sondern gehen auch einem Beruf nach. Jawohl, sie sind Gärtner! Namentlich sparen sie dem Freiherrn von Perger, in dessen Gärten Obst für verschiedene Bio-Säfte reift, einen Arbeitsgang in der Bodenpflege mit Maschinen – und sie graben hurtig nach lästigen Nagern. Gefräßige Wühlmäuse hatten den Wurzeln der Holundersträucher zugesetzt und empfindlichen Schaden angerichtet, bis 2008 die Schweinepolizei aufgetaucht ist. Jetzt, wo die Tiere den Boden durchrüsseln, flüchten die Nager von den Plantagen. Man könnte den Steckdosen- Nasen stundenlang zusehen, aber irgendwann muss man sich ja trennen.

Weiter geht’s hinein in den Wald, wo ein Marterl erzählt, dass Adolf Schill aus der Ukraine hier im August 1962 ein Messopfer gemacht hat, als Dank, dass er nach den Kriegswirren bei den Geschwistern Schwaiger eine zweite Heimat gefunden hatte. Hinter dem Wald öffnet sich weites Land, Andechs thront über einem Waldgürtel und Hechendorf kommt ins Bild. In seinem alten Teil ist das noch ein Dorf mit behäbigen Bauernhäusern, rundum haben alle die Fünfseenland- Gemeinden einen rasanten Wandel erlebt. Schuld daran hat vor allem die Lokalbahn Pasing – Herrsching, die 1903 eröffnet wird. Die Sommerfrischler kommen fortan aus der Stadt, auch in Steinebach vollzieht sich der Wandel: Der Ort wird auch deshalb so beliebt, weil man für einen sensationellen Freizeitspaß sorgt. Das „führende Sportbad Fleischmann“ (heute Augustiner am Wörthsee) hat 1929 extra eine Wasserrutschbahn aus Amerika importiert!

RUND UM STEINEBACH

ANFAHRT – S-Bahn: S 8 Richtung Herrsching bis Bahnhof Steinebach. Auto: A 96 München – Lindau. Ausfahrt Oberpfaffenhofen oder Weßling. Über Weßling zum Wörthsee. Parken am S-Bahnhof (großer Parkplatz).

TOUR – 1. Wanderung (s. Karte), ca. 11 Kilometer. Ab Bhf Beschilderung „Fuß- und Radweg zum See“, nach links die Seepromenade, dann Seeleite entlang, kurzes Stück Asphaltstraße bis Campingplatz, links weg (Beschilderung Schlagenhofen/Wörthsee Alm), bis Schlagenhofen. Durch den Ort, am Ortsende links (Feldweg Richtung Herrsching). Bei der Kreuzung im Wald links Richtung Hechendorf. Am Ende des Feldwegs die Teerstraße links bis zur großen Kreuzung, dann rechts ortseinwärts, an der zweiten Straße links (Schilder Günteringer Weg, Radweg nach Steinebach).

2. Kleine Radltour, ca. 25 km. In Hechendorf über Breitbrunner Str. und Hauptstr. durch den Ort, an der T-Kreuzung Radweg rechts nach Seefeld. Große Kreuzung queren. Hinauf zum Schloss, weiter Richtung Drössling, erster Waldweg rechts, wieder rechts, dann geradeaus und bergauf bis Widdersberg (Weg kommt hinter der Kirche aus). Weiter Frieding, Drössling, Unering. In Unering Richtung Höchstadt, erster Feldweg links, bis Tor Wildpark Altinger Buchet. Der Park ist eingezäunt, man kann Räder über die Fußgängersteige heben. Im Park Räder schieben, Wege nicht verlassen! (Wem das zu aufwändig ist, fährt ab Unering nach Höchstadt und von dort nach Delling). Gerade durch den Park bis zum nächsten Überstieg. Bis Gut Delling, Straße überqueren zum Radweg, rechts nach Delling, dort an Straßenunterführung links. Feldweg mit Schildern „4 km Wörthsee“, endet direkt an der S-Bahn in Wörthsee.

TIPPS – 1. Perger Säfte. Hofladen, Herrschinger Str. 51, 82211 Breitbrunn am Ammersee. Geöffnet: Mo, Di, Do, Fr 9 bis 12.30 Uhr und 14 bis 18 Uhr; Samstag 9 bis 14 Uhr. Telefon: 08152/909901; www.perger-saefte.de

2. Kapelle Grünsink: Die hübsche Barock-Kapelle liegt zwischen der Autobahnzufahrt Wörthsee und Weßling „in der grünen Senke“. Rund 240 Jahre gibt es sie, nachdem sich an gleicher Stelle ein Marienbild in einem Baum als wundertätig erwiesen hat. Ein Bild im Baum? Rund 20 Jahre zuvor, so besagt die Legende, hat sich ein Jäger der Grafen Törring im Wald verirrt. Er ruft Maria an und verspricht, ein Marienbild zu stiften. Er wird aus dem Wald geführt und stellt das Bildnis in einen hohlen Baum. Am 13. August 1763 wird die kleine Kirche geweiht und liegt über Jahrhunderte ruhig da, bis die Autobahnzufahrt in nur einem Meter Abstand zum Kirchlein gelegt wird. Die vielen Lkw erschüttern die Kirche in ihren Grundfesten, die Freunde der Kirche kämpfen um Tempolimits und Tonnenbeschränkungen!

VON NICOLA FÖRG

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