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Eine luftige Stelle am Isidorklettersteig. Man sieht das Sicherungsseil, in das beide Karabiner eingehängt werden, und die Klammern als Tritthilfen.

Eine neue Alpinschule macht Bergsteiger fit für die Ferrata

Einstieg in den Klettersteig

Trendsport Nummer eins in den Bergen? Ganz klar die Klettersteige! Darunter versteht man alpine Routen, die mit Seilen und künstlichen Tritthilfen ausgestattet wurden. So können auch Nicht-Kletterer steiles Felsgelände erklimmen.

Infos zu Schule:

Die Klettersteigschule Berchtesgaden veranstaltet immer samstags sechsstündige Klettersteigkurse für 65 € pro Person inklusive Salewa-Leihausrüstung.

Infos und Anmeldung: www.klettersteigschule.de, Telefon 0171/822 77 51.

Das durchgängige Stahlseil, in das man sich einhängt, verhindert (in derRegel) tödliche Abstürze – Abenteuer light. Doch diese Sicherung verleitet auch zum Leichtsinn: Immer öfter müssen Bergretter überforderte Kraxler aus Klettersteigen abseilen oder gar ausfliegen. In Berchtesgaden hat nun die erste Klettersteigschule Bayerns eröffnet – eine Bergschule, bei der sich alles um die Via Ferrata (Eisenweg) dreht, wie Klettersteige auch genannt werden. Die tz hat einen Grundkurs begleitet:

Hans Stöckl, der staatlich geprüfte Bergführer, machtunsfünf Novizen zunächst mit der Ausrüstung vertraut. Dann demonstriert der 28-Jährige an einem mit Seilen, Klammern und Stahlstiften gespickten Übungsfelsen den wichtigsten Handgriff: das Umhängen der Karabiner an den Bohrhaken, mit denen das Sicherungsseil im Fels fixiert ist. „Niemals beide Karabiner gleichzeitig öffnen!“, mahnt Hans. Zweite goldene Regel: Zwischen zwei Fixpunkten darf immer nur je eine Person klettern. Damit im Falle eines Falles der Hintermann nicht mitgerissen wird.

„Die Stürze in Klettersteigen werden oft unterschätzt“, hat Hans festgestellt. Die teils beträchtliche Fallhöhe und das ruckartige Abbremsen führen mitunter zu schweren Verletzungen. Hans legt besonderen Wert auf gewissenhafte Tourenplanung: „Dazu gehört vor allem, dass man sich über die Schwierigkeit und die Länge eines Steigs informiert und beides mit den eigenen Fähigkeiten abgleicht.“ Eine Tücke der meisten Eisenwege ist nämlich: Es besteht keine Gelegenheit, vorzeitig auszusteigen. Und meist versperren nachfolgende Kletterer den Rückzug.

Bei der Bewertung der Schwierigkeit eines Klettersteigs haben sich die Buchstaben A (wenig schwierig) bis E (extrem schwierig) durchgesetzt. Zwischen B und C rangiert der Isidorsteig, den Hans am Nachmittag mit uns angeht. Alle Kursteilnehmer gewinnen rasch Trittsicherheit auf den Eisenstiften und -klammern. Konzentriertes Umhängen der Karabiner. Und so wird die Vertikale allmählich zur Vertrauten. Ein prickelnder Cocktail aus Endorphin und Adrenalin durchströmt den Körper. Sind wir nicht alle ein bisschen Huber- Bua?

Nach knapp drei Stunden haben wir die 700 Höhenmeter durchklettert. Am Gipfel des Grünsteins präsentiert sich der Watzmann von seiner schönsten Seite. Etwas unterhalb lockt eine Hütte, wo sich jeder Kletterer ein Weißbier gönnen darf – schließlich verläuft der Abstieg ganz sanft über einen Wanderweg.

Tipps für Klettersteig-Anfänger:

  • Bevor Sie ins Gebirge gehen, probieren Sie zunächst in einem Hochseilgarten aus, ob Sie schwindelfrei sind und mit dem Gefühl des Ausgesetztseins klarkommen.
  • Langsam steigern. Nicht gleich einen schwierigen Steig angehen.
  • Achten Sie vor und während einer Tour aufs Wetter! Nässe ist gefährlich, ein Gewitter lebensbedrohlich.
  • Partnercheck. Überprüfen Sie mit Ihren Begleitern gegenseitig, ob die Sicherheitsausrüstungvollständigund korrekt angelegt ist.
  • Genug Proviant und Getränke mitnehmen. Entkräftung ist eine der häufigsten Unfallursachen.
  • Deshalb auch kraftsparend klettern! Am Seil möglichst keine Klimmzüge machen, sondern mit gestreckten Armen steigen. Die Beine erledigen die meiste Kraftarbeit! Bei Pausen ruhig mal in den Gurt setzen, entspannen.
  • Klettersteige aller Schwierigkeitsgrade sowie viele hilfreiche Tipps finden Sie auf www.klettersteig.de.

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