Bilder aus Garmisch 1922

Eiszauber anno dazumal

Im Januar 1922 herrscht bestes Wintersportwetter. „Rodelbahn und Skigelände sehr gut“, meldet das Blomberghaus, „vorzüglicher Pulverschnee“, heißt es vom Spitzstein in Tirol. 

So steht es damals in der „Münchener Zeitung“. Nichts wie rein ins Wintervergnügen.

Es sind politisch unruhige Zeiten damals. In Bayern regiert der rechtskonservative Eugen von Knilling, in Rom stirbt am 22. Januar Papst Benedikt XV. Ende Januar wird Walter Rathenau Reichsaußenminister, in Cannes beginnen Verhandlungen über Erleichterungen bei den deutschen Reparationszahlungen nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg. Es gibt Berichte über Streiks der Transportarbeiter und die Inflation steigt. In Garmisch-Partenkirchen aber herrscht Eiszauber. Eine „Wintersportwoche“ lockt Rodler, Skifahrer und Schlittschuhläufer von nah und fern. Grund genug für eine Massenillustrierte, einen Fotoreporter an den idyllischen Riessersee zu schicken. Die „Berliner Illustrirte Zeitung“, die damals eine Millionenauflage hatte, entzückt ihre Leser 1922 mit Fotos vom Riessersee. Irgendjemand hat ein Klavier dorthin geschleppt. Dann tanzen die Eisläufer im Schneetreiben zu Klaviermusik.

Dabei ist der Hintergrund der „Wintersportwoche“ durchaus ernst. Der Deutsche Reichsausschuss für Leibesübungen will damit den Sport protegieren. Für die Rodelwettbewerbe am Gudiberg haben sich 50 Teilnehmer gemeldet, darunter Fritz von Opel („Raketenfritz“), Enkel des Opel-Gründers, und Harry Piel, damals ein bekannter deutscher Schauspieler. Gesehen wird auch die österreichische Operndiva Lola Beeth, die aber wohl nur zusah. Ein wenig Noblesse in der Notzeit – manch Tourismusmanager wäre heute froh darum.

Von Dirk Walter

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