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Am Ziel: Der Tourengeher hat den Gröbner Hals erreicht und genießt die traumhafte Sicht im Karwendel.

Ein Gupf für Einsteiger

Einfache Skitour zum Gröbner Hals bei Achenkirch

Lange Fahrten auf verschneiten Straßen sind nicht jedermanns Sache. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum die grenznahen Bayern gerne mal bei ihren Tiroler Nachbarn im Achental vorbeischauen.

Spricht man vom „Schneeloch“ Achenkirch, so denkt man vor allem an das quirlige Skigebiet Christlum. Doch nördlich vom rastlosen Pistenzirkus wartet auch ein ruhiges Tal, das eine idyllische, winterliche Bergwelt für Tourengeher bereithält.

Eine Loipe und ein geräumter Spazierweg ziehen über drei Kilometer ins romantische Unterautal hinein. Danach sind die Skitourengeher unter sich mit ihrem reizvollen Gipfelziel Gröbner Hals (1650 Meter), eine kleine Erhebung im Gröbnerjoch. Ist eine Grundkondition vorhanden, bewältigen sogar „Einsteiger“ die problemlose Tour und „alte Hasen“ sind immer wieder aufs Neue begeistert.

Öl aus dem Blut des Riesen

Zunächst führt eine Forststraße in sanften Kehren höher. Dabei fällt der Blick auf Bergspitzen, die das Tal umrahmen: Am Gipfel der wilden Schreckenspitze (2022 m) wehen sonnenbeschienene Schneefahnen über den Grat. Und hoch über dem Talkessel thront majestätisch der Rether Kopf (1926 m).

Da erblickt man einen gekrümmten Mann mit einem Riesenfass auf dem Rücken und einen schwer beladenen Esel. Die beiden sind auf einem Schild des „Tiroler Steinöl Erlebnis-Wanderweg“ abgebildet. Dieser Weg führt, anders als unsere Skitourenroute, über das Gröbnerjoch hinab ins Bächental zur Steinölbrennerei. Seit gut hundert Jahren wird dort aus Ölschiefer Steinöl für verschiedenste Heilzwecke hergestellt. Bevor kurz vor dem Zweiten Weltkrieg die erste Materialseilbahn gebaut wurde, schleppten die Knappen die Ölfässer mit der Kraxn auf dem Rücken über das Gröbnerjoch. Heute wird das wertvolle Gut auf Lastwägen aus dem Bächental hinaus transportiert.

Einer Sage nach entstand der Ölschiefer aus Blut: Haymo, ein bärenstarker Riese aus dem Rheinland wagte sich vor ferner Zeit ins Karwendel, das Revier des Riesen Thyrsus. Dieser versuchte den Eindringling zurückzutreiben. Während eines erbitterten Kampfes bei Zirl verletzte Haymo den Thyrsus an der Ferse. Der blutende Riese flüchtete zurück in die Berge, wo sein Blut im Gestein versickerte und zu Thyrsusblut, dem Steinöl wurde...

Die Skitourengeher tragen als einzige Last ihren Rucksack auf dem Buckel und stehen nun vor einem freien Wiesenhang mit einem Ombrometer (Niederschlags-Messgerät).

Man verlässt die Forststraße und steigt über kupiertes Gelände empor in Richtung Gröbenalm, die sich vor die steilen Flanken des Rether Kopfs duckt. Bei ungünstiger Lawinensituation wäre bereits vor den weithin sichtbaren Hütten eine Umkehr ratsam. Passen die Verhältnisse, spurt man an der malerischen Alm vorbei nach Westen und über ideale Skihänge hinauf zum langen weißen Gröbner Hals. Auf dem kleinen Gupf angelangt, ist die Aussicht ins Karwendel märchenhaft.

Für die Abfahrt wünscht man sich viel Schnee. Nicht nur weil’s schön staubt, sondern weil dann alle Äste und Steine eingeschneit sind. Tiefschneeanfänger mit wackeligen Oberschenkeln fahren besser wieder die Forststraße runter. Ansonsten, wenn der Schnee langt, schwingt man ab Ombrometer über eine Waldschneise zur Hochstegen- Alm hinab. Nach ein paar Metern Gegenanstieg kreuzt man die Aufstiegsroute und lässt die Ski dann genüsslich ins Tal laufen.

GRÖBNER HALS (1650 M)

ANFAHRT

Autobahn A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. Weiter auf der B 318 bis Tegernsee. Dort auf die B 307 Richtung Achenpass. Weiterfahrt nach Achenkirch. Bei der beschilderten Abzweigung: „Skigebiet Christlum“ rechts und zum nördlichsten Parkplatz am Beginn des Unterautales.

TOUR

Ausgangshöhe: 945 Meter. Höhenmeter: 710 Meter. Aufstiegszeit: ca. 2,5 Stunden. Hangrichtung: Ost. Beste Jahreszeit: Frühwinter bis März. Leichte Skitour (oder Schneeschuhtour), Forstwege, meist mäßig geneigte Hänge, im Allgemeinen geringe Lawinengefahr. Orientierung einfach. Lawinenkundliches Beurteilungsvermögen und komplette Lawinensicherheitsausrüstung erforderlich. Aufstieg: Vom Parkplatz neben der Loipe zunächst auf einer geräumten Forststraße flach ins Unterautal hinein. Dann zieht die Forststraße in mehreren Kehren aufwärts. Eine leicht fallende Linksabzweigung wird ignoriert (hier kommt man nach der Abfahrt über die Hochstegen-Alm wieder auf die Anstiegsroute zurück). Weiter auf der Forststraße gemächlich bergauf. Dann im Linksbogen über die Unteraubachbrücke. Nach einem Wald taucht rechts ein freier Hang mit einem Ombrometer auf. Hier verlässt man die Forststraße nach Westen und zieht die Aufstiegsspur über den freien Wiesenhang aufwärts. In kupiertem breitem Gelände erreicht man die von weitem sichtbare Gröbenalm, die unterhalb der steilen Ausläufer des Rether Kopfes liegt. Zwischen den Hütten hindurch und bergauf in westliche Richtung. Nach kleinen Mulden rückt man an den Gipfel heran. Entweder durch einen großen Linksbogen über den langen Hals, oder von rechts her auf den höchsten Punkt.

Abfahrt: Zurück zum Ombrometer. Von dort aus nicht auf der Forststraße, sondern leicht rechts haltend durch eine Waldschneise geradeaus hinunter. Vor der Hochstegen- Alm (1159 m) einen kleinen Bach überqueren. Dann auf einem Almweg, kurz ansteigend, zur vom Aufstieg her bekannten Forststraße zurück. Jetzt auf der Forststraße abfahren bis zum Parkplatz.

SKIGEBIET CHRISTLUM

Tel.: 0043 / 5246 / 6300; www.christlum.at; Loipe: leicht, 6 km, klassisch und skating; Winterwandern: geräumter Weg ins Unterautal. Infos über weitere Wege und Loipen: Tourismusverband Achensee, Tel.: 0043 / 5246 / 5300; Internet: www.achenkirch.info

BUCHTIPP

Skitourenführer „Karwendel, Rofan, Wetterstein“. Von Doris & Thomas Neumayr. Panico Alpinverlag, 2. Auflage 2010, 239 Seiten, 22,80 Euro.

KARTE

Kompass-Wander- und Skitourenkarte 182, Isarwinkel, Bad Tölz, Lenggries.

VON DORIS NEUMAYR

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